Zum Hauptinhalt springen

SVP-Mann ist jetzt für Hafenkran

In der Kolumne «Zugespitzt» greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Geht es nach Hans-Ulrich Lehmann, wird in Zweidlen schon bald ein Hochseetanker anlegen. Der Unternehmer will sein Hotel Riverside mit einem Bau erweitern, der aufeinandergestapelten Schiffscontainern gleicht. Um das Meereshafen-Feeling zu verstärken, soll ein authentischer Hafenkran das Bild vervollständigen.

Moment mal – Hafenkran? Die Idee weckt unweigerlich Erinnerungen an eine skurrile Geschichte im fernen Zürich, die hohe Wellen warf. Als im Jahr 2009 bekannt wurde, dass im Rahmen eines Kunstprojekts ein Hafenkran an der Limmat platziert werden sollte, liefen bürgerliche Politiker Sturm. «Geldverschwendung!», «hässlicher Rosthaufen!», «unpassend!», tönte es allenthalben aus dem Ratshaus. Für die Installation – inklusive Transport aus Rostock – waren über 600 000 Franken budgetiert worden.

Die SVP, der auch der hochsee-begeisterte Glattfelder Hotelbesitzer angehört, lancierte zusammen mit der Jungen FDP gar eine Initiative gegen das Projekt und sammelte innert kürzester Zeit 6000 Unterschriften. Doch der Effort kam zu spät: Die Baubewilligung war bereits erteilt. 2014 stand das umstrittene Kunstobjekt – mit drei Jahren Verspätung zwar – während neun Monaten an der Limmat und erinnerte daran, dass vor 17 Millionen Jahren an dieser Stelle weit und breit nur Meer gewesen war. Und dass Zürich auch heute noch eng mit dem weltweiten Gütertransport verbunden ist.

Unterdessen scheint sich der Kunstgeschmack der SVP gewandelt zu haben. Die spezielle Gestaltung des geplanten Hotels sei eine Reminiszenz an die ehemaligen Pläne, den Rhein bis nach Weiach für grosse Tanker schiffbar zu machen, erklärte Hans-Ulrich Lehmann. Und schliesslich fliesse der Rhein ja nahe am Hotel Riverside vorbei. Wobei dieses am Ufer des knietiefen Flüsschen Glatt liegt.

Für die Hotelbetreiber bleibt jetzt zu hoffen, dass sich die Glattfelder weltoffener zeigen als die Zürcher. Schliesslich haben Hafenkräne im Unterland ja Tradition. Gemäss einem Artikel aus unserer Zeitung sollte das Kunstobjekt nach seinem Auftritt in Zürich einen dauerhaften Platz in Eglisau erhalten. Die damalige Gemeindepräsidentin, Lehmanns Parteikollegin Ursula Fehr, äusserte sich gegenüber dem ZU jedenfalls ganz enthusiastisch. Die Pläne entpuppten sich dann allerdings als Aprilscherz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch