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Die Bäckerei Fleischli hatte Pech

ZU-Redaktor Flavio Zwahlen zum Corona-Fall in der Bäckerei Fleischli in Bülach.

Ich befragte am Montag Leute, die in der Fleischli-Filiale beim Sonnenhof in Bülach eingekauft haben, was sie vom Coronavirus halten. Denn die Bäckerei blieb zuvor während einiger Tage geschlossen, da eine Mitarbeiterin positiv auf die neuartige Atemwegserkrankung getestet wurde. Dass das Personal keine Freudensprünge machte, als ich vor Ort meine Absichten erklärte, ist irgendwie verständlich. Denn die Schliessung der Filiale machte in den Medien die Runde. Das Unternehmen wurde dadurch in ein schlechtes Licht gerückt und erhielt den Stempel «erste Bäckerei mit einem Coronavirus-Fall» aufgedrückt. Die Bäckerei-Conditorei Fleischli AG hat jedoch überhaupt nichts falsch gemacht, sondern einfach nur Pech gehabt.

Das Coronavirus kann jeden von uns treffen, aber niemand, der daran erkrankt, ist deswegen ein schlechterer Mensch. Trotzdem entsteht zum Teil derEindruck, dass es sich bei infizierten Patienten um hochgefährliche Menschen handelt. Sie erhalten Namen wie «Fall 9» oder «Fall 11» und jeder, dermit ihnen in Kontakt war, bekommt Hausarrest. Und so kann es halt auch vorkommen, dass ganze Filialen oder gar ganze Unternehmen zum Stillstand kommen.

Dem ZU-Artikel über die Schliessung der Fleischli-Filiale wurde viel Beachtung geschenkt, wurde er doch bei Facebook über 400-mal geteilt. Eine Berichterstattung lässt sich demnach mit dem hinreichenden öffentlichen Interesse begründen. Fleischli hatte jedoch Pech, von einem der ersten Fälle in Zürich betroffen zu sein. Wäre die Mitarbeiterin erst in drei Wochen am Virus erkrankt, wäre dies mit Sicherheit eine Randnotiz gewesen. Denn bis dahin werden Hunderte Unternehmen von einem «Fall» betroffen sein.

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