Pro und Contra

Braucht es in der Schweiz einen Impfzwang?

In der Schweiz erkrankten dieses Jahr bereits siebenmal mehr Personen an Masern als in der Vorjahresperiode. Zwei Männer sind an der Krankheit gestorben. Müssen Impfungen obligatorisch werden?

Soll die Impfung gegen Masern obligatorisch werden? Die Meinungen gehen auseinander.

Soll die Impfung gegen Masern obligatorisch werden? Die Meinungen gehen auseinander. Bild: Keystone

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Ja

In den Vereinigten Staaten gibt es einen Kult der Ignoranz, schon immer. Die Anspannung eines Anti-Intellektualismus zieht sich wie ein roter Faden durch unser politisches und kulturelles Leben, getragen von der falschen Vorstellung, dass Demokratie bedeutet, dass ‹meine Ignoranz genauso gut ist wie dein Wissen›». Dieses Zitat stammt von Isaac Asimov. Asimov musste es wissen: Er war nicht nur einer der berühmtesten Science-Fiction-Autoren, er war auch Wissenschaftler und arbeitete als Professor für Biochemie.

Geht es ums Thema Impfen, hat man das Gefühl, dass die anti-intellektuelle Welle in den letzten Jahren vermehrt auch nach Europa und in die Schweiz übergeschwappt ist. Obwohl die Wirksamkeit und die Notwendigkeit von Impfungen in abertausenden von Studien untersucht, belegt und bewiesen worden sind, gibt es eine wachsende Anzahl Menschen, die sich weigern, die Faktenlage zu akzeptieren. Wissenschaftliche Argumente zählen für sie nicht, deren Ablehnung triumphiert über die Versuchsanordnung im Labor.

Nun darf und soll es ja in der Politik Platz für eine Vielzahl von Meinungen zur Lösung eines Problems geben. Für mich hört der Spass aber dort auf, wo es um nicht weniger als Leben und Tod geht. Und das ist bei Impfungen der Fall. Um tödliche Krankheiten auszurotten und um auch diejenigen Menschen vor ihnen zu schützen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, ist es wichtig, dass der Herdenschutz greift, dass ein Erreger also gar nicht zu diesen Personen gelangen kann, weil alle Menschen um sie herum geimpft sind.

Wenn zu viele Menschen nicht geimpft sind, gefährden sie sich deshalb nicht nur selbst, sondern beispielsweise auch Kleinkinder, die für bestimmte Impfungen noch zu jung sind oder Menschen, die aufgrund einer chronischen Krankheit nicht geimpft werden können.

Vielleicht ist es noch zu früh, um einen Impfzwang einzufordern. Aber falls die Entwicklung tatsächlich parallel zu den USA oder zu Italien verläuft, wo sich wieder mehr Menschen mit Krankheiten anstecken, die einst als quasi ausgerottet galten, müsste man sich eine entsprechende Massnahme überlegen. Vielleicht helfen drastische Worte: Die Zeiten, in welche es für Eltern normal war, mehrere ihrer Kinder begraben zu müssen, sollten einen Teil der Vergangenheit bleiben.

Nein

Natürlich ist es schlimm, wenn Menschen an Masern sterben. Und möglicherweise ist das auch ganz und gar sinnlos. Aber irgendwann stirbt jeder Mensch. Ein Autounfall ist auch tragisch. In den wenigsten Fällen ist der Todestag vorbestimmt, oder die Art und Weise, wie jemand stirbt. Es gibt unzählige sogenannt «unnötige» Sterbefälle. Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Masernerkrankungen in der Schweiz, werden nun Stimmen laut, die den Impfzwang fordern.

Bereits vor Jahrzehnten gab es immer wieder Impfaktionen, teilweise von der Schule verordnet. Meine Eltern waren erklärte Impfgegner, und obwohl in der Schweiz bisher weder damals noch heute eine sogenannte Verpflichtung zum Impfen besteht – was einem Zwang gleichkäme – wurde mit den Fingern auf uns gezeigt.

Bei der gegenwärtigen Diskussion scheint es fast, als kehrten jene Zeiten zurück. Dabei sollte doch wirklich jede und jeder selber entscheiden, ob und gegen was sie oder er eine Impfung will. Ich bin der Meinung, dass Kinderkrankheiten in jungen Jahren zu einer gesunden Entwicklung beitragen. Zudem sind solche Krankentage für die Kinder etwas Besonderes, es herrscht Ausnahmezustand, sie werden verhätschelt und erhalten mehr Aufmerksamkeit als sonst.

Ich finde es nicht sinnvoll, eine staatliche Impfkampagne zu verordnen. Sie käme einer Bevormundung gleich, die persönliche Entscheidungsfähigkeit wäre in Frage gestellt. Über die eigene Gesundheit sollte man doch wohl noch selber bestimmen können.

Das Argument, wenn man sich nicht impfen lasse, gefährde man dadurch vor allem auch seine Mitmenschen, lasse ich nicht gelten. Einen absoluten Schutz gibt es ohnehin nicht, auch mit Impfung nicht. Weshalb also soll ich eine natürliche Infektion absichtlich herbeiführen?

In einer Impfbroschüre des Bundesamts für Gesundheit (BAG) heisst es: «Der Anteil der Personen, bei denen die Impfung eine Immunantwort auslöst, liegt nie bei 100 Prozent, die Erfolgsrate liegt jedoch bei den für Kinder empfohlenen Basisimpfungen meist bei über 90 Prozent. Obschon dies selten vorkommt, ist es daher prinzipiell möglich, dass ein Kind an einer Krankheit erkrankt, gegen die es geimpft ist.» Der Entscheid fürs Impfen soll freiwillig bleiben.

Erstellt: 10.05.2019, 17:19 Uhr

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