Kommentar

Recht ist nicht immer gerecht

Reporter Pascal Jäggi zum deutlich milderen Urteil gegen den Küsnachter Galeristensohn, der seinen Freund im Drogenrausch auf brutale Art getötet hat.

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Da tötet einer völlig zugedröhnt einen anderen Menschen auf bestialische Weise und muss nur drei Jahre hinter Gitter. In ein bis zwei Jahren wird er auch die Suchtklinik verlassen und sich frei auf der Strasse bewegen können. Natürlich ist das Urteil des Obergerichts ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen des jungen Opfers. Doch leider ist es nicht falsch.

Das Gesetz sieht für eine Tötung in selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit eine Höchststrafe von drei Jahren vor. Soll sich daran etwas ändern, muss der Gesetzgeber aktiv werden. Die Richter müssen sich an den Strafrahmen halten. Das Bezirksgericht Meilen hat dem Beschuldigten, einem Experten in Drogenfragen, nicht abgenommen, dass er nicht mehr wusste, was er tat. Die Geschichte von Ausserirdischen und einer Bedrohung durch den Freund hielten die Bezirksrichter für erfunden. Das ist eine Interpretationsart.

Doch es gibt eben auch die andere Interpretation, nämlich, dass der Beschuldigte tatsächlich so berauscht war, dass er nicht mehr wusste, was er tat. Die Oberrichter sind nicht allein. Der Gutachter, Direktor an der Psychiatrischen Universitätsklinik, und anfänglich auch der Staatsanwalt gingen von einer Schuldunfähigkeit (früher Unzurechnungsfähigkeit) aus. Diese galt als selbst verschuldet, weil sie durch exzessiven Drogenkonsum herbeigeführt worden war. Es bleibt ein fahler Nachgeschmack. Das Gesetz erlaubt es einem Menschen, sich zuzudröhnen, bis etwas Schlimmes passiert. Eine für Opferangehörige gerechte Strafe muss er nicht erwarten.

Erstellt: 27.11.2019, 17:17 Uhr

Pascal Jäggi, Reporter

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