Pro & Contra

Soll man den Guetsliteig fertig zubereitet kaufen?

Es gibt verschiedene Art, zum süssen Weihnachtsgebäck zu kommen. Selber machen von Grund auf oder die fertigen Produkte kaufen. Als Kompromiss bietet sich der Kauf des Teigs an – oder auch nicht.

Werden Guetsli besser mit selber gemachtem Text?

Werden Guetsli besser mit selber gemachtem Text? Bild: Keystone

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Ja

Ja Früher, als Hausfrau und Mutter kleiner Kinder, backte ich selbstverständlich alle Weihnachtsguetsli selber; und zwar mindestens 20 Sorten. Ich hatte sogar Spass daran und war auch stolz auf meine festtäglichen Back- künste. Zudem schmeckten mir und meinen Lieben die in der eigenen Küche entstandenen Süssigkeiten am besten, besser als alles andere, was wir geschenkt erhielten. Aber das ist wohl in jeder Familie so.

Irgendwann wurde die Auswahl kleiner. Ich beschränkte mich auf ein paar wenige Sorten, von denen ich sicher wusste, dass sie beliebt waren. Dafür gab es dann von diesen die doppelte Portion. Mit den Jahren und dem älter werden der Kinder sank das Interesse an den selbstgemachten Guetsli aus Mutters Küche. Doch hielt ich die Tradition hoch und sorgte weiterhin immer in der Adventszeit für gut gefüllte Blechbüchsen.

Ich war immer sehr freigiebig mit meinen Produkten. Ich bin der Meinung, frisch schmecken Weihnachtsguetsli ambesten, lange vor dem Weihnachtsfest. Mit den Jahren liess meine Begeisterung für das festliche Backvergnügen aber nach. Ich sah keinen Sinn mehr darin, an etwas festzuhalten, das immer mehr an Bedeutung zu verlieren schien.

Und an ein Guetsli wagte ich mich ohnehin nie: das Chräbeli. Obwohl es zu meinen Favoriten gehört. Irgendwie scheute ich mich davor, diesen heiklen Teig in Angriff zu nehmen. Dafür gönnte ich mir ab und zu eines aus dem Laden. Aber wirklich nur ein Chräbeli, denn industriell hergestelltes Weihnachtsgebäck zu kaufen, geht gar nicht.

Dieses Jahr habe ich aber zum aller- ersten Mal einen Mailänderliteig beim Grossverteiler geholt, selbstverständlich in Bioqualität. Grund dafür war die Idee, mit meiner vierjährigen Enkelin die schöne Tradition des Guetslibackens weiterzuführen, nur eben ohne den Aufwand des Teigherstellens. Das hätte nur viel Vorarbeit und eine Riesen- sauerei bedeutet.

So sind in meinem Haushalt zum ersten Mal Weihnachtsguetsli entstanden, die nicht hausgemacht waren, jedenfalls nicht von Grund auf. Immerhin sind die Formen und Verzierungen noch individuell ausgefallen. Und das Resultat aus dem gekauften Teig, ich wage es fast nicht zu sagen, war einfach fantastisch.

Nein

Jetzt mal ehrlich: Es geht doch beim Thema Weihnachtsguetsli eigentlich nur um zwei Sachen: Erstens ums Guetsli essen und zweitens ums Guetsli machen.

Bei Ersterem ist es natürlich völlig wurscht beziehungsweise teig, was für einen Teig verwendet wurde. Denn es geht ja um den Genuss und den Geschmack. Und die Person, die das Guetsli isst, fragt hoffentlich nicht danach, ob Sie die Mehl-, Ei- und Zuckermasse selbst zusammengerührt, -gedrückt und geknetet oder im Grossverteiler Ihrer Wahl aus dem Regal geklaubt haben. Und sollte der Kostende tatsächlich leise tadelnd ein «Teig sälber gmacht…?» gifteln, gilt es, die Köstlichkeit dem der Süssspeise Unwürdigen aus den Händen zu reissen und demonstrativ selbst zu verschlingen.

Komplizierter ist es bei Zweiterem. Denn beim Guetsli machen geht es nicht um das Ergebnis, sondern um den Akt an sich. Guetsli machen gehört als Ritual zur Adventszeit wie das Schmücken des Christbaums, das Einpacken der Geschenke oder das Zubereiten des festlichen Mahls an Heiligabend. Und da tut man gut daran, sich zu überlegen, weshalb man das eigentlich alles macht. Nehmen wir die Geschenke: Natürlich ist es schön, wenn man mir etwas schenkt, was mir auch wirklich gefällt. Aber wenn nicht, ist es auch okay. Denn das eigentlich Schöne daran ist ja, dass sich jemand überlegt hat, womit man mir eine Freude machen könnte – selbst wenn er oder sie daneben lag.

Ähnlich beim Guetsli machen: Ob die Dinger einen professionellen Konditoren grün vor Neid machen oder höchstens als Tassenuntersetzer durchgehen, ist gar nicht mal so entscheidend. Wichtiger ist, dass man Guetsli für oder am besten mit seinen Liebsten gemacht hat. Dass man gemeinsam Zeit verbracht und sich dabei über die weihnachtliche Stimmung gefreut hat, sich an frühere Festtage zurückerinnert hat, «It’s beginning to look a lot like Christmas» oder die Weihnachtsschmonzette seiner Wahl mitgesungen hat.

Ergo: Wer den Teig kauft, macht zwar die Herstellung der Guetsli effizienter, verpasst aber das Schönste an der Sache, indem er versucht Zeit zu sparen, wo man höchstens noch mehr investieren sollte. Unter dem Strich: Mit dem Fertigteig entfernen Sie den Spass aus Weihnachten! Tun Sie es nicht!

Erstellt: 13.12.2019, 16:37 Uhr

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