Weihnachts-FlashBack

Ich und mein Alter (L)Ego

Lego waren für Online-Redaktor Fabian Röthlisberger als Kind das Grösste. Wieso sich bei ihm diese Weihnachten wieder alles um das Kultspielzeug dreht, erzählt er im ersten Beitrag von «Weihnachts-FlashBack».

Es gibt viele schöne Dinge aus meiner Kindheit, an die ich mich gerne zurückerinnere: Camping-Ferien am Sihlsee mit der ganzen Familie, Kasperli-Kassetten hören (rauf und runter) mit meinen Schwestern... und natürlich Lego spielen. Stundenlang konnte ich mich damit beschäftigen. Das Kultspielzeug hat mich während meiner ganzen Kindheit begleitet und es stand mit Abstand am meisten auf meinem Wunschzettel. Ich kann mich kaum an Weihnachten erinnern, an denen ich mir kein Lego gewünscht hatte. Das Christchindli brachte mir beispielsweise eine Ritterburg, ein Space-Shuttle, eine Autowaschanlage inklusive Autowerkstatt. Und mein grösster Stolz: ein Piratenschiff. Einen Zweimaster mit rot-weiss gestreiften Segeln. In meiner Fantasie war ich dann selber Pirat und machte mit meiner Crew die sieben Weltmeere unsicher - oder in meinem Fall meistens das Wohnzimmer.

Unzählige Stunden habe ich mit diesem Piratenschiff gespielt. Screen Shot: picclick.co.uk

Allein das Zusammenbauen war schon ein Highlight. Stolz, wenn es fertiggestellt war, machte das Spielen dann umso mehr Spass. Mit der Zeit konnte ich mich an schwierigere Bausätze heranwagen, bis ich sogar ein ferngesteuertes Auto von Lego Technics bauen konnte.

Lieblingstier und Lieblingsspielzeug in einem

Das erste Lego, das ich bekommen habe, war von Fabuland. Diese Reihe wurde allerdings 1989 eingestellt (tja, ich werde langsam alt). Hauptdarsteller waren Lego-Figuren mit Tierköpfen. Meine Lieblingsfigur war der Elefant - er hiess Edouard. Vielleicht ist er der Grund, wieso die Dickhäuter auch in Natura meine Lieblingstiere wurden.

Fabuland-Figuren putzen ihr schönes Haus. Vielleicht wollten mich meine Eltern so dazu bringen, dass ich endlich mein Zimmer aufräume. Screen Shot: brickset.com

Und wann habe ich zum letzten mal ein Lego bekommen? Nun, das war vor wenigen Wochen. Und: es war nicht EIN Lego, es waren sogar ZWEI. Aber dazu komme ich gleich noch.

Der Bubentraum lebt weiter

Jedes Jahr vor Weihnachten erinnere ich mich etwas wehmütig an meine Lego-Zeit und es kommt vor, dass ich mich im Einkaufszentrum «aus Versehen» in der Spielwarenabteilung «verirre». Logisch führt dann der einzige Ausweg am Lego-Regal vorbei - wo ich dann eine kleine Pause einlegen muss. Vor ein paar Jahren entdeckte ich (natürlich während ich verzweifelt den Ausgang aus der Spielwarenabteilung suchte) einen Lego-Adventskalender. Ich war begeistert. Wenn es den schon gegeben hätte, als ich noch Kind war, hätte ich ihn unbedingt haben wollen. «Oder soll ich ihn doch kaufen?», fragte ich mich. Aber dann wurde ich doch vernünftig: «...nein, ich bin zu alt dafür!» Und so stand ich jedes Jahr kurz vor der Adventszeit erneut vor diesem Adventskalender, ohne ihn zu kaufen.

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner jüngeren Schwester zum Essen verabredet, als sie mir ein verheissungsvolles Päckchen entgegenstreckte. «Ich muss dir dein Geschenk schon vor Weihnachten geben», sagte sie, «und du musst es vor dem ersten Dezember öffnen». Und so bin ich nach jahrelangem Träumen zu meinem Lego-Adventskalender gekommen. Irgendwie erschreckend und wunderschön zugleich, wie gut mich meine Schwester kennt.

Törli 1-4 meines Adventskalenders: Die Feuerwehrband spielt und Schneemännchen hören zu - das geht nur bei Lego. Handybild: far

Noch bis am 24. Dezember sieht mein Morgenritual folgendermassen aus: Ich hole mir einen Kaffee, mache ein Törli auf und baue das Lego zusammen. Erst dann kann ich entspannt duschen gehen und mache mich parat für die Arbeit.

Lego zum Abschied

Das war Lego Nummer Eins. Das zweite habe ich dann eine Woche später bekommen. Und zwar von meinem Chef höchstpersönlich! Im Dezember habe ich meinen Schreibtisch bei der Zürichsee-Zeitung in Wädenswil geräumt und habe meinen Arbeitsplatz nach Winterthur zum Landboten gezügelt. Mit einem kleine Apéro wollte ich mich beim Zürichsee-Team für die schöne Zeit bedanken und mich gebührend verabschieden. Martin Steinegger, der Chef unseres Online-Teams, überreichte mir zum Abschied ein Präsent: «Damit du auch in Winterthur den Zürichsee nicht vergisst», sagte mein ehemaliger Pultnachbar. Ich nahm das Päckchen an mich und schüttelte es leicht. Dieses dumpfe Kimpern kam mir bekannt vor: Es müssen Lego sein. Tatsächlich kam hinter dem roten Geschenkpapier eine Lego-Fähre zum Vorschein.

Ich, ein Lego-Nerd

Und so kam es, dass ich den darauffolgenden kalten Samstagabend liebend gern zu Hause an der Wärme verbrachte und meine Fähre genüsslich zusammenbaute - ach, es war wie früher. Seite für Seite arbeitete ich mich genüsslich durch die Gebrauchsanweisung und beobachtete den Fortschritt meines Werks. Heute steht die fixfertige Fähre prominent an meinem neuen Arbeitsplatz und erhält von meinen Kolleginnen und Kollegen viel Bewunderung.

Diese Fähre ziert meinen Arbeitsplatz in Winterthur. So werde ich meine Zeit am Zürichsee bestimmt nicht vergessen. Bild: far

Ja, das Lego-Fieber hat mich wieder voll gepackt. Böse Zungen behaupten sogar, ich sei ein Nerd. Nun gut, meine wiedergewonnene Lego-Leidenschaft nimmt zum Teil eigenartige Züge an. So dachte ich eines schönen Abends auf dem Heimweg: «Wäre doch cool, wenn eine Lego-Figur genauso aussehen würde, wie ich!» Und was macht der mit 31-Jahren eigentlich schon längst erwachsene Fabian? Er macht sich im Internet auf die Suche nach einem Tool, welches ihm genau das ermöglicht. ‹Lego-Figur selber gestalten› gab ich als Suchbegriff auf Google ein. Und da bin ich auf den «SigFigCreator» von «The Lego Movie» gestossen. (An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich den Film noch nicht gesehen habe. Das werde ich über die Festtage bestimmt nachholen.)

Lustige Spielerei: Mit dem SigFigCreator kann man seine eigene Lego-Figur virtuell gestalten. Screenshot: thelegomovie.com

Sofort ausprobiert schaffte ich es tatsächlich eine Figur zu gestalten, die mir sehr ähnlich war. Ich kreierte sozusagen mein Alter (L)Ego. Doch der Spass fing damit gerade erst an. Mit dem Programm kann ich ja noch andere Menschen in Lego verwandeln. Meine Freundin musste als erstes dran glauben: «Schau mal, Schatz, das bist du!» (Ihre Begeisterung über die unglaubliche Kreativität ihres reifen und erwachsenen Freundes war schier grenzenlos). Und dann knüpfte ich mir meine Online-Team-Kollegen vor:

Darf ich vorstellen: Das ZRZ-Online-Team als Lego-Figuren. Martin Steinegger, Paul Steffen und Fabienne Sennhauser von zsz.ch (oben von links). Michael Caplazi von zuonline.ch und Marco Huwyler und Fabian Röthlisberger von landbote.ch (unten von links). Screenshot: thelegomovie.com

Lieber Schatz, liebe Familie und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ihr braucht euch keine Sorgen um mich zu machen. Alles in allem habe ich mein Leben noch im Griff. Wer mich kennt, weiss, dass solche Phasen wieder vorbeigehen. Aber ihr wisst auch, dass sie jederzeit wiederkommen können. Bald werde ich Onkel und ich freue mich jetzt schon, wenn ich meiner Nichte in ein paar Jahren beim Lego-Zusammenbauen helfen darf.

Erstellt: 15.12.2016, 11:25 Uhr

Der nächste Beitrag

Der stärkste Mann des Universums

Im nächsten «Weihnachts-FlashBack» berichtet ZRZ-Online-Leiter Martin Steinegger, wie er dank seiner Töchter die Helden seiner Kindheit wiedergefunden hat. Am Freitag, 16. Dezember ab 12 Uhr im Web.

Weihnachts-FlashBack

Weihnachtszeit ist auch die Zeit der Kinder. Geschenke, Süssigkeiten, Suche nach dem Christchindli. Auch wir Erwachsene denken mit etwas Wehmut an die schöne Zeit anno dazumal zurück – und manche Traditionen und kleine Momente lassen wir auch heute noch hochleben (wenn auch nur heimlich). Die sechs Redaktoren von ZRZ-Online (zsz.ch, zuonline.ch, landbote.ch) berichten über ihre persönlichen «Weihnachts-FlashBacks».

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