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Soll man, oder soll man nicht?

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen Redaktorinnen Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Das Coronavirus beherrscht unser Leben, selbst wenn man nicht selber infiziert ist. Laufend erscheinen aktuelle Meldungen über neu angesteckte Personen. Allzu leicht könnte man hysterisch werden, ohne diese Neigung zu haben.

Dabei wäre es doch ein Leichtes, einfach die Verhaltensregeln zu beachten, die das Bundesamt für Gesundheit herausgegeben hat. Gründliches Händewaschen versteht sich ja wohl von selbst, sollte man meinen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen Husten und Niesen in die Armbeuge, statt die Hände vorden Mund zu halten. Sinnvoll ist diese Massnahme aber ganz bestimmt. Gebrauchte Taschentücher sollen in einem geschlossenen Behälter entsorgt werden. Muss ich jetzt jedes Mal von meinem Büro in die Küche laufen, um sie dort inden Abfalleimer mit Deckel zu werfen? Vermutlich ja.

Oder ich könnte eine Rolle Plastiksäcke kaufen und jedes benutzte Papiertaschentuch in eine solche Tüte verschwinden lassen. Das passt aber dann wieder nicht zum Gedanken des Umweltschutzes. In der Primarschule Winkel gilt jetzt aber genau diese Regel.

Mir stellt sich noch ein anderes Problem im Zusammenhang mit der Vermeidung von Händeschütteln, was ja durchaus eine einleuchtende Massnahme ist. Nur: Weiss auch mein Gegenüber darüber Bescheid? Falls nicht, kann es zu eigenartigen Szenen im zwischenmenschlichen Bereich kommen. Da stehe ich also mit hängenden Armen und zwei Meter Abstand vor einer mir bisher unbekannten Person, dieich interviewen soll. Wie reagiert sie? Im besten Fall gleich wie ich. Oder aber sie steuert mit ausgestreckter Hand auf mich zu, alle bundesrätlich vorgeschlagenen Vorsichtsmassnahmen ausser Acht lassend. Was dann?

Noch schwieriger wird die Situation bei guten Bekannten, die man im Normalfall mit Küsschen begrüsst. Darf das jetzt plötzlich nicht mehr sein? Immerhin ist es unter Freundinnen einfach, sich noch aus sicherer Distanz auf ein neues Zeremoniell zu einigen, vorzugsweise auf eines ohne Berührung. Den einen mag das vielleicht schwerfallen, andere sind möglicherweise ganz froh, dieser für sie lästigen Küsserei endlich entfliehen zu können.

Es ist zu hoffen, dass der Ausnahmezustand wegen des Coronavirus nicht mehr allzu lange dauert. Dann können wir wieder «normal» werden. Wobei es bestimmt nicht schadet, das gründliche Händewaschen beizubehalten.

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