Visionen

Die Zeit der kommunalen Visionen ist definitiv vorbei

«Kloten 2030» ist belebt, bunt, optimistisch. Doch gerade die Klotener sollten längst keine Visionen mehr alleine zeichnen.

Auf der Insel Kloten lebt es sich im Jahr 2030 durchaus gut – bloss dass Kloten auch 2030 keine Insel sein wird.

Auf der Insel Kloten lebt es sich im Jahr 2030 durchaus gut – bloss dass Kloten auch 2030 keine Insel sein wird. Bild: zvg

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So also stellt sich die Klotener Regierung die unmittelbare Zukunft der Stadt vor: Die Freizeit findet am Schluefweg statt, die Arbeit im Circle und das Leben auf dem Stadtplatz. Und während sich auf der Flughafenautobahn stadteinwärts weiterhin der Verkehr staut, fallen von Osten her die Marsmännchenhorden (etwa verkleidete Bassersdorfer Fasnächtler?) ein, die sich in Richtung Eigental fortan ihr eigenes futuristisches Wohnquartier zusammenverdichten.

Das äusserst ansprechende «Kloten 2030» ist derart detailverliebt illustriert, dass sich, allen interpretatorischen Freiheiten zum Trotz, die eine oder andere Frage aufdrängt - gerade auch weil die Himmelsrichtungen stimmen; der Flughafen im Westen, der Schluefweg im Süd-Südosten. Woher etwa soll das ganze Geröll für die neuen Felsen im Nordwesten stammen? Und wo ist der Hardwald hingekommen? Hat man aus dem Holz die ganzen Stützen gemacht, um den Stadtsüden zu stabilisieren?

«Das alles klingt hübsch, ist aber hinsichtlich der zu erwartenden Stadtpolitik der nächsten Jahre kaum aufschlussreich.»

Mag sein, die Darstellung will gar nicht in dieser Art gelesen werden. Schliesslich geniessen Visionen, zumindest bezüglich der Ziele und Ideen, naturgemäss die Freiheit des ganz groben Pinselstrichs. Und auch die (durchaus ausführliche) Textlegende, die online mit der Grafik mitgeliefert wird, gibt zu verstehen, dass es selbst bei einem solchen Wimmelbildcharakter letztlich um die ganz grossen Schlagworte geht; zusammengefasst in den fünf abstrakten «Megatrends», aus denen sich über dem Ortsteil Gerlisberg eine diffuse Begriffsbewölkung zusammengezogen hat.

«Besondere Diversität», «gute Erreichbarkeit», «innovative Mittel für den Dialog» oder «gesunde Finanzen» (besonders originell dargestellt durch die turnenden Münzen vor dem Stadthaus) - das alles klingt hübsch, ist aber hinsichtlich der zu erwartenden Stadtpolitik der nächsten Jahre kaum aufschlussreich.

Das alles wäre nicht weiter schlimm. Aber der Vision «Kloten 2030» fehlt etwas viel Wichtigeres: die Anderen! Wenn der Swiss-Flieger schon den Slogan «Kloten verbindet» hinter sich her zieht, ist es unverzeihlich, dass sich die Stadt hier wie eine Insel darstellt, dass der Altbach und die Autostrassen dem Nichts entspringen, und dass die Glatttalbahn nur noch im Kreis (im «Circle») herum fährt – abgesehen vom Grindel-Gleis, das vielleicht einmal zur Alienheimat Bassersdorf führt.

«Eine kommunale Vision ist heute ein Widerspruch in sich selbst.»

Man verstehe mich nicht falsch: Den Vordenkern und Gestaltern, die hier Ideen zusammengetragen und die Grafik so liebevoll und originell umgesetzt haben, ist bestimmt nichts vorzuwerfen. Hingegen hat der Stadtrat die Versuchsanordnung wohl einem völlig verstaubten helvetischen Planungsbuch entnommen: Eine kommunale Vision ist heute ein Widerspruch in sich selbst. Denn längst hat keine Gemeinde mehr eine eigene Zukunft!

Gerade ein Stadtpräsident wie René Huber, der selber den Gemeindeverband «Glow. Das Glattal» präsidiert hatte und heute der Standortförderung Flughafenregion Zürich vorsteht, müsste hier wenigstens ein «Glow 2030» verlangen! Natürlich wird es auch 2030 noch eine föderalistische Idee und eine kommunale Politik geben. Aber echte Visionen und grosse Pinselstriche enden nie mehr an einer Gemeindegrenze: Weder bei Flughäfen, noch bei Glattalbahnen, Circle-Projekten oder Autobahnen – und schon gar nicht bei «Megatrends» wie Mobilität, Urbanisierung oder Konnektivität.

Bild und Legende «Kloten 2030», sowie die Ideenbörse sind unter www.kloten2030.ch einsehbar.

Erstellt: 21.07.2019, 13:48 Uhr

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