Kommentar

Die Führung steht in der Schuld

Sportredaktor Roland Jauch zum Abstieg des EHC Kloten.

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2012 war Hans-Ulrich Lehmann ein Kandidat zur Übernahme des EHC Kloten, der in der Amtszeit Jürg Birchers im Sport gut, in den Jahresrechnungen aber katastrophal abschnitt. Nach Prüfung der Bücher sagte Lehmann ab, der Verein sei finanziell an die Wand gefahren worden.

2016 trat Lehmann doch noch als Retter auf, nachdem die kanadischen Vorgänger überraschend auf seine Forderungen eingetreten waren. Was er neben dem Eisfeld unternahm, hatte meistens Hand und Fuss. Aber in nur zwei Jahren liess er den Traditionsclub aus der höchsten Liga kippen. Das ist ein trauriger Rekord. Lehmann hat den EHC sportlich an die Wand gefahren.

Die Relegation ist eine logische. Wer fast schon trotzig ignoriert, was einfach nicht ignoriert werden darf, wer so viele Fehler begeht, der muss sich über die Strafe nicht wundern.

Lehmann hat Kloten regelrecht in die Swiss League gespart – und dabei erst noch viel zu viel Geld ausgegeben. Er schlug Erfahrungen der Spezialisten und der ersten Saison in den Wind. Wieder sparte er im Herbst bei den Ausländern, wieder kam ihn das Nachbessern teuer zu stehen. Er schickte sein Team schon mit einem Handicap an den Start, während der ganzen Saison lief Kloten der Konkurrenz hinterher. Und die Spieler unterschrieben dort, wo noch sport-liche Ziele zuoberst stehen. Mit Vernunft statt blind zu sparen wäre billiger gewesen – und hätte die Qualität der Equipe erhöht.

Die sportliche Kompetenz ist im Verein vorhanden, doch mit der eigenmächtigen Verpflichtung Kevin Schläpfers, den er mit Langzeitvertrag und Allmacht ausstattete, hat Lehmann selbst einen Ast abgesägt, auf dem Kloten sass. Die Eishockeyaner bemerkten schnell, dass Schläpfer und Kloten nicht funktioniert. Nur der Präsident wollte das – wohl aus monetären Gründen – nicht sehen. Als er es nach fünf trostlosen Monaten doch tat, war es zu spät.

Was all jene ärgern muss, denen der Verein etwas bedeutet, ist dieses ohnmächtige Gefühl: Mit Kompetenz im sportlichen Bereich – also ohne Alleingänge des Präsidenten – könnte sich Kloten weiterhin dienstältester Verein der National League nennen. Mit dem Abstieg aber steht die Existenz einer ganzen Organisation auf dem Spiel, die gerade daran ist, im Nachwuchsbereich Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Nur wenn die sportliche Verantwortung in kompetente Hände gelegt wird, kann der weitere Zerfall verhindert werden. Denn die Spielerverträge haben gestern ihre Gültigkeit verloren, es drohen weitere Abgänge. Die SCRJ Lakers sind das aktuelle Beispiel: Wer in die National League zurückkehren will, der braucht Qualität im Kader. Die Klotener Führung steht in der Schuld.

Erstellt: 26.04.2018, 08:46 Uhr

Roland Jauch, Sportredaktor (Bild: mas)

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