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Interview mit Jürg Halter«Meine Gedichte passen zu einer Scheidungsparty»

Heute erscheint das Buch «Gemeinsame Sprache» von Jürg Halter. Er spricht über Liebeslyrik, das Versprechen einer Clubnacht und performt im Video über Kokain.

Der Berner Dichter Jürg Halter sagt: «Gute Gedichte sollen verständlich sein.»
Der Berner Dichter Jürg Halter sagt: «Gute Gedichte sollen verständlich sein.»
Foto: Rob Lewis

Was macht ein gutes Gedicht aus?

In Gedichten, die mir was bedeuten, erkenne ich immer auch etwas von mir, sei es mir noch so fremd. Gute Gedichte bringen mich auf frische Gedanken, überraschen mich mit Bildern, die ich vielleicht schon kenne, aber so noch nicht gesehen habe. Ein gutes Gedicht spricht für sich, zu und mit mir, es widerspricht, bestätigt oder verwirrt mich. Gute Gedichte sollen verständlich sein.

Das Gedicht hat immer noch das Image, es sei nur Hochkultur. Ihre Gedichte sind formal sehr unterschiedlich. Mit Absicht?

Ich bin geprägt von Lyrik aus vielen Ländern. Im angelsächsischen Raum etwa ist die Grenze zwischen Hoch- und Unterhaltungskultur durchlässiger. Der deutschsprachige Raum ist schubladisierungsbesessener: da Humor, da Ernsthaftigkeit, da Politik, da Tiefsinn. Dabei darf doch auch in Gedichten all dies vorkommen. In der deutschsprachigen Lyrik fehlt es mir oft an Direkt- und Selbstverständlichkeit. Die Lyrik wird bei uns aber auch zu wenig als etwas Lebendiges vermittelt. An Schulen sollte man bei der Lyrikvermittlung nicht mit Goethe, sondern mit Songtexten beginnen, die die Schülerinnen und Schüler hören, und dann das Verbindende zwischen Lyrics und Lyrik aufzeigen.

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