The Take

Ein Filmfestival für die afrikanische Diaspora

Die erste Ausgabe des Black Film Festival in Zürich möchte Werke jenseits des stereotypen Blickes auf Schwarze zeigen.

Ibbe (Adam Kanyama) ist zum ersten Mal im Gambia, dem Heimatland seiner Mutter. ‹Medan Vi Lever› ist der Eröffnungsfilm des Black Film Festivals.

Ibbe (Adam Kanyama) ist zum ersten Mal im Gambia, dem Heimatland seiner Mutter. ‹Medan Vi Lever› ist der Eröffnungsfilm des Black Film Festivals.

Der Filmfestival-Kalender in Zürich wird immer gedrängter. Neben dem Pink Apple, dem Human Rights, dem jüdischen, dem arabischen, und zahlreichen anderen Filmfestivals findet diese Woche erstmals das Black Film Festival statt.

Die Organisatorinnen wollen das Schaffen schwarzer FilmemacherInnen auf die Leinwand bringen. Davon sehe man noch immer zu wenig, erklärt Rispa Stephen. «Wir wollen auch eine Diskussion darüber anstossen, wer entscheidet, welche Filme wir in den Kinos sehen.» Auch wenn Filme wie ‹Moonlight› oder ‹Hidden Figures› in letzten Jahre Furore gemacht hätten, seien es noch immer mit weissen Männern besetzte Jurys, die entscheiden würden, welche Filme überhaupt eine Chance erhalten, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.

Allzu oft wird in Filmen ein Blick reproduziert, der aus der Kolonialzeit stammt: Die schwarzen Charaktere bleiben immer die Anderen. Sie würden als Stereotypen gezeigt, erklärt Stephen, als Nannies, Sklaven, die freche beste Freundin oder der bedrohliche Koloss. «Wir wollen Filme aus der schwarzen Perspektive.»

Filme aus der ganzen Welt

Zudem würde die Diskussion zu diesem Thema häufig aus der U.S.-amerikanischen Perspektive geführt. «Aber wo sind die anderen schwarzen FilmemacherInnen?» Das Programm des Black Film Festivals hat sich daher zur Aufgabe gemacht, Filme aus der ganzen Welt zu zeigen. Unter den 15 Filmen die während drei Tagen gezeigt werden, befinden sich Filme aus Senegal, der demokratischen Republik Kongo, Ghana aber eben auch Kanada, Frankreich oder Schweden.

Schwarz bedeutet nicht gleich Afrika, sondern bezieht sich auf die gesamte afrikanische Diaspora, die überall auf der Welt verstreut ist. Obwohl Personen afrikanischer Abstammung ganz unterschiedliche Lebenswelten haben, ist Stephen überzeugt, dass sie durch ihr Schwarzsein verbunden sind.

Am Freitagabend wird das Festival durch ‹Medan Vi Lever› (‹While We Live›) eröffnet. Die schwedisch-gambische Koproduktion erzählt die Geschichte von Kandia (Josette Bushell-Mingo), die nach 30 Jahren in Schweden wieder in ihre Heimat Gambia zurückkehrt. Ihr Sohn Ibbe (Adam Kanyama), der sein ganzes Leben in Schweden verbracht hat, folgt ihr dorthin. Doch die Rückkehr gestaltet sich ganz anders als sie sich dies vorgestellt hatten. Der Film von Dani Kouyaté gewann den Preis für den besten Film eines Exil-Afrikaners an den African Movie Academy Awards. «Wir alle kämpfen ab und zu mit unserer Identität», erklärt Stephen als Begründung für die Filmauswahl.

Der Trailer zu ‹Medan Vi Lever›.

Daneben sind zahlreiche Spielfilme und Dokus zu sehen. Am Samstagabend wird zudem ein Kurzfilmblock gezeigt. «Das Festival, das im Houdini stattfindet, richtet sich vor allem an ein schwarzes Publikum», sagt Stephen. Aber natürlich seien alle Filmliebhaber willkommen.

Nächstes Jahr möchten die drei Organisatorinnen das Festival anreichern und zum Beispiel auch Diskussionsrunden einführen. Es werden also schon Zukunftspläne geschmiedet, aber: «Wir hoffen, dass es das Festival eines Tages nicht mehr brauchen wird».

Das Black Film Festival läuft vom 28. bis 30. Juni im Kino Houdini. Mehr Infos zum Programm gibt es hier.

Erstellt: 27.06.2019, 09:57 Uhr

ZSZ-Mitarbeiterin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien. ot_a_m auf Instagram.

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