Pro & Kontra

Ist Self-Scanning besser, als an der bedienten Kasse zu bezahlen?

Self Scanning in den Supermärkten: Entspannteres Einkaufen oder Gratis-Arbeit für die Grossverteiler. Auf der Redaktion des ZU gehen die Meinungen auseinander.

Bild: Symbolbild/Keystone

PRO

«Die Einkaufstaschen kann ich bequem unterwegs bepacken»

Es ist noch nicht lange her, da hätte ich das Gegenteil dessen geschrieben, was jetzt dann gleich kommt. Darum leuchten mir die Argumente gegen Self Scanning total ein: Als Kunde verrichte ich Gratis-Arbeit, indem ich sie den Frauen und Männern an der Kasse wegnehme. Ich muss mir den Vorwurf gefallen lassen, letztlich mitverantwortlich zu sein, wenn sie ihren Job verlieren.

Trotzdem bin ich ein grosser Fan des Self Scannings. Ich greife am Eingang zu einem Gerät und scanne nachher die Strichcodes der Produkte ein, die ich kaufen will. Der Clou daran: Die Einkaufstaschen kann ich auf dem Gang durch den Laden direkt bepacken. Das spart den Stress an der Kasse. Denn mit vier Mäulern im Haus, von denen zwei einen stetig wachsenden Hunger aufweisen, gilt es einen wöchentlich grösser werdenden Haufen an Essbarem zu kaufen. Die nach der Kasse zur Verfügung stehende Ablagefläche wird dadurch überflutet. Deshalb steht dann für die Kunden, die nach mir kommen, kein Platz mehr zur Verfügung – ausser, ich packe meine Einkäufe im Tempo des gehetzten Affen weg (mit freundlichen Grüssen vom werdenden Bananenmus zuunterst in der Tasche!), während ich mit der anderen Hand Lebensmittel aus dem Wagen aufs Förderband katapultiere, mit den Zähnen die Punkte-Sammelkarte aus dem Portemonnaie ziehe und dem Junior gleichzeitig erkläre, weshalb er das Weggli wirklich erst essen darf, wenn ich es bezahlt habe.

Und damit bin ich bei den Kindern angelangt. Das Anstehen in einer Warteschlange vor der Kasse überlasse ich gerne Eltern, mit besseren Nerven als den meinen. Denn was sehen und wollen Kinder schon seit Jahrzehnten, wenn sie in der Schlange vor der Kasse stehen? Ein Zuckerbomben-Arsenal, aus dem ich mich selber gerne à discretion bediene – aber eben nicht vor den Augen meiner Kinder. Die sollen ja glauben, der Papi nibble zwischenmahlzeitlich nur Rüebli, Tomaten und ähnliches Zeugs weg.

Das Beste am Scanner kommt aber noch. Er ist schon per se ein hervorragender Babysitter. Die Kleinen finden es nämlich das Grösste, wenn sie damit die Strichcodes lasern dürfen und es dann piept. Glauben Sie mir: Damit sind sie bis zum Metzger beschäftigt. Dort gibt es ein Würstli, das sie bis nach dem Joghurt-Gestell ablenkt. Nachher dann noch zweimal «De Töff vom Polizischt» singen, aufs Weggli vorfreuen, und schon ist der Einkauf fertig. Entspannt selbst gescannt. (Martin Liebrich)

martin.liebrich@zuonline.ch

KONTRA

«Selfscanner machen klaglos das, wofür man fair entlöhnen sollte»

Liebe Self-Scannende, schauen Sie doch bitte mal auf ihren Kontoauszug. Ist da eine Lohnzahlung eines Grossverteilters eingegangen? Nein? Sie leisten also Gratisarbeit. Das ist lobenswert – finden auch Migros und Coop. Die Selbstscanner und -kassierer übernehmen nämlich klaglos und vielleicht sogar begeistert, jene Dienstleistung, für die sonst Menschen angestellt und fair entlöhnt werden müssten.

Menschen wie Frau Brunner. Seit drei Jahrzehnten arbeitet die Kassierin in der Migros-Filiale meines Vertrauens. Und ich schwöre, gegen Frau Brunner arbeitet jede Hightech-Scanning-Superstation in Zeitlupe. Sie ist so subito, dass sie sogar Zeit hat, mir noch ein paar Kochtipps unters Retourgeld zu mischen. Frau Brunner kennt sich da aus. Sie hat nämlich einen Schrebergarten, und ich bin ziemlich sicher, dass sie - wenn ihre Stelle dereinst gestrichen werden sollte - dort mehr Zeit verbringen muss, als ihr lieb ist.

Für die Subito-Turbos sind das natürlich keine Argumente. Schnell muss es gehen, hopp hopp. Auch wenn man nicht so genau weiss, weshalb. Ein paar Worte mit der Kassiererin oder gar mit dem netten Senior vor einem? Wieso auch, bringt ja nichts! Ganz im Gegensatz zum Self Scanning, das jene Sekunden spart, auf die es im Leben offensichtlich ankommt. Steht dann aber ein Stichkontrolle an, ist die Zeitersparnis subito weniger bene. Die Grossverteiler tun aber gut daran, ihre «Volontäre» vor Ort zu kontrollieren. Denn manch einer bezieht seinen Lohn in Form von Naturalien und ist dabei ziemlich einfallsreich und dreist. Billiger wird mein Einkauf durch diese Schummlerei sicher nicht.

Die Grossverteiler haben eine Strategie gegen diese kostspiele Form der Self-Bedienung: Überwachung. Da werden fleissig Bonuskartendaten und Kameraufnahmen gesammelt. Bleibt zu hoffen, dass dies wenigstens ein paar neue Arbeitsplätze schafft.

Sand ins Getriebe streuen aber nicht nur Kontrollen. Wehe, wenn Herr Hürzeler aus dem Altersheim im Coop den Kirsch auf die moderne Art bezahlen will. Bis Kassierin Krasniqi zur Alterskontrolle erscheint, kanns dauern. Oder aber man erwischt eine Feinmotorik-Legasthenikerin wie mich vor so einem Gerät. Ich versprechs: Mein gleichzeitiges Jonglieren mit Joghurtbechern, Cumulusbons, Kreditkarte und Einkaufstüte zerstört jedes Hoffen auf eine Zeitersparnis. (Daniela Schenker)

daniela.schenker@zuonline.ch

Erstellt: 19.10.2018, 15:54 Uhr

Pro

Martin Liebrich, Redaktionsleiter & Stellvertretender Chefredaktor

Kontra

Daniela Schenker, Redaktorin

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