ZUgespitzt

Apropos Reise-Nervosität

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Irgendwie bin ich immer nervös, bevor ich in ein Flugzeug steige. Auch diesmal, vor einem Trip nach London, half dagegen selbst die minutiöseste Vorbereitung nichts. Da hatte ich einen Steckdosenadapter besorgt und einen Vorrat in englischen Pfund, der sicher bis zum nächsten Bancomaten reichen würde.

Eingecheckt waren ich und meine Freunde auch, sodass wir in Kloten einfach durchspazieren könnten, die Tickets hatte ich auf dem Smartphone. Doch dann verlegte ich mein Portemonnaie – drei Stunden vor dem Abflug.

Genug Zeit, um es zu finden, dachte ich, trotz der halben Stunde Zugfahrt an den Flughafen. Aber die Minuten vertickten, das Portemonnaie blieb verschwunden. Darin steckten unter anderem die Kredit- und die Identitätskarte.

Eine Viertelstunde vor dem letztmöglichen Zeitpunkt, zu dem ich aus dem Haus musste, rief ich – schon leicht panisch – auf die Hotline der Swiss an. Der Mann am anderen Ende beruhigte mich. Ich sollte statt der ID einfach den Pass einpacken. Man könne mir dann ein neues Ticket mit der Passnummer darauf ausstellen. So griff ich zu meinem noch nie gebrauchten biometrischen Pass und rannte los.

Auf dem Weg zum Bahnhof änderte ich meine Flugbuchung online und trug statt der ID- die Passnummer ein. Das neue Ticket erhielt ich per E-Mail. Danach atmete ich erst mal auf. Doch nun brauchte ich ein Zugticket. Zum vollen Preis, denn das Halbtax-Abo steckte auch im Portemonnaie. Leider konnte ich dies der SBB-App nicht beibringen. Dort ist das Halbtax so hinterlegt, dass es sich nicht ausschalten lässt. Zumindest nicht auf die Schnelle. Ich kaufte zweimal ein halbes Billett.

Anschliessend rief ich einen meiner Reisekollegen an und warnte ihn vor, dass ich ihn mangels Kreditkarte drei Tage lang anpumpen müsse. Dank Onlineüberweisungen vom Handy aus beglich ich meine Schulden postwendend.

Bis zur Passkontrolle am Flughafen war ich wieder halbwegs relaxed. Ich zeigte mein Ticket und die Papiere. Die Dame winkte mich zu sich. Und sagte: «Da ist ein Kugelschreiber. Sie dürfen noch Ihren Pass unterschreiben.» – Übrigens: Nach meiner Rückkehr fand ich auch das Portemonnaie ziemlich schnell wieder. Es ist schwarz und lag auf einer schwarzen Fläche. Auf der einzigen im Haus, auf der ich nicht danach gesucht hatte.

Erstellt: 04.07.2019, 15:55 Uhr

Martin Liebrich, Leiter Redaktion

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