Leitartikel

Die Frage nach der Richtung wird schwieriger zu beantworten

Redaktionsleiter Martin Liebrich zu Themen und Entwicklungen die das Unterland im neuen Jahr beschäftigen könnten.

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In welche Richtung soll es gehen? – Eine Frage, die man sich zum Jahreswechsel immer stellen kann. Doch scheint sie derzeit besonders aktuell. Im weltweiten Kontext beispielsweise beim Brexit oder bei dem immer konkreter werdenden Handelskrieg zwischen den USA und China.

Es reicht aber schon der Blick in die Umgebung unserer Wohnorte, um zu erkennen, dass die Richtungen, in die es gehen soll, nicht überall die gleichen sind. Man kann dies gänzlich ohne Wertung feststellen: Sowohl im Bezirk Bülach als auch im Bezirk Dielsdorf boomen gewisse Gebiete. Bülach oder Regensdorf werden in den kommenden Jahren um Tausende Einwohner anwachsen. In Wallisellen und Opfikon sieht es ähnlich aus, und auch Kloten wird immer grösser. Am Flughafen geht der Bau des Circle weiter.

Gleichzeitig bleibt das Unterland andernorts ländlich. Zwar wachsen auch Oberembrach, Wil oder Regensberg. Aber eben fast unmerklich langsam. So ist es auch geplant: Ein grosser Teil des Bevölkerungswachstums soll sich in städtischen Gebieten abspielen, während ländliche Gebiete ihren ruhigen Charakter bewahren sollen.

Das macht Sinn, doch es birgt auch Gefahren. Während in den Städten die Veränderung und das Dynamische für viele zum Programm wird, werden auf dem Land umso mehr Leute umso stärker am Bestehenden festhalten wollen. Gerade im Unterland, wo das Schweizerisch-Ländliche praktisch direkt an die Internationalität des Flughafens grenzt.

Das Spannungsfeld akzentuiert sich in einigen Orten sogar direkt: Bülach ist zwar eine Stadt, doch lebt sie auch vom Charme des alten Städtli. Gegenwärtig werden die neuen Quartiere im Norden bezogen, und das Gesicht des Bezirkshauptorts wird sich unwiederbringlich verändern. Oder in Regensdorf. Dort ist mit dem Surfpark etwas geplant, das es so noch nicht gibt. Dort, wo bisher Landwirtschaft betrieben wurde, soll neu eine zusätzliche Möglichkeit zur Freizeitgestaltung entstehen. Beides, Wachstum und neue Wege, kann Ängste wecken vor dem Verlust des Bestehenden und vor dem, was danach kommt. Beides kann aber auch Hoffnungen nähren und Vorfreude auf die Zukunft.

Im Fall des Surfparks haben Anwohner Angst vor mehr Lärmbelastung. Wobei Lärm ein gutes Beispiel ist, weil er auch andernorts ein Thema bleibt: In Bülach droht dem Fussballclub ein Engpass bei den Plätzen, und allenfalls müssen Teams gestrichen werden – weil sich Anwohner gegen Trainingsplätze beim Schulhaus Hinterbirch wehren. In Bassersdorf müssen sich die Anwohner des Schulhauses Chrüzacher mit dem Lärm der spielenden Kinder abfinden. Sie hatten sich für eine vorgezogene Nachtruhe eingesetzt, waren damit aber nicht durchgekommen.

Ist das Verhalten der Anwohner in diesen Fällen engstirnig? – Vielleicht. Aber Hand aufs Herz: Wie würden Sie denken, wenn die Sportplätze vor Ihrer Haustür wären? Die kleine Lärmdebatte spiegelt sich in der grossen: Der Fluglärm wird weiter diskutiert, und nicht etwa entspannter als vor zehn Jahren. Und über allem hängt die Frage, in welche Richtung es gehen soll.

Aber zurück nach Regensdorf und in die Politik im Allgemeinen. In Regensdorf wird die Bevölkerung am 25. März sagen, was sie will. Bereits einen Tag früher, am 24. März, stehen die Kantons- und Regierungsratswahlen an. Im November können sich die Stimmberechtigten dann gleich nochmals äussern und die National- und Ständeräte wählen. Die Frage, in welche Richtung es gehen soll, wird dann für die nächsten vier Jahre so gut wie möglich beantwortet.

Klar ist: Es wird auch weiterhin in mehrere Richtungen gleichzeitig gehen. Die verfolgten Interessen bleiben unterschiedlich. Sei es beim Lärm oder sei es bei Fragen der Entwicklung im Allgemeinen. Eine Einigung über die grundsätzliche Richtung – so macht es den Anschein – wird nicht einfacher, wenn so unterschiedliche Richtungen eingeschlagen werden können wie zurzeit. Umso mehr sollten wir uns um einen Kontext bemühen.

Der «Zürcher Unterländer» wird auch im kommenden Jahr wieder über Veränderungen, Pläne und mögliche Richtungen, Politik und Gesellschaft berichten. Oder er wird schreiben, was gleich bleibt – und helfen, die Sach­verhalte einzuordnen.

Wir danken Ihnen für Ihre Treue und wünschen es guets Nöis – in alle Himmelsrichtungen!

Erstellt: 31.12.2018, 11:43 Uhr

Martin Liebrich, Redaktionsleiter «Zürcher Unterländer»

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