ZUgespitzt

So viel Spass muss nicht sein

Manuel Navarro über den Flughafen als Event-Center.

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Ich mag den Flughafen, grundsätzlich. Ich glaube, so viel Transparenz darf ich in diesem Format hier zeigen. Ich habe selber vier Jahre lang dort gearbeitet, mich dabei mit dem «Flughafenvirus» infiziert, und ein bisschen vermisse ich die ganz besondere Atmosphäre dieses Ortes schon. Ich finde auch generell, dass ein grösserer Flughafen durchaus eine gewisse Berechtigung hat. So viel vorweg.

Worüber ich allerdings nicht so begeistert bin, ist, dass der Flughafen in den letzten Jahren vermehrt das Gefühl zu haben scheint, auch noch als Event- und Spasslieferant fungieren zu müssen. Tatsächlich kommt es einem teilweise fast schon so vor, als würde jedes Wochenende eine andere Fun-Sau durch das Airport Center gejagt. Der Flughafen veranstaltet Erlebniswochenenden, feiert sein Jubiläumsjahr mit einem grossen, mehrtägigen Fest und profitiert in schöner Regelmässigkeit von der Adventszeit mit seinen Weihnachtsaktionen.

Bei mir hat sich seit letztem Wochenende ein gewisser Überdruss eingestellt. Im Airport Center wird nämlich seit dem 12. Januar und noch bis zum 24. Februar das chinesische Neujahr gefeiert – als schweizerischer Flughafen ist das ja auch naheliegend. Da ich am letzten Sonntag auch im Check-in 3 unterwegs war – nein, nicht zum Shoppen – bekam ich also eine volle Breitseite Zirkus ab. Es wurde laut getrommelt, chinesische Musik lief, und ein tanzender goldener Drache lockte eine Menschenmenge an, die vor den Rolltreppen im Airport Center fast kein Durchkommen mehr ermöglichte. Ich musste mir den Weg durch das gaffende und Handyfilm-machende Publikum fast schon freikämpfen und durfte als Belohnung noch vorwurfsvolle Blicke ernten. Dabei wollte ich doch nur mein (zu teures) Abo im Fitnesscenter nutzen.

Ich finde, jetzt ist es langsam gut mit solchen Aktionen. Ich mag gar nicht daran denken, wie nervtötend dieses ganze Brimborium für Menschen sein muss, die täglich am Flughafen arbeiten. Die schon mit gestressten Passagieren, lärmigen Bauarbeiten und gehetzten Sonntags-im-Migros-Einkaufenden genug um die Ohren haben. Nicht zu vergessen, dass der Flughafen das chinesische Jahr zwangsläufig genau dann feiert, wo mit den Sportferien sowieso ziemlicher Andrang am Flughafen herrscht und man etwa als Check-in-Agent definitiv schon genug Ärger am Hals hat. DAS gehört zum Alltag am Flughafen, aber keine trommelnden Lärmterroristen. So viel Spass muss nicht sein.

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Erstellt: 14.02.2019, 10:22 Uhr

Manuel Navarro, Redaktor.

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