Silvester und Neujahr

Vom Rutschen, Feiern und Verschlafen

Wie unsere Redaktorinnen und Redaktoren den Jahreswechsel erleben.

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Aufgeregte Ponys und hehre Ziele
Florian Schaer

Was mich am «Rutschen» fasziniert: Es findet überall statt, schön in Zeitzonen portioniert. Und lässt man das chinesische Neujahr (5. Februar 2019) mal aussen vor, so hat der Jahreswechsel wohl mehr verbindendes Moment als jeder andere Feiertag. Vor allem: Keinerlei Götter sind involviert.

Das Feiern hält sich bei mir tatsächlich in Grenzen. In den letzten Jahren hab ich mich kurzfristig bei meiner Mutter angemeldet, um auf einem Strohball ein Glas Champagner zu trinken und gleichzeitig ihre zwei Shetlandponys beruhigen zu helfen, die von all dem Geknalle jeweils völlig aus dem Häuschen sind.

Ach ja, was die Vorsätze angeht: Ich hab da die klassischen Phasen von Nachahmung, Rebellion und Rückbesinnung durchlebt: Wo die Eltern es sagen, sucht man krampfhaft nach Zielen. In Phase 2 findet man das alles doof und altmodisch, oder man prahlt damit, wie schnell man sie wieder über Bord geworfen hat. Erst am Schluss nimmt man sich wirklich wieder etwas vor – selbstverständlich mit den besten Intentionen.

Ein letztes Mal in Zweisamkeit
Martina Cantieni

Als werdende Eltern feiern wir dieses Jahr zum vorerst letzten Mal zu zweit; ganz gemütlich in einem Hotel im Schwarzwald. 2019/2020 wird die Situation anders aussehen: Wir werden unser brabbelndes Töchterchen vom giftigen Weihnachsstern und den Champagner-Truffes fernhalten müssen. Dann werden wir mit dunklen Augenringen vorzeitig um 21.55 Uhr anstossen und kurz vor 22.25 Uhr völlig erledigt ins Bett fallen – die Nächte mit Baby sind kurz hat man uns gesagt.

Zwei bis drei ruhigere Jahre folgen dann ab 2022: Kleinkindern kann man – so habe ich gehört – bereits um 21 Uhr weismachen, es sei nun Mitternacht.

So ungefähr ab 2033 wird die Teenietochter dann nicht mehr mit Tischbombe und Blätterteigpastetli feiern wollen – was aber vielmehr an uns mittlerweile angestaubten Eltern liegen dürfte. Dann können wir zu zweit langsam aber sicher wieder ans Hotel im Schwarzwald denken.

Jeder der kommenden Jahreswechsel wird seinen ganz eigenen Zauber haben – ich freue mich jetzt schon auf jeden einzelnen.

Von Rockbühne an den Bürkliplatz
Renato Cecchet

An Silvester und Neujahr habe ich früher, als ich noch in Rockbands spielte, mein Englisch, Französisch oder Italienisch aufgebessert, weil ich den Jahreswechsel des öftern in einem halbzerfetzten T-Shirt auf einer Bühne herumturnend im Ausland verbrachte.

Alles wurde anders, als ich vor über 23 Jahren meine russischstämmige Frau heiratete. Die Prioritäten änderten sich. Für die Russen ist Silvester so wichtig, dass sie diesen Feiertag gleich zweimal begehen – am 31. Dezember nach dem für sie neuen gregorianischen und am 14. Januar nach dem alten julianischem Kalender.

In der Folge überliess ich meiner Frau die Party-Organisation für den Jahreswechsel.

An Silvester zog ich Hemd und Schlips an, verbrachte den Abend bei Kaviar im Aargau, Lachs im Kanton Schwyz oder Champagner in Zürich. Letzteres gilt auch für dieses Jahr wieder – aber viel bescheidener. Frauchen und ich sparen für einmal nämlich und feiern am 31. Dezember in Jacke und Pullover sowie mit Schämpis und Schwiegermutter am Bürkliplatz.

Noch schlimmer als die Ratssitzung
Daniela Schenker

Senile Bettflucht ist bei mir keine Alterserscheinung, viel eher ein Geburtsgebrechen. Seit ich mich erinnern kann, kämpfe ich ab 21 Uhr gegen den Tiefschlaf. Dafür bin ich um 6 Uhr bei bester Laune am Bügelbrett oder auf dem Joggingpfad anzutreffen. Die ses vermutlich erblich bedingte Frühschlaf-Syndrom verträgt sich miserabel mit Opernaufführungen oder Bülacher Parlamentssitzungen. Am qualvollsten ist der Jahreswechsel. Die Freunde können noch so anregend und die Gänge des Menüs noch so exquisit sein: Ab 22.25 Uhr wird alles zur Qual und mein Gähnen zum Stimmungskiller.

Meine Familie hat resigniert. Wir bleiben daheim. Nach den traditionellen Silvester-Fajitas verlässt die Jugend die Seniorenresidenz. Der Gatte wartet seinen Einsatz ab. Jedes Jahr um 23.40 Uhr beginnt er mit der Aufweckvorbereitungen: Fenster auf, «Dinner for one» auf 90 Dezibel hochschrauben und bei den Füssen mit Schütteln beginnen. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich auch dieses Jahr um 23.57 Uhr wach sein — für 10 Minuten.

Auf zur frohen Sternchenparty
Sharon Saameli

Fest steht, dass ich Silvester mit meinen liebsten Freundinnen und Freunden verbringen werde. Auf dem Plan steht «Gender Bending», das heisst: Jeder kommt in einem Geschlecht, das er normalerweise nicht hat, sei dies also als Frau, Mann, Transperson, nichtbinäre oder queere Person – oder was der Sternchenhimmel eben alles bietet. Wir werden auf alle Fälle zauberhaft aussehen.

Zu stark hat mich die deutsche Serie «Babylon Berlin» geprägt, als dass ich mir diese Gelegenheit nehmen lasse: Ich schnappe mir Gilet und Zylinder und klebe mir vermutlich auch einen Bart oder Schnauz auf. Doch das Outfit ist nur die halbe Miete. Für einen gelungenen Auftritt spiele ich auch damit, wie ich gehe, tanze und an der Zigarette ziehe – ohne dabei allzu klischeehaft rüberzukommen.

Was ganz sicher ist, und daran soll mich mein Umfeld erinnern: Um Mitternacht wird «Herr Saameli» mit Rimuss anstossen. Die vergangenen Festtage waren feuchtfröhlich genug, als dass meine arme Leber noch einen solchen Abend vertragen würde. (mst)

Erstellt: 28.12.2018, 12:30 Uhr

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