Pro & Contra

Die Saison der Weihnachtsmärkte ist angebrochen – soll man da hin?

Für die einen sind Weihnachtsmärkte Orte der Überraschung und Einstimmung auf die Festtage. Andere sind ihrer überdrüssig, weil sie Jahr für Jahr das gleiche anbieten und der ganze Festtagszauber zu früh verpufft.

Der Weihnachtsmarkt auf der Kleinen Schanze in Bern.

Der Weihnachtsmarkt auf der Kleinen Schanze in Bern.

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Ja

Natürlich sind Weihnachtsmärkte vor allem eines: kitschig. Aber das gehört doch zu einer stimmungsvollen Weihnachtszeit. Um sich für die Festtage inspirieren zu lassen, braucht es keine Reisen nach Deutschland zu den traditionellen Christkindlmärkten mehr. Im Zürcher Unterland sind die liebevoll gestalteten Stände in zahlreichen Gemeinden anzutreffen. Erste Möglichkeiten, einen Vorgeschmack auf Weihnachten zu bekommen, hat es bereits gegeben.

Zwar brauche ich keine selber gestrickten Bettsocken und keine Kärtli mit Glitzersujets für die Festtage. Ich kann auch gut auf Weihnachtsguetzli ver- zichten, die von fremden Leuten gebacken wurden, weil ich selber welche mache. Ich stehe weder auf Engelsfiguren noch auf Gewürzmischungen. Und trotzdem besuche ich gerne die einheimischen Weihnachtsmärkte. Dort trifft man Bekannte, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Der Duft nach Apfelküchlein, Käseschnitten, Lebkuchen und Glühwein verfehlt seine Wirkung nicht. Eine Kostprobe – oder auch zwei – vom einen oderen anderen gehört selbstverständlich zu einem Marktbesuch.

Selbst wenn das Thermometer keine Minusgrade anzeigt, macht das Stöbern auf diesen Märkten Spass. Auch schon bin ich ohne Jacke, Handschuhe und Mütze über einen solchen Markt geschlendert. Das hat der Stimmung keinen Abbruch getan. Es ist mir sogar lieber, als mit ins Gesicht gezogener Kapuze im Schneegestöber rumzu- laufen und mit klammen Fingern das Geld für meine Einkäufe aus dem Portemonnaie zu klauben. So habe ich keine Lust, schöne Dinge zu entdecken.

Am Weihnachtsmarkt haben die Leute Zeit für einen Schwatz, die Stimmung ist friedlich, die Vorfreude auf die Festtage spürbar. Zudem bewundere ich gerne die schönen Dekorationen und nehme die eine oder andere Idee für mein eigenes Zuhause mit. Sollte etwas ganz genau zu meiner Vorstellung passen, kaufe ich das sogar. Ganz gefeit vor Impulskäufen bin ich aber auch nicht.

Doch dafür, sich auch mal etwas zu gönnen, das man nicht unbedingt braucht, sind Märkte in der Adventszeit da. Und: Ich habe tatsächlich bereits mehrmals spontan das ideale Geschenk für Familienmitglieder und Freundinnen gefunden – auf einem Weihnachtsmarkt.

Nein

Letztes Jahr habe ich es wieder mal mit einem Weihnachtsmarktbesuch versucht, im Zürcher «Wienachtsdorf» beim Bellevue. Also jenem Ort, an dem sich gemäss Website «rund 100 Hütten zu einem gemütlichen Dorf zusammenschmiegen, das zum Schmökern, Shoppen, Schlemmen und Verweilen einlädt». Gemütliches Dorf? Selten so gelacht. Im Vergleich zum Gewusel, Geschubse und Gedränge zwischen den amtlich normierten Holzhäuschen auf dem Sechseläutenplatz ist die New Yorker First Avenue am Black Friday menschenleer.

Mutig habe ich mich mit einem erkalteten Raclette in der einen und einem kopfwehförderndem Fusel in der anderen Hand bei 12 Grad plus und Nieselregen, Menschenmassen und Duftwolken geboxt. Und während mir der käsig-fleischige Geruch von Apfelchüechli in die Nase stieg, dröhnte in meine Ohren mediokres Panflötengedudel ab Konserve im Wechsel mit «Let it Snow» in der Endlosschlaufe.

Über meinen geliebten Wintermantel rann bald fremder Jägertee. «Käs Probläm» stammelte ich gequält in Richtung des Designer-Kinderwagenpiloten, der mich gerammt hatte. Man darf ob all der kollektiv-beschwipsten Glückseligkeit ja nicht kleinkariert sein. Und was sind schon 30 Franken für die chemische Reinigung, verglichen mit den Preisen am Weihnachtsmarkt?

Zugeben, das Angebot war exklusiv. Bloss brauchte ich weder Sneakers aus rezyklierten kambodschanischen Zementsäcken, noch wünschte sich mein Mann Socken, «die seinen Stil und seine Persönlichkeit auf kreative und abwechslungsreiche Weise unterstreichen». Auch mein Bedarf an Duftlampen, Gewürzmischungen, Traumfängern und Buddha-Statuen ist gedeckt, beziehungsweise gar nicht vorhanden.

Einmal mehr realisierte ich, was mich einen grossen Bogen um urbane Weihnachtsmärkte machen lässt. Es ist das Zuviel. Es gibt zu viele Menschen, zu viele Düfte, zu viele Klänge und vor allem zu viel Unnötiges zu kaufen.

Vielleicht sollte ich es wieder einmal mit einem der kleinen, überschaubaren Märkte im Unterland versuchen? Ich werde mal meine Kollegin Barbara Gasser (siehe Pro) nach einer Empfehlung fragen.

Erstellt: 22.11.2019, 17:39 Uhr

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