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Rote Karte wegen Punktediebstahls

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf. Heute mit Renato Cecchet, der von brasilianischen Fussballfreunden entfreundet wurde.

Während grossen Sportveranstaltungen rücken autonome Länder für kurze Zeit näher zusammen, verschmelzen gar miteinander – oder sind manchmal am Ende weiter voneinander entfernt als vorher, auch wenn sie geografisch unmittelbar Nachbarn sind. Das Zusammenrücken ist während der Fussballweltmeisterschaft in Russland zum Beispiel zu beobachten im Public Viewing auf dem Lindenhof in Bülach. Leute, die sich vorher nie begegnet sind, unterhalten sich dort bereits am Mittagstisch.

Wenn um diese Zeit auch nicht unbedingt über Fussball, sondern übers Essen. Sie hat der lauschige Ort zusammengeführt – oder in einem Fall ein technischer Defekt an der Grossleinwand, so dass sich eine alleine anwesende Japanerin mit zwei Schweizern einen Tisch vor einem Fernseher unter einem Baum teilte und zum eher unerwarteten Kulturaustausch traf.

Egal ob in Bülach, Kloten oder Regensdorf – eine Tatsache ist für viele überraschend: unser Land verschmilzt plötzlich mit anderen Nationen. So entpuppen sich der Kosovo und Albanien quasi als zwei Schweizer Kantone. In den beiden Balkanstaaten scheint die Begeisterung über Spieler wie Shaqiri, Xhaka, Behrami oder Dzemaili manchmal grösser zu sein als bei uns.

Diese eigentlich völkerverbindende Emotion hat, wie festzustellen war, leider auch ihre Schattenseite. Über den albanischem Doppeladler lacht man inzwischen vielleicht als Fussball- und Vogelfan im Neeracher Riedt, in ganz Serbien findet der provozierende Torjubel von Xhaka und Shaqiri garantiert keine Anhänger, auch nicht unter Ornithologen. Diese finden den Brasilianer Neymar als Schwalbenkönig oder sterbenden Schwan allemal lustiger.

Aber darüber sollte ich keine Witze machen. Denn nach dem Spiel Brasilien - Schweiz wurde mir gleich fünfmal die rote Karte gezeigt – in Form von Entfreundungen auf Facebook und Instagram durch brasilianische Landsleute. Nur weil sich die Schweiz erfrecht hatte, einen Punkt zu stehlen.

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