ZUgespitzt

Ich will mein Geld zurück!

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Längst haben wir uns daran gewöhnt: Wir bestellen etwas bei einem Onlinehändler. Wird die Ware geliefert, und entspricht sie nicht unseren Erwartungen, wird alles mehr oder weniger schön wieder in die Kiste verpackt. Den vorbereiteten Rücksendeaufkleber flugs über den ursprünglichen Adressaufkleber gepappt, und weg damit zur Post.

Schön an solchen Rücksendungen sind die mannigfaltigen Gründe, die zur Auswahl stehen. «Zu gross» oder «zu klein» kann ich verstehen, da Schuh- oder Kleidergrössen je nach Hersteller variieren. «Defekt», «funktioniert nicht» oder auch «falscher Artikel geliefert» kann ich als Rücksendegrund auch nachvollziehen. Etwas schwammiger wird es allerdings bei «entspricht nicht meinen Erwartungen» oder «hatte mir den Artikel ganz anders vorgestellt». Das kann zwar passieren, hätte bei einem Besuch im Kaufhaus aber wohl vermieden werden können.

Was für Artikel gilt, trifft für Dienstleistung allerdings weniger zu. Die Begründung «entspricht nicht meinen Erwartungen» nach einem Besuch auf der Flughafenterrasse würde sich dann etwa so anhören: «Ich bin jetzt seit einer Stunde hier und habe keinen einzigen Flieger starten sehen. Ich will mein Geld zurück!» Oder nach dem Zürich Openair in Rümlang: «Auf den Tickets stand nirgends, dass es draussen regnen könnte. Ich will mein Geld zurück!» Oder im Kino nach dem Film «Diego Maradona»: «Niemand hat mir gesagt, dass es um Fussball geht. Ich will mein Geld zurück!» Oder im Elektronikfachgeschäft, wenn man das neue Tablet wie im Prospekt angekündigt zum halben Preis (solange Vorrat) erhaschen will, und es nach drei Kunden bereits ausverkauft ist: «Jetzt bin ich umsonst 30 Minuten angestanden. Ich will meine Zeit zurück!»

Wer nun vielleicht denken mag, dass diese Erlebnisse frei erfunden sind, irrt sich gewaltig. Zwei davon habe ich selber hautnah miterlebt. Und was dabei noch viel bemerkenswerter ist: Bei beiden sind die Anbieter eingeknickt und haben dem Kunden das Geld zurückerstattet.

Ich werde das in nächster Zeit auch einmal ausprobieren. Im Herbst stehen Wanderferien in der Zentralschweiz an. Ich habe mir schon mehrere Beschwerden ausgedacht, die ich an der Kasse der Bergbahn vorbringen will, wenn wir nach einem Tag in den Alpen zur Talstation zurückkehren: «Die Luft war viel zu sauber.» Oder: «Die Murmeltiere lagen nur faul herum.» Oder: «Ich habe keine Berge gesehen.» Aber auf alle Fälle werde ich sagen: «Ich will mein Geld zurück!»

Erstellt: 23.08.2019, 14:13 Uhr

Alexander Lanner, stv. Redaktionsleiter

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