ZUgespitzt

Immer wieder montags …

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Man sollte nie im Affekt schreiben. Wut ist ein schlechter Ratgeber – auch, um etwas zu Papier zu bringen. Genau diese Regel breche ich nun aber.

Sie haben sicher von Murphy und seinem Gesetz gehört: Was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Aufs Velofahren umgemünzt: Defekte treten entweder am Sonntag oder am Montag auf. Also auf jeden Fall an einem Tag, an dem kein Velomechaniker geöffnet hat. Wäre ja auch zu einfach: kurz in die Werkstatt fahren und den Schaden beheben lassen. So verlor ich neulich an einem Montag ein Pedal.

Und diesen Montag wars wieder so weit. Unverhofft riss das hintere Schaltkabel. Das bedeutet: Ich konnte nur noch im grössten Gang fahren. In Bülach wollte ich diesen Schaden beheben – ein Schaltkabel zu ersetzen, traue ich mir nämlich gerade noch zu. Eigentlich.

An einem Montag, wenn die Velogeschäfte geschlossen haben, gibts aber keine anständigen Ersatzteile. Zwei Läden in Bülach Süd führen Schaltkabel, aber im einen nur solche, die nicht passen. Der andere bietet «Universal-Schaltkabel» an, rostfrei, 4.90 Franken das Stück. Leider muss man ein Teil weg- und damit das Kabel zerschneiden, bevor man es einbauen kann. Was passiert, wenn man ein Schaltkabel zerschneidet? Richtig: Es franst aus. Und lässt sich universal absolut nicht mehr einsetzen.

Das gestand ich mir aber erst 20 Franken, etwa fünf Jahre meines Lebens und die Hälfte der noch nicht grauen Kopfhaare, viele nicht druckreife Wörter und vier rostfreie, aber unbrauchbare Kabel später ein. Also fuhr ich im grossen Gang heim. Und redete mir, als es bergauf ging, ein, dass es Leute gibt, die das mit ganzen Schaltkabeln machen. Sie nennen es dann «Krafttraining».

Am Dienstag arbeitete der Velomech meines Vertrauens wieder. Ich bat ihn, gleich noch das andere Schaltkabel zu wechseln. Und die Kabelkanäle. Und die Schalthebel. Der nächste Montag lauert nämlich schon.

Martin Liebrich Redaktionsleiter

Erstellt: 06.09.2019, 10:52 Uhr

Martin Liebrich, Redaktionsleiter ZU

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