Pro & Contra

Tag der Pausenmilch – eine sinnvolle Aktion?

Am 7. November findet wie jedes Jahr der Tag der Pausenmilch statt. Dabei werden landesweit an Schulen über 310'000 Portionen Milch ausgeschenkt. Über den Sinn dieser Aktion debattieren zwei Redaktorinnen.

Pausenmilch trinkende Primarschüler.

Pausenmilch trinkende Primarschüler. Bild: Keystone

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Ja

Liebe Walliseller Kinder, ich muss euch kurz aufklären. Milch ist nicht jene schaumig-klebrige Masse, die in der viel beworbenen Schnitte zwischen zwei Schokoladenbiskuits steckt. Milch ist flüssig und kommt nicht aus der Süsswarenfabrik, sondern aus der Kuh. Sie schmeckt süsslich-frisch. Warum ich euch das erkläre? Weil ihr dieses Jahr erstmals nicht mehr von der Milch kosten dürft, die euch die Landfrauen eurer Gemeinde während zwei Jahrzehnten einmal im Jahr gratis ausgeschenkt haben. Die Schulleiterkonferenz fand das keine gute Idee, von wegen fragwürdigem Sponsoring und so.

Diese Lehrpersonen finden auch, Milch sei gar nicht so gesund, wie man es uns glauben machen will. Damit widersprechen sie Empfehlungen von internationalen und nationalen Ernährungsfachgesellschaften, täglich drei Portionen Milch und Milchprodukte zu konsumieren. Das sind beispielsweise ein Becher Jogurt, ein Stück Käse oder eben ein Becher Milch. Natürlich ist es zu begrüssen, wenn diese Produkte aus umwelt- und tiergerechter Haltung kommen.

Milch ist – wie heute fast jedes Lebensmittel – mit Ideologien und Mythen behaftet, über die sich stundenlang diskutieren liesse. Indem man die traditionelle Aktion aus ideologischen Gründen vom Schulareal verbannt, will man sich vermutlich neutral geben, zeigt aber eher: Milch ist schlecht.

Vor allem aber streicht man aus lauter «Educational Correctness» den Kindern eine weitere Abwechslung aus dem Schulalltag. Und das obwohl kein Kind je zum Milchkonsum gezwungen worden ist. Für Schüler mit Laktose-Intoleranz gab es sogar spezielle Milch im Angebot. Da fragt man sich natürlich schon, welche Bereicherung des Schuljahrs als nächste der Ideologie-Guillotine zum Opfer fällt.

An Ideen für potenzielle Embargos dürfte es nicht mangeln. Da wäre zum Beispiel die Berufswahlparcours für die Oberstufenklassen. Er wird oft in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe organisiert. Achtung: Sponsoring! Dabei werden meist auch Berufsbilder in der Automobilbranche vorgestellt. Achtung: nicht klimaneutral! Und was ist mit dem guten alten Pausenapfel, der heute noch vielerorts verteilt werden darf? Bleibt der Moment abzuwarten, an dem er verboten wird. Stichworte Fruchtzucker und fehlendes Bio-Label.

Nein

Natürlich ist es nett, wenn Landfrauen einmal jährlich gratis Pausenmilch verteilen. Aus gesundheitlicher Sicht ist wohl kaum etwas gegen einen vernünftigen Konsum von Milch und Milchprodukten einzuwenden, wie die meisten seriösen Studien nahelegen.

Etwas anders sieht die Sache vom Aspekt der Umwelt und des Tierwohls aus. Der Verband Swissmilk ruft auf seiner Webseite in Erinnerung, dass zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz aus Grasland bestehen. Tatsächlich macht es viel Sinn, in Höhenlagen, wo weder Getreide noch Kartoffeln angebaut werden können, Tiere weiden zu lassen. Sie sind in der Lage, Gras in wertvolle Nahrungsmittel umzuwandeln.

Die Realität sieht aber anders aus: Zahlreiche Kühe leben in Ställen im Flachland. Sie fressen höchstens im Sommer für einige Monate Gras auf einer Alp. Ansonsten vertilgen die Hochleistungskühe, die in der Schweiz bis zu 35 Liter Milch pro Tag hergeben, grosse Mengen an Kraftfutter. Häufig besteht dieses aus importierten Sojabohnen, die in Südamerika unter bedenklichen Bedingungen angebaut werden – Stichworte: Monokulturen, Pestizide, Abholzung der Regenwälder, Klima- Belastung.

Eigentlich produzieren Kühe die Milch ja für ihre Kälber. Die meisten Bauern nehmen ihr das Kälbchen aber gleich nach der Geburt weg. Dennoch warb der Dachverband der Schweizer Milchproduzenten mit dem Slogan, Schweizer Kühe seien wegen des Familienanschlusses glücklich.

Nachdem die Tierrechtorganisation Animal Rights Switzerland bei der Lauterkeitskommission wegen Irreführung der Konsumenten geklagt hatte, wurden die Plakate abgehängt. Auch die Haltungsbedingungen und der Auslauf sind nicht auf allen Höfen optimal. Soviel zu den Produktionsbedingungen des als natürlich angepriesenen Nahrungsmittels.

Sicher ist eine Tasse Milch zum Frühstück sowie etwas Yoghurt und Käse sinnvoll, besonders für Kinder – aus Tierschutz- und Umweltgründen gern in Bio-Qualität. Ob man aber den sowieso bereits viel zu hohen Konsum tierischer Nahrungsmittel mit einer Werbeaktion zusätzlich anheizen sollte, darf angezweifelt werden.

Erstellt: 01.11.2019, 15:05 Uhr

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