ZUgespitzt

Schmutzige Gedanken

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf. Heute macht sich Daniela Schenker Gedanken über gesundes Essen.

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Pfui, pfui! Nein, Constantin-Frédéric, das ist wääk. Ja, ich übe schon mal. Kann durchaus sein, dass ich mal Grossmutter werde. Das Problem: In unserem Haus lagern hochgiftige Stoffe, vor denen die Kleinen gewarnt sein wollen. Es handelt sich um Altlasten mit hohem Gefahrenpotenzial für die Gesundheit. Im Küchenschrank türmen sich nämlich Guetsli und sogar Schokolade.

Das ist gemäss Plakat in der Klotener Filiale meines Fitness-Tempels extrem schmutzige Ware. Dieses wirbt nämlich für «clean food», also sauberes Futter. Und was das ist, wird auch gleich erklärt: irgendwie nichts. Denn sauberes Essen enthält vor allem eines: nix, was schmeckt. Zucker etwa oder Fett oder gar Weissmehl sind des Teufels, da offensichtlich schmutzig, oder umgangssprachlich eben «gruusig». Liebe kommende Gene­rationen: Willkommen in der sauberen, genusslosen Welt.

Wir versuchten noch, unsere Kleinen mit einem dezidierten «Wäääk» oder «Pfui» vom gierigen Verdrücken einer Nacktschnecke oder eines halben Sandkastens abzubringen. Aber was war das schon gegen wirklich gruusiges Zeugs wie etwa Schoggi (enthält Fett und Zucker, also Doppel-Wääk) oder gar ein Guetsli­ (enthält Fett, Zucker und Mehl, also Triple-Pfui).

Das Wurst­rädchen, das der Metzger unseren Töchtern noch zustecken durfte, werde ich wohl gemeinsam mit Constantin-Fré­dé­ric direkt in die Sondermüll­deponie bringen. Sauber sind gemäss­ neuem Ernährungs-Testament nur Lebensmittel wie Körner, Nüsse, Broccoli, Kichererbsen – und Wasser! Längst hat auch die Fitnessindustrie eine saubere Geschäftslücke entdeckt.

Im Klotener Turntempel werden jedenfalls «cleane Riegel» an das Muskelpaket gebracht: wenig Zucker, wenig Fett, dafür ganz viel Preis. Nein, liebe Enkelchen, das wird euer Grosi nicht mitmachen. Die kauft euch ein Schoggistängeli, steckt es in ein ­Weggli und erzählt euch die Geschichte eines Mannes namens Chris von Rohr, der mit seiner Forderung nach «meh Dräck» berühmt und vor allem recht alt geworden ist. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 31.05.2018, 14:37 Uhr

ZU-Redaktorin Daniela Schenker

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