Pro und Contra

Bundesrat: Müssen am nächsten Mittwoch zwei Frauen gewählt werden?

Nächsten Mittwoch sind Bundesratswahlen. Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP, und Barbara Steinemann, Kantonsrätin SVP zum Thema Frauenquote.

Bild: Keystone

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PRO

Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP

Natürlich müssen am nächsten Mittwoch zwei Frauen in den Bundesrat gewählt werden! Das steht für mich ausser Zweifel. Über die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen, selbstverständlich müssen Frauen da angemessen im Bundesrat vertreten sein.

In der Schweiz wird der Konkordanz mit Recht ein hoher Stellenwert beigemessen. Wir nehmen auf Sprach- und Randregionen Rücksicht, haben eine Regierung, die mit Parteienkonkordanz funktioniert. Es ist daher nur konsequent, dass auch die Geschlechterkonkordanz gelten muss.

Seit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 gab es erst sieben Bundesrätinnen: Elisabeth Kopp, Ruth Dreifuss, Ruth Metzler, Micheline Calmy-Rey, Doris Leuthard, Eveline Widmer-Schlumpf und Simonetta Sommaruga. Diesen sieben Frauen standen bisher 34 männliche Bundesräte gegenüber. Das sagt doch einiges darüber aus, wie es in Bundesbern um die Gleichstellung steht. Leider ist dies keine neue Erkenntnis, beschämend ist sie alleweil.

Das Lieblingsargument der Frauenverhinderer «Wir wollen nur die Besten und keine Quotenfrauen» verfängt in der jetzigen Wahlsituation nicht. Sonst ist es immer geradezu symptomatisch, dass die Frage der Fähigkeit nur dann ins Spiel kommt, wenn es um den Frauen­anspruch geht. Interessanterweise wird der männlich geprägte Massstab der Kompetenz vor allem aber bei den Frauen sehr streng angewendet. Währenddessen können Männer Bundesräte werden, deren Führungsqualitäten durchaus in Zweifel gezogen werden dürfen.

Bei der letzten Bundesratswahl wurde Isabelle Moret auf geradezu perfide Art und Weise die Kompetenz zur Bundesrätin abgesprochen, obwohl in den Hearings alle Kandidierenden gleich stark waren. Das ist jetzt anders: Sowohl Viola Amherd, Karin Keller-Suter als auch Heidi Z’graggen gelten als absolut kompetent. Diese drei Frauen sind auch in der Tat sehr fähig und bringen einen gut gefüllten Rucksack an Politerfahrung mit.

Die Vereinigte Bundesversammlung ist also in der komfortablen Lage, eine echte Auswahl zu haben. Während Karin Keller-Suter von der FDP schon von Beginn weg als Kronfavoritin gehandelt wurde (Hans Wicki wurde darum im «Blick» als Quotenmann bezeichnet), hat die CVP erfreulicherweise ein reines Frauenticket vorgelegt.

Somit stehen die Chancen am nächsten Mittwoch tatsächlich gut, dass in Zukunft immerhin wieder drei Frauen im Bundesrat vertreten sein werden. Mich freuts!

KONTRA

Barbara Steinemann, Kantonsrätin SVP

Sollen wir Frauen wählen, nur weil sie Frauen sind? Feministinnen und politisch links stehende Gruppierungen erheben regelmässig und medial omnipräsent diese Forderung, wenngleich auch nicht so banal formuliert – und lassen dann im entscheidenden Moment die Besten von ihnen fallen: Ruth Metzler ebenso wie Rita Fuhrer, Karin Keller-Sutter vor acht Jahren und letztes Jahr Isabelle Moret.

Die Empörungsbewirtschaftung und Generalanklage ist mittlerweile in eine ernüchternde Diskussion gemündet; viele Politiker sehen es inzwischen als allgemeine Pflicht an, Frauen zu Führungspositionen zu verhelfen. Basierend auf der Behauptung, dass viele Frauen zwar wollen, aber nicht können, weil man sie nicht lässt, geht unterschwellig diese Unterstellung einher mit dem Anspruch, die Frau in der Chefetage solle als Fürsprecherin ihres Geschlechts auftreten und sich zu Frauenanliegen bekennen. Ausgeblendet wird, dass wohl die wenigsten Frauen in der Bevölkerung die Anliegen der politisch nach links tendierenden Frauenlobby teilen.

Wenn die Schweiz ab 2019 den weib­lichen Anteil im Bundesrat ausbauen wird, ist dies dann doch dem Zufall zu verdanken: Die FDP hat mit Karin Keller-Sutter nicht in erster Linie eine Frau präsentiert, sondern eine langjährige Führungsperson mit Überzeugungskraft, einer soliden liberalen Grundhaltung, einem beeindruckend profunden Wissen und einem brillanten Auftreten.

Und die CVP hat nach zahlreichen Absagen guter Kandidaten die beiden chancenlosen Anwärter, darunter auch eine Frau, aus dem Rennen genommen, worauf zufälligerweise zwei Frauen übriggeblieben sind. Das Tor steht weit offen für die Besten, die wollen, die zufälligerweise dem weiblichen Geschlecht angehören.

Die Personalpolitik des höchsten politischen Amtes im Land lässt sich nicht auf ein äusserliches Merkmal reduzieren. Gleiche Rechte und Chancengleichheit haben wir hierzulande längst erreicht, die Schweiz ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch ohne Förderung viel weiblicher geworden.

Als kompetent bezeichnet werden dürfen all jene Frauen, die sich durch Leistung hervorgetan haben. Man wird kaum auf eine weibliche Führungskraft treffen, die sich öffentlich dazu bekennt, ihre Position nicht ihrer Leistung zu verdanken, sondern der Frauenförderung. Damit würde man uns zurück ins Klischee des angeblich schwachen Geschlechts drängen. Und das sind wir ganz bestimmt nicht. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 01.12.2018, 10:57 Uhr

Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP

Barbara Steinemann, Kantonsrätin SVP

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