Pro & Kontra

Lohnt es sich, für den Super Bowl auf Schlaf zu verzichten?

In der Nacht auf Montag findet in Atlanta der Super Bowl statt. Das Finale im American Football beginnt um 0.30 Uhr Schweizer Zeit. Die Meinungen, ob es sich lohnt, am Montag freizunehmen, gehen auseinander.

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JA

Flavio Zwahlen, Redaktor

Ich wurde hier beim «Ja» eingeteilt, weil ich nun schon seit mehreren Jahren Football-Fan bin. Ich sehe mir den Super Bowl an, keine Frage. Seit Anfang September sass ich jeden Sonntag vor dem Fernseher, da lass ich mir das grosse Finale sicher nicht entgehen.

Jetzt zu meinem Problem. Im diesjährigen Super Bowl treffen die New England Patriots und die Los Angeles Rams aufeinander. Ich hasse beide Teams. Die Patriots wegen Quarterback Tom Brady, die Rams wegen der grossen Rivalität zu den Seattle Seahawks, meinem Lieblingsteam. Die Seahawks schafften es in dieser Saison immerhin in die Playoffs. In der Wildcard Round – vergleichbar mit dem Achtelfinal – war aber Schluss. Seither ist es mir eigentlich gleichgültig, welches Team die Lombardi Trophy nach Hause bringt. Sprich: Der Super Bowl ist aus meiner Sicht gar nicht mehr spannend.

Vor sieben Jahren war das noch ganz anders. Als Football-Jungfer setzte ich zur Freinacht an, um mir den Super Bowl zwischen den New York Giants und den New England Patriots (genau, schon wieder die) anzuschauen. Von den Regeln hatte ich damals noch keinen blassen Schimmer und freute mich deshalb vor allem auf die berühmte Halftime-Show. Im Nachhinein erinnere ich mich aber vor allem an das Spiel. Die beiden Teams lieferten sich bis zum Ende einen erbitterten Kampf. Und mir wurde klar: Das ist ein geiler Sport.

Deshalb mein Appell an Neulinge: Nehmt euch am Montag frei und schaut euch den Super Bowl an. Klar steckt viel Kommerz im Event, aber diese menschlichen Maschinen mal live zu beobachten, schadet überhaupt nicht. Die wichtigsten Regeln und Begriffe werden, gerade im deutschsprachigen Fernsehen, immer wieder erklärt.

Die NFL erlebt in Europa gerade einen riesigen Aufschwung. Bereits in dieser Saison haben mehrere Spiele in London stattgefunden. Die Liga macht sich sogar Gedanken, ein Team in die englische Hauptstadt auszulagern. Und bald könnten bereits erste Spiele in Deutschland ausgetragen werden. Da kann es nicht schaden, wenn man bereits erste Erfahrungen als Zuschauer gesammelt hat. Und mal ganz ehrlich: Kein Spiel ist aufregender als der Super Bowl.

Wer noch immer unsicher ist, ob es sich lohnt, wach zu bleiben, dem empfehle ich, auf Youtube folgendes Video zu schauen: «Super Bowl LI Highlights».

flavio.zwahlen@zuonline.ch

NEIN

Fabian Boller, Redaktor

Gehören Sie auch zu den Menschen, die das ganze Jahr keinen American Football schauen und Ende Januar plötzlich zum Fan mutieren und sich dann die Nacht um die Ohren schlagen, um sich das Endspiel der amerikanischen Profiliga anzusehen? Ich ganz sicher nicht. Ein Spiel einer Sportart, von der ich nicht den blassesten Schimmer habe, werde ich mir sicher nicht antun, auch wenn mir die Medien und der von ihnen verbreitete Super-Bowl-Hype suggerieren, dass ich den Event des Jahres verpasse, wenn ich morgens um halb eins nicht aus dem Bett husche und den TV einschalte.

Apropos Fernsehen: Das Spiel ist hierzulande ohnehin nur mit deutschem Kommentar zu sehen. Ein weiterer Grund, sich den Super Bowl zu ersparen. Wenn schon eine amerikanische Sportart anschauen, dann auch die Originalproduktion des amerikanischen Fernsehens, mit Pre-Game und Half-Time-Show und englischem Original­kommentar. Denn wenn die Amerikaner etwas können, dann ist es, Live-Übertragungen zu produzieren. Die legendären Werbespots, die in den USA extra für die Halbzeitpause des Super Bowl produziert werden, bekomme ich im Schweizer TV ebenfalls nicht zu sehen. Da schaue ich sie mir doch lieber bequem am nächsten Morgen auf Youtube an.

Für viele US-Amerikaner ist der Super Bowl eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres – und das ist auch okay so. Denn schon als Kinder spielen sie im Garten mit dem Vater Football, die Sportart hat Tradition und ist Teil des nationalen Selbstverständnisses. In der Schweiz hingegen hat kaum jemand je einen Football in der Hand gehalten und die überaus komplizierten Regeln der Sportart verstehen auch nur die wirklich eingefleischten Fans. Oder wissen Sie, was ein Intentional Grounding oder Encroachment ist? Eben.

Wirklich viel scheine ich als Super-Bowl-Abstinenzler in den letzten Jahren nicht verpasst zu haben. Ich erinnere mich lediglich an den berühmt-berüchtigten Nipplegate-Vorfall mit Janet Jackson und Justin Timberlake. Ob es sich für einen kurzen Nippel-Blitzer eines Starlets wirklich lohnt, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen, wage ich zu bezweifeln. Da komme ich am Montagmorgen lieber ausgeschlafen zur Arbeit und muss mich nicht anschliessend mit einem Schlafdefizit durch die Woche quälen. Und einen Ferientag opfere ich für ein müdes Sportereignis sicher nicht.

fabian.boller@zuonline.ch

Erstellt: 02.02.2019, 10:32 Uhr

Flavio Zwahlen

Fabian Boller

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