The Take

Liebe in Zeiten des Wandels

‹Ash is Purest White› erzählt eine Liebesgeschichte im Gangstermilieu vor dem Hintergrund eines Chinas im Umbruch.

Qiao (Zhao Tao) kann sich durchsetzen.

Qiao (Zhao Tao) kann sich durchsetzen.

Qiao (Zhao Tao) führt in einer nordchinesischen Minenstadt zu Beginn des Jahrtausends ein glückliches Leben. Sie ist die Freund in von Bin (Liao Fan), der Mitglied einer Gang ist. Sie fühlt sich dabei äussert wohl und kommandiert — nicht nur als Bins Freundin — einigen Respekt in der Gang. Obwohl die Mine geschlossen werden soll und ihr Vater sich damit schwer tut, schaut sie optimistisch in die Zukunft. Schliesslich hat sie Bin und sie haben ihre Brüder und Schwestern, die anderen Mitglieder der Gang.

Die Unbeschwertheit die Qiao verkörpert, kommt in einer Szene in einem Klub am besten zur Geltung: Sie tanzt selbstvergessen und voller Freude zum Evergreen Y.M.C.A.. Nicht einmal, als Bins illegale Pistole zu Boden fällt, kann dies ihre Stimmung trüben. Doch dann kommt es zu Spannungen mit einer anderen Bande und Qiao sieht sich gezwungen, Bins Leben mit genau dieser Waffe zu beschützen. Dafür kommt sie für fünf Jahre ins Gefängnis. Als sie wieder in Freiheit ist, reist sie durch China, um Bin wiederzufinden.

Der Trailer zu ‹Ash is Purest White›

Schauspielerin Zhao Tao (‹Mountains May Depart›, ‹Io Sono Li›), die schon mehrmals mit Regisseur Jia Zhang-Ke zusammengearbeitet hat, gelingt es, die Entwicklung Qiaos von einer jungen, hoffnungsvollen Frau, zur Überlebenden eines entmenschlichenden Gefängnisaufenthaltes einzig und alleine durch subtile Veränderungen in Gesicht und Haltung zu verdeutlichen. Sie wird nie auffällig, und doch wird das gewaltige Ausmass ihrer Gefühle jederzeit sichtbar.

Monumentale Verschiebungen

Neben der Liebesgeschichte zeigt Regisseur Jia Zhang-Ke (‹Mountains May Depart›, ‹A Touch of Sin›) in ‹Ash is Purest White› in drei Etappen auch wie sich China in den letzten 18 Jahren verändert hat. Da sind einerseits die wirtschaftlichen Veränderungen, anderseits auch die monumentalen Verschiebungen, die sich in der Landschaft ergeben, wenn Städte aus dem Boden gestampft oder komplett umgebaut werden. Qiao reist auf ihrer Suche nach Bin auch zum Dreischluchten-Damm, dem Monumentalprojekt, dem ganze Städte zum Opfer gefallen sind. Während Qiao in der Hoffnung auf einen neuen Lebensabschnitt ankommt, müssen die Bewohner der Gegend ihre Heimat verlassen. Als der Film in der Gegenwart angekommen ist, sehen wir gigantische leere Bauten und eine Gesellschaft, die durch das Smartphone geprägt ist.

Alles zusammen ist das zwar interessant anzuschauen, doch da der Film nach dem ersten, stärksten Teil ein wenig mäandernd wird, strecken sich die 135 Minuten doch ziemlich.

‹Ash is Purest White› ist ab morgen im Kino.

Erstellt: 30.04.2019, 20:22 Uhr

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