ZUgespitzt

Unfreiwillig Alleinerbin

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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Unlängst in einer Unterländer Filiale eines Schweizer Finanzinstituts. Wir erklären der gediegen manikürten, dezent geschminkten und freundlich lächelnden Hürde in Menschengestalt, dass unser Anliegen wirklich und garan­tiert nicht am Automaten erledigt werden kann. Gnädig lässt sie uns zum Allerheiligsten, sprich einem der immer raren werdenden Schalter, vor. Wir, das sind meine Schwester, die Auslandschweizerin, und ich. Der Grund für unseren gemeinsamen Bankbesuch ist ein wenig erfreulicher. Es gilt, das Konto unseres verstorbenen Vaters aufzulösen. Wir sind gewapp­net für das umfangreiche Sicherheitsdispositiv des Finanz­instituts: Erbschein, Pass, Identitätskarte, Bankverbin­dungen im In- und Ausland.

Immerhin sind zuvor sämt­liche Bemühungen, die Ange­legenheit auf dem Postweg zu erledigen, grandios gescheitert. Ein Flug Spanien–Schweiz für die Auslandschweizerin schien die einzige zielführende, wenn auch kostspielige Option. In der Schweiz würden wir halt in einem sicheren Land leben, in dem Geld nicht in falsche Hände geraten darf – habe ich ihr mit leicht geschwellter Brust erklärt.

Und da stehen wir nun am Schweizer Bankschalter, mit einem an sich relativ simplen Ansinnen: ein Konto auflösen und auf zwei bestehende Konten verteilen. Tatsächlich geht es erstaunlich zügig. Ein paar Unterschriften und Formulare später scheint alles auf bestem Weg. Gemein­sam mit dem jungen und hoch motivierten Bankangestellten haben wir das Sicherheitsdispositiv in lediglich 45 Minuten geknackt. Und das erst noch gründlicher, als vor allem meiner Schwester lieb sein wird.

Denn zurück in Spanien, loggt sie sich am Computer in ihr eigenes Konto beim gleichen Finanzinstitut ein. Doch da ist kein Reinkommen mehr, alles gesperrt. Der smarte junge Herr hat offensichtlich statt dem Konto­ unseres Vaters jenes meiner Schwester aufgelöst und mich als ihre Alleinerbin eingesetzt. Und so sitze ich nun auf ihrem Vermögen.

Bis dato sind sämtliche Ver­suche, dieses loszuwerden, gescheitert. Haben Sie schon mal versucht, Geld auf ein aufgelöstes Bankkonto zu überweisen? Eben! Oder von Spanien aus ein Konto auf einer Schweizer Bank zu eröffnen? Eben! Nach der Ferien­zeit, sobald die Flüge aus Spanien wieder etwas billiger sind, wird diese Geschichte in der Unterländer Filiale eines bekann­ten Finanzinstituts ihre Fortsetzung finden. Mein Vertrauen in das Sicherheitsdispositiv der Schweizer Banken ist an einem Tiefpunkt angelangt. Aber immerhin darf ich mich wenigs­tens temporär über einen Höhepunkt in Sachen Kontostand freuen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.08.2018, 10:00 Uhr

Daniela Schenker, Redaktorin

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