Fondue & Raclette

Die Fragen aller Fragen: Fondue oder Raclette, was schmeckt besser?

Käse muss sein im Winter. Doch ob im Weisswein zu einer dickflüssigen Suppe geschmolzen oder im Pfännchen erwärmt zu Gschwellti – darüber gehen die Meinungen auseinander.

Alles Käse oder was?

Alles Käse oder was? Bild: Keystone

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Fondue

Natürlich ist Fondue ernährungsmässig gesehen eine Perversion: Die Mahlzeit besteht hauptsächlich aus Fett und Kohlehydraten. Weit und breit nichts von einem Drittel Früchte und Gemüse, wie es Ernährungsberaterinnen empfehlen – ausser man bekommt danach noch einen Salat serviert, was leider nur selten geschieht.

Doch wahrscheinlich sind es eben gerade diese sämigen Fette, das reichlich im Käse enthaltene Salz, vereint mit dem Alkoholgeschmack eines erfrischend säuerlichen Weissweins, die in uns irgendeinen niederen Instinkt ansprechen. Die ersten kühlen Lüftchen, die den bevorstehenden Winter ankündigen, lösen einen urzeitlichen Reflex aus: Jetzt gilt es, sich mit einem extra Fettpölsterchen vor der Kälte zu schützen. Ganz ungeachtet der heute omnipräsenten Zentralheizungen.

So ging es mir jedenfalls, als ich kürzlich in Zürich hungrig am Limmatquai unterwegs war. Unter den Lauben vor dem Zunfthaus zur Zimmerleuten rührten ein paar Gäste gemütlich in der warmen Käsesuppe. (Ja, das ist jenes Restaurant, das vor ein paar Jahren einen bizarren Streit mit dem Nachbarn ausgetragen hat: Der Inhaber des Kleiderladens störte sich am Käsegeruch und klagte über ausbleibende Kundschaft. Er konterte olfaktorisch mit Räucherstäbchen und anderen strengen Gerüchen, verlor dann aber schliesslich vor Bezirksgericht. Eine offizielle Rehabilitation des Fondues!) Hätte ich an diesem Abend nicht bereits Kinobillette in der Tasche gehabt, wäre ich möglicherweise schwach geworden.

Mein Problem ist nämlich, dass in meinem Umfeld kaum jemand für ein Fondue zu haben ist. Klumpen im Magen, zu viele Kalorien, Gestank im Haus – so die Killerargumente. Doch eines pro Winter muss einfach sein. Ich werde für mich allein eine Gruyère-Vacherin-Mischung mit viel Knoblauch und Pfeffer zubereiten. Obwohl mir selbst sogar ein Fertigfondue schmeckte, das mir jemand nach Sri Lanka geschickt hatte, wo ich ein ganzes Jahr zugebracht hatte. Als es auf dem Gasherd blubberte, gingen die Einheimischen sichtbar angewidert auf Distanz.

Raclette

Im vergangenen Winter veranstaltete mein Kollege eine kleine Geburtstagsparty. «Kommt bitte mit leerem Magen, es gibt Käsefondue», hiess es in der Whatsapp-Einladung. Und da sassen wir dann also, hungrig und gierig nach Käse. Doch die Hiobsbotschaft aus der Küche liess nicht lange auf sich warten: «Das Fondue ist viel zu flüssig!» Und tatsächlich, was da vor sich hin kochte, glich eher einer Suppe. Der Grund: zu viel Wein in die Pfanne geleert. Wir versuchten, unser Nachtessen mit Maisstärke zu retten. Wenige Minuten später trat das nächste Problem auf: Nun hatte sich die Suppe in eine Art Brotteig verwandelt. Also blieb uns nicht anderes übrig, als wieder Wein hinzuzufügen. Irgendwann sah die Käsemasse dann doch noch halbwegs geniessbar aus, sodass wir uns zu Tisch wagten. Und tatsächlich: Es war das beste Fondue, das ich je gegessen habe.

Was lernt man aus dieser Geschichte? Wer ein Fondue zubereiten will, muss das Kochen im Blut haben. Und das ist dann auch der grosse Unterschied zum Raclette, das in der Zubereitung in die Kategorie «kinderleicht» fällt. Das einzig Schwierige ist, die Härdöpfel zur richtigen Zeit aus dem heissen Wasser zu nehmen. Doch dieser Aufgabe sollten auch Anfänger in der Küche gewachsen sein.

Ich bin gerne kreativ. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, wieso ich das Raclette dem Fondue vorziehe. Hier kann ich nämlich viele Dinge ausprobieren. Mal garniere ich den Käse mit Silberzwiebeln und Essiggürkchen, und bei der nächsten Portion nehme ich dann verschiedene Gewürze sowie einige Ananasschnitze. Eintönig wird es dadurch sicher nicht.

Nicht ausser Acht zu lassen ist der Tischgrill. Auf einfachste Art und Weise lassen sich auf der heissen Platte Speckstreifen, Würstchen und Pouletstückchen braten. Ein Käsefondue ist bei weitem nicht so abwechslungsreich.

Was ich jedoch zugeben muss: Hätte ich die Wahl zwischen Fleisch- oder Schokofondue und Raclette, müsste ich dem Käse höchstwahrscheinlich den Rücken kehren.

Erstellt: 18.10.2019, 17:14 Uhr

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