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Sushi mit Stones statt Griesschöpfli mit Akkordeon

In der Kolumne «Zugespitzt» ­greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Werde ich je so alt werden, dass ich bei Schwyzerörgeli-Klängen schunkle? Diese philosophische Frage treibt mich jedes Jahr vor dem Tag der Kranken um. Also auch heute, denn am Sonntag örgeln sie wieder in den Seniorenzentren und Pflegeheimen. So beehren in Rümlang die Schwyzerörgeler vom Föhrewäldli die Senioren, in Dietlikon wird die Kaffeerunde durch das Trio Örgelifründe Hasestrick bereichert, und in Kloten sorgt das Quartett Läbesfreud für Stimmung.

Man ist täglich bemüht, den Bewohnern Gutes zu tun – an Leib und Seele. So holt man vertraute Kost in Küche und Agenda: Fotzelschnitten, Rippli mit Suurchruut, Griesschöpfli mit Himbeersirup und am Tag der Kranken eben Akkordeon mit Alphorn. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich weiss um die Bedeutung der Erinnerungen in der Altersarbeit. Doch ich befürchte, sollte meine Generation alt werden – und das dauert leider keine 40 Jahre mehr –, kommt beim Akkordeon nichts mehr hoch und bei Griesschöpfli bestenfalls ein Trauma.

Liebe Heimleitende, Altersarbeitende, Aktivierungstherapierende: Ich weiss, ich muss dankbar sein, wenn Sie mich dereinst pflegen, verköstigen und sogar noch unterhalten. Aber wenn ich dafür dannzumal schon sehr teuer bezahlen werde: bitte, bitte weder ausschliesslich Ländler noch Fotzelschnitten. Die Zeiten haben sich geändert, und sie werden sich weiter ändern.

Wie wärs dann mit Fajitas oder einer Sushi-Platte, begleitet von einer Rolling-Stones- oder Beatles-Coverband? Dafür würde meine Generation den Rollator zügig in den Gemeinschaftsraum schieben. Der Pensionär, den ich unlängst in einem Pflegezentrum traf, wäre heute schon dabei. Wie meinte er doch, als das Akkordeonduo die Instrumente auspackte: «Bloss nicht schon wieder die Heimwehkompressoren.» Dann schob er den veganen Mango-Cheesecake in den Mund, den er bei seiner Tochter bestellt hatte. Es trafen ihn die neidvollen Blicke all jener, die ein Vanille-Diplomat im Papierbecherchen vor sich hatten.

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