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Studie in Down UnderMehrheit der Australier sehen Ureinwohner negativ

Eine langjährige Befragung in Australien hat ergeben, dass Vorurteile der Bevölkerung gegenüber den Indigenen weitverbreitet sind. Die Ergebnisse seien schockierend, aber nicht überraschend, sagen die Verfasser der Studie.

«Schockierend, aber nicht überraschend»: Die Studie ist ein Beleg für die unsichtbaren Barrieren in der australischen Gesellschaft.
«Schockierend, aber nicht überraschend»: Die Studie ist ein Beleg für die unsichtbaren Barrieren in der australischen Gesellschaft.
(KEYSTONE/AP/Rick Rycroft/Archiv)

Die Mehrheit der Australier ist negativ gegenüber den Ureinwohnern des Landes eingestellt. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Studie über unbewusste Voreingenommenheit der Australian National University (ANU).

Demnach haben drei von vier Australiern eine negative Einstellung gegenüber den indigenen Bewohnern des Kontinents – unabhängig vom Alter, Geschlecht, Bildung, Beruf, Religion, Einkommen oder der politischen Einstellung. Diese Art der negativen impliziten oder unbewussten Voreingenommenheit «kann zu weitverbreitetem Rassismus führen». Es sei wahrscheinlich, dass viele Menschen, die solche Ansichten hätten, sich ihrer Vorurteile nicht bewusst seien, erklärten die Forscher.

Umfassende und langjährige Befragung

Befragt wurden mehr als 11'000 Australier über einen Zeitraum von zehn Jahren. An der im «Journal of Australian Indigenous Issues» Studie beteiligten sich auch die Universitäten Harvard, Yale und die University of Sydney. «Die Ergebnisse sind schockierend, aber nicht überraschend», sagte Siddharth Shirodkar von der ANU.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine implizite negative Einstellung gegenüber indigenen Australiern weitverbreitet in der Gesellschaft sein könnte und wahrscheinlich die Ursache für den Rassismus sei, den viele der Ureinwohner erfahren. Die Studie sei ein Beleg für die unsichtbaren Barrieren, denen sie in der Gesellschaft gegenüber stünden, hiess es.

SDA

8 Kommentare
    Carmen Siegrist

    Ich selbst war noch nie in Australien, habe jedoch von den grausamen Massakern der eingewanderten Weissen am einheimischen Volk gehört. Mein Schwiegervater hatte mit seiner Pensionierung als selbständiger Fotograf den Antrieb noch möglichst viele Urvölker kennen zu lernen. Seit Vater und seine drei Brüder sind mit ihren Familien in den 50er Jahren nach Australien ausgewandert. Er war sehr positiv beeindruckt vom Leben der Aborigines. Er brachte nach dem ersten Besuch ein Didgeridoo aus Eukalyptusholz, ausgehöhlt von Termiten mit, das sie ihm geschenkt hatten. Jetzt gehört es mir. Bei uns wurde das Didge spielen bekannt als wirksames Mittel gegen die Schlafapnoe, den nächtlichen Atemaussetzern. Auch gegen das Schnarchen ist es wertvoll, werden doch die Zwerchfellkraft und die Muskeln des Rachenraumes gestärkt beim Spielen, und es macht Spass. Mein Schwiegervater zeigte echtes Interesse am Leben der Naturvölker und pflegte einige Kontakte auch aus anderen Ländern bis zu seinem Tod. Er hatte die Fähigkeit, eine Beziehung mit ihnen einzugehen, ihnen echt und vorurteilslos zu begegnen.

    Es ist schlimm, wie die menschliche Art sich anderen Menschen dermassen überlegen fühlt und sich ein Recht herausnimmt, die anderen herabzusetzen. Vor allem wenn diese Anderen keine Schulbildung wie wir sie kennen, ausweisen können. Da sind wir einfach arrogant. In der menschlichen Begegnung können solche Barrieren überwunden werden, wenn beide Seiten dafür offen sind. Diese Offenheit ist kostbar.