ZUgespitzt

Die Nacht der Brutalen

Cyprian Schnoz zum Superbowl.

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In der Nacht auf Montag treffen sich irgendwo in Amerika irgendwelche Patrioten auf irgendwelche Greifvögel, um einen blutigen Kleinkrieg um eine Suppenschüssel auszufechten. Ja, es geht um American Football. Diese Schlacht, ironischerweise auch Spiel genannt, soll auch hierzulande «im Mainstream» sein. So stand es in dieser Zeitung.

«Die Brutalität bringts», benennen Psychologen den Grund dafür. Das brachiale Kriegsspiel mit dem Grundsatz «macht sie alle fertig unt tot» passt gut zur «modernen» Gesellschaft – auch hierzulande. Und allem Anti-Amerikanismus und allem Trump-Bashing zum Trotz – auch in hiesigen Journalisten-Kreisen ist Football brutal beliebt – auch beim «ZU». Nicht umsonst wird jeweils für viele die Nacht der Superbowl zur Superfete vor dem Fernseher. Dermassen, dass am Tag danach die halbe Redaktion verwaist ist.

«Baseball ist das, was wir waren», schrieb ein Washington-Post-Kolumnist bedauernd, «Football ist das, was wir geworden sind». Damit verweist er auf die beiden total verschiedenen Charaktere dieser Betätigungen – das Friedliche hier, das Kriegerische dort: Baseball, das ehemalige Nationalspiel der Amerikaner, als kameradschaftlicher Sportwettbewerb in der ländlichen Idylle. Football als technisierte, gewaltsame Konfrontation roher, urbaner Rabauken. Während im Baseball der Homerun zählt, das «nach Hause kommen», gilt es im martialischen Football, gewaltsam Löcher in die feindlichen Abwehrlinien zu schlagen, um das unförmige Ding und einige verhasste Gegner auf den Boden zu knallen.

Die Gegensätze könnten nicht grösser sein: Die Baseball-Saison beginnt im Frühling, wenn die Herzen höher schlagen, wenn alles aufblüht und gedeiht. Football beginnt im Herbst, wenn die Kälte in die Knochen kriecht und alles abstirbt. Im Baseball herrscht kein Zeitdruck; es wird gespielt, bis eine Mannschaft mehr Punkte hat. Im Football droht die Zeit-Guillotine und manchmal der «sudden death».

Der Tod droht auch vielen Football-Haudegen. Studien haben erwiesen, dass die harten Zusammenstösse bei vielen zu furchtbaren Hirnerkrankungen führen. Empfohlen sei dazu auch der eindrückliche Spielfilm «Concussion».

Im Zürcher Unterland haben wir glücklicherweise keine American-Football-Truppen. Dafür haben wir in Rümlang und in Embrach erfolgreiche Baseball-Teams. So verbreiten etwa die Spiele auf dem Sportplatz Hard in Embrach stets eine familiäre Atmosphäre im Grünen – was doch viel erbaulicher ist, als das aggressive Gemetzel der genormten Schlägertruppen auf dem Football-Schlachtfeld. Mainstream hin oder her! (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 31.01.2018, 15:47 Uhr

Cyprian Schnoz, Redaktor

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In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren­ Themen aus dem Unterländer ­Alltag auf.

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