Bezirksgericht Meilen

Goldküsten-Bewohnerin zieht Pöstler vor Gericht

Ein Pöstler soll ausgeflippt sein, als er einer Kundin zwei Pakete gebracht hat. Von Beschimpfung und einer Tätlichkeit ist die Rede. Vor Gericht bestreitet er das und spricht von einer schwierigen Kundin.

Eine Auseinandersetzung zwischen einem Pöstler und einer Bewohnerin von Küsnacht hat das Meilemer Bezirksgericht beschäftigt.

Eine Auseinandersetzung zwischen einem Pöstler und einer Bewohnerin von Küsnacht hat das Meilemer Bezirksgericht beschäftigt. Bild: (Symbolbild)/Keystone

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Tatort Küsnacht, ein gehobenes Quartier. Angeblicher Täter ist ein Pöstler, Opfer eine pensionierte Dame. Sie wirft ihm vor, sie als «puttana» bezeichnet und sie mit seinem Lesegerät gescannt und geblendet zu haben.

Schockiert sei sie gewesen, als er sie mit dem Gerät von oben bis unten abgescannt habe, erzählt sie vor Gericht. Er habe sich sogar absichtlich so hinter die Türe gestellt, dass sie ihn vor dem Öffnen nicht sehen konnte. Warum er das getan habe, wisse sie nicht. Es sei aber nicht das erste Mal, dass er sie abgescannt habe. Und sie wisse, dass sich die Pöstler im Dorf über sie lustig machen, weil sie einen englischen Akzent habe. Die Dame beschwerte sich kurz nach dem Vorfall bei der Post. Später reichte sie eine Anzeige ein.

Der Pöstler, 34 Jahre alt, verheiratet, nicht mehr in Küsnacht tätig, aber weiterhin bei der Post, streitet die Vorwürfe ab. Die Dame sei als schwierige Kundin bekannt gewesen. Ja, man habe sich gestritten. Doch weder habe er sie beschimpft, noch geblendet. Seine Version lautet so: Er hatte zwei Pakete dabei, wusste, dass es sich um eine Zweitzustellung handelte. Also wartete er geduldig vor der Türe. Diese ging einen Spalt auf und wurde gleich wieder geschlossen. Seiner Aufforderung, für die Pakete zu unterschreiben kam sie nicht nach.

Dann sah er die Hausherrin bei der Garage unten stehen. Sie sagte, sie werde jetzt signieren. Er liess die Pakete bei der Haustür, ging mit dem Lesegerät zu ihr, sagte, sie müsse jetzt unterschreiben. Sie lehnte ab, mit den Worten «ich muss gar nichts, sie sind ja nur der Paketbote». Daraufhin habe er sie eine schwierige Kundin genannt, habe einen Abholzettel ausgefüllt und sei mit den Paketen wieder weggefahren. Sie habe ihm noch mit einer «saftigen Reklamation» gedroht.

Wer kann besser Italienisch?

Zeugen für das Geschehen gibt es nicht. So versuchten die beiden Anwälte die Richterin davon zu überzeigen, dass ihr jeweiliger Klient glaubhaftere Aussagen gemacht hat. Das gipfelte etwa im Wettstreit darum, ob eine anglophone Hausfrau oder ein Deutschschweizer Pöstler mit dem italienischen Wort für Hure vertrauter ist.

Fast Körperverletzung

Für den Anwalt der Privatklägerin gibt es keinen Grund, warum sie die Geschichte erfinden sollte. Der Pöstler habe selber gesagt, dass es möglich ist, dass er das Lesegerät in Richtung der Frau gehalten hat. Der Anwalt rückt die angebliche Attacke gar in die Nähe einer Körperverletzung. Da es nicht der erste Vorfall mit dem Paketboten war, habe sie es nicht mehr hinnehmen wollen.

Der Verteidiger weist darauf hin, dass in der ersten Beschwerde das Blenden noch nicht erwähnt wurde. Zudem zweifelt er an, dass die angegebenen Verletzungen am Auge — ein mehrstündiges Brennen und Rötungen — nicht von dem Scanner stammen könnten. Dieser sei dafür zu schwach.

Es steht Aussage gegen Aussage. Nicht ganz überraschend kommt die Richterin zum Schluss, dass der Pöstler freizusprechen ist. Die Zweifel überwiegen. Weder die Beschimpfung, noch die Tätlichkeit sind demnach zu beweisen. Der Entscheid kann noch an das Obergericht weitergezogen werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.11.2017, 15:18 Uhr

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