ZUgespitzt

«Mit T wie Theodor»

In der Kolumne «Zugespitzt» greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

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«Sehr geehrte Frau Abazi...» Mit diesen Worten beginnen die meisten Briefe oder E-Mails, die in meinem Briefkasten landen. Es folgt ein alteingesessenes Ritual: Das anfängliche Schmunzeln wird zu einem Augenrollen, die Belustigung weicht der Frustration. Es ist ja eigentlich ziemlich einfach, herauszufinden, dass sich hinter dem Vornamen «Astrit mit einem T wie Theodor» ein Mann verbirgt. Seitdem ich bei der Zeitung arbeite, kann man mich sogar googeln. Wieso tun das nur die wenigsten? Der Irrtum entfacht einen inneren Kampf in mir darüber, wie ich meine Antwort verfassen soll. Mit Empörung über den Fehler oder triefend vor Sarkasmus? Am Ende gewinnt stets die Resignation. Es bringt ja sowieso nichts.

Reaktionen zu meinem Namen lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einordnen. Den einen ist der Name egal – bei den anderen führt er zu Gesprächsstoff. Und das Lieblingsthema ist dann, wie fremd oder eben «migrantisch» dieser ist. In Kosovo ist Astrit ein ganz gewöhnlicher, wenn auch seltener Name. In der Schweiz eben nicht. «Was ist denn das für ein Name?» Ein albanischer. «Ist das verwandt mit Astrid?» Nein, mein Name bedeutet nicht «göttliche Schönheit», sondern «gelbe Schlange» (kein Witz). «Wissen Sie, dass das bei uns ein Frauenname ist?» Erstens weiss ich das selbstverständlich, da ich ständig darauf hingewiesen werde. Zweitens stimmt das gar nicht. Ist ja nicht der gleiche Name. Und ich gehöre seit Jahren zu «uns».

Ich wurde schon oft gefragt,ob ich meinen Namen ändern wolle. Wie wäre es mit etwas Geschlechts- und Kulturneutralem? Ich habe mich gegen eine solche Korrektur aber stets gesträubt. Es gibt weitaus Schlimmeres, als für eine Frau gehalten zu werden. Männer mit den Namen Dominique oder Andrea haben mit dem gleichen Problem zu kämpfen. Die Anspielungen auf Astrid Lindgren oder die vulgären Verballhornungen meines Namens, die ich als Kind über mich ergehen lassen musste, liessen mich auch ziemlich kalt. Weshalb sollte ich überhaupt etwas ändern? Das Problem liegt ja nicht bei mir.

Ich habe gelernt, damit umzugehen, und bin heute ganz glücklich mit Astrit. Als meine Eltern in die Schweiz kamen, wollten sie sich eine Zukunft in einer ihnen damals fremden Kultur aufbauen. Sie konnten natürlich nicht wissen, was mich erwarten würde. Es macht sie heute deshalb besonders stolz, wenn sie einen meiner Artikel lesen und mein Name darunter steht.

Erstellt: 16.01.2020, 09:25 Uhr

Astrit Abazi, Redaktor ZU

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