Wir stolzen Föderalisten

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen die ZU-Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf. Heute macht sich Martin Liebrich Gedanken über den Föderalismus.

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Welcher Tag könnte sich besser eignen als der schweizerischste aller Tage im Jahr, der 1. August, um ein blühendes Exempel des Föderalismus zu statuieren? Natürlich keiner. Schliesslich ist nichts urschweizerischer, als politische Regelungen dort zu treffen, wo sie in einem kleinen Land hingehören: auf möglichst kleinem Gebiet. Also in der politischen Gemeinde.

Das aktuelle Beispiel ist das Feuerverbot. Nun gilt es erst einmal zu unterscheiden zwischen einem Feuerverbot in Wäldern und Waldesnähe und einem allgemeinen Feuerverbot. Denn während bei Ersterem Feuer eigentlich verboten sind, aber nur, wenn man sich näher als 200 Meter beim nächsten Wald befindet oder der Wind bläst, sind beim allgemeinen Feuerverbot Feuer im Freien generell verboten. Wobei es auch hier noch Unterschiede gibt. Aber davon später.

Nun hat der Kanton Zürich am Freitag ein Feuerverbot in Wäldern und Waldesnähe erlassen. In den Gemeinden brach darauf Aktivismus aus. Viele, aber eben nicht alle verfügten ein allgemeines Feuerverbot. Aber Achtung: Während damit in den meisten Gemeinden Ende Feuer inklusive Feuerwerk war, blieb in einigen Gemeinden das Abbrennen von Feuerwerk für den 1. August explizit erlaubt – allerdings meldeten diese Gemeinden nur wenige Tage später, dass nun doch ein generelles Feuer- und Feuerwerksverbot gelte.

Es wird aber noch besser: Beim allgemeinen Feuerverbot gilt nämlich auch ein Verbot von Holzkohlegrills auf Balkons oder Sitzplätzen. Gas- und Elek­trogrills bleiben erlaubt. Was Sie wissen müssen, wenn Sie in der Schweiz in die Ferien fahren: Je nach Gemeinde ist das Grillieren mit Holzkohlegrills auf Sitzplätzen und Balkons bei allgemeinem Feuerverbot weiterhin erlaubt. In anderen Gemeinden ist dagegen sogar das Feuern in befestigten Cheminées verboten. Essen Sie Ihren Cervelat also am besten als Wurstsalat. Oder, falls Sie das nicht möchten: Fragen Sie auf der Gemeinde Ihres momentanen Aufenthalts nach, ob Sie ihn ausserhalb der Pfanne braten dürfen.

Übrigens: 2006 verfügte der Kanton Zürich ein allgemeines Feuerverbot. Aus liberalen Kreisen war daraufhin zu vernehmen, es sei doch beim Eich nicht Sache des Kantons, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie auf ihren Balkons und Terrassen ihre Würste zu bräteln hätten und wie nicht. Vielleicht deshalb hat sich der Kanton heuer zurückgehalten.

Ist es also besser, wenn jede Gemeinde ihre eigene Regelung treffen darf? Die Antwort zum Tag: Nein, und es ist auch nicht einfacher. Aber es ist weit schweizerischer. Und genau deshalb sollten wir stolz sein darauf.
In der Kolumne «ZUgespitzt»greifen die ZU-Redaktoren Themen
aus dem Unterländer Alltag auf. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 02.08.2018, 11:14 Uhr

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