ZUgespitzt

Bitte mehr Spektakel!

Redaktionsleiter Martin Liebrich macht sich Gedanken über Wahlplakate im Zürcher Unterland.

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Bald stehen Wahlen an. Und darum stehen auch schon bald überall Wahlplakate herum. Am Montag wurde im «Zürcher Unterländer» erklärt, wo in unserer Region wie plakatiert werden darf. Fazit 1: Der Föderalismus lebt. Falls Gemeinden ein Reglementchen haben, ist es ihr ganz eigenes. Fazit 2: Kloten das beste. In der Flughafenstadt wird nämlich ausgelost, welcher Politiker auf dem Stadtplatz ab welchem Plakatständer lächeln darf.

Allerdings wirft das Fragen auf, denn Auslosung ist nicht gleich Auslosung. So wäre da einmal die Frage der Demokratie: Wieso sollte die wählerstärkste Partei mit den gleich kleinen Chancen auf den besten Wahlplakateplatz ins Rennen steigen wie eine politische Einzelmaske? Geht es demokratisch zu und her, müsste die wählerstärkste Partei den besten Platz erhalten.

Wer die nordamerikanischen Profi-Sportligen mag, dürfte da gegenteiliger Meinung sein. Dort haben die schlechtesten Teams einer Saison die grössten Chancen auf die besten Nachwuchsspieler. So werden mittelfristig die Kräfteverhältnisse ausgeglichen. Hiesse für Kloten: Die Partei mit den wenigsten Wählern hat die höchsten Chancen auf den besten Platz. Am gerechtesten ist allerdings tatsächlich die einfache Auslosung ohne eingebaute Wahrscheinlichkeiten.

Nur müsste eine solche Auslosung noch etwas attraktiver ausgestaltet werden – als öffentlichkeitswirksamer Wahl-Kick-off-Event. Die Fifa macht ja auch ein Riesentrara, wann immer esetwas auszulosen gilt. Und alle schauen hin. Mit Verlaub: Die Klotener sind von Klotener Wahlen wohl direkter betroffen als von einer Fussball-WM.

Also, liebe Leute im Klotener Stadthaus: Mit etwas Fantasie lässt sich ein prima Spektakel aufziehen. Eine Liveübertragung zum Public Viewing im endlich wieder einmal ausverkauften Schluefweg wäre gesetzt. Der Event selber würde in der Baracca Zermatt stattfinden, und Rainer Salzgeber könnte ihn moderieren – Ehrensache, als Mitbesitzer der Location. In diese Affiche passt zum Ziehen der Lose nur einer: Sepp Blatter. Er sollte jetzt ja Zeit haben für solcheAnlässe. Und er bringt nebender Erfahrung einen wichtigenVorteil mit: Er ist absolut unbestechlich (lachen Sie hier lieber nicht; es könnte Ihnen als Verleumdung ausgelegt werden).

Zu guter Letzt könnte Kloten sein Auslosungs-Erfolgsmodell weiterverkaufen. Mit Stände-, National-, Kantons- und Regierungsratswahlen sind die Verwertungsmöglichkeiten schon in naher Zukunft fast unbegrenzt. Die Stadtkasse wird überquellen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.02.2018, 11:45 Uhr

Martin Liebrich, Redaktionsleiter

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