Pro und Kontra

Soll man den Kindern geschlechtsspezifische Spielsachen und Kleider kaufen?

Ob man Kindern geschlechtsspezifische Spielsachen und Kleider kaufen soll, sind sich Fabian Boller und Andrea Söldi uneins.

Nicht so harmlos, wie es aussieht: Spielsachen können Kindern ein Rollenbild vermitteln.

Nicht so harmlos, wie es aussieht: Spielsachen können Kindern ein Rollenbild vermitteln. Bild: Keystone

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PRO

Fabian Boller, Redaktor

Neulich beim Grossverteiler: Ich wollte mit meinem Sohn eigentlich nur eine Packung Mehl besorgen, doch vor dem Eingang türmten sich bereits wieder die Weihnachtsgeschenke. Mein Sohn zog mich am Arm zu den Regalen hin. Sein Mund blieb lange offen: Da war das neue ferngesteuerte Lego-Technics-Auto, ein Mickymaus-Cabriolet und eine überdimensionale Wasserpistole. Jedes Paket musste der Kleine in die Hand nehmen und ausgiebig inspizieren. Ein rosarotes Zauberpony aus dem «Mädchen-Regal» nahm er ebenfalls kurz unter Beschlag, da es lustige Töne von sich gab, doch schon bald stellte er es zurück ins Regal. Auf dem Heimweg weinte er dann nur noch, weil der die geliebten Autos zurücklassen musste.

Soll ich ihm nun das Zauberpony unter den Weihnachtsbaum legen, damit er nicht mit stereotypen Geschlechterbildern aufwächst? Das würde ihm die Freude an der Bescherung wohl ziemlich vermiesen. Klar: Wenn er sich für Puppen oder rosarote Plüschtiere erwärmen würde, würde ich ihm diese nicht vergönnen. Nur tut er das aber nicht.

«Soll ich meinem Sohn nun ein Zauberpony unter den Weihnachtsbaum legen?»

Hat ihn die Gesellschaft dazu gebracht, sich lieber für Autos statt für Puppen zu begeistern? Ich kann es mir bei einem Zweijährigen einfach nicht vorstellen. Seitdem er seine Umwelt richtig wahrnehmen kann, faszinieren ihn Flugzeuge, Eisenbahnen und Busse.

Ich bin absolut für die Gleichstellung von Mann und Frau. Beide Geschlechter sollen die gleichen Chancen und Rechte haben und gleich viel verdienen. Mädchen sollen Fussball spielen und Jungen mit Stricknadeln hantieren. Junge Frauen sollen Baggerführerinnen werden und junge Männer medizinische Praxisassistenten. Das ist aber nicht damit zu erreichen, indem man Jungen rosarote Mützen anzieht und Mädchen in hellblauen Strumpfhosen herumrennen lässt. Wichtiger sind erwachsene Vorbilder, die es den Kindern vormachen.

Das ändert für mich aber nichts daran, dass verschiedene Geschlechter existieren und sie sich voneinander unterscheiden. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Mit der zunehmenden Aufweichung der Geschlechtergrenzen kann ich mich nicht anfreunden. Auszublenden, dass Mädchen und Jungen verschieden sind, ist nicht ehrlich. Und am Ende sind es eben die Unterschiede zwischen Mann und Frau, welche das Leben zu einen grossen Teil interessant machen.

fabian.boller@zuonline.ch

KONTRA

Andrea Söldi, Redaktorin

Pullover mit rosa Pferdchen, Röcklein und glimmernde Mäschchen hier – Spiderman-Aufdrucke, Tiger und Jeans im Army-Style da. Auch im Jahr 2018 ist das Sortiment für Mädchen und Buben in den Läden noch streng getrennt. Auf den Packungen mit Baggern und Konstruktionsspielen sind Jungs abgebildet, auf jenen mit Puppen Mädchen. Bereits Vierjährigen wird die Botschaft unmissverständlich eingetrichtert: Mädchen sollen zart, süss und umsorgend sein, Jungen stark, zäh und intellektuell tätig.

«Anscheinend funktionieren Geschlechterklischees bei den Kunden immer noch.»

Ob Geschlechter-Rollenbilder in den Genen verankert oder angelernt sind, ist eine viel diskutierte Frage. Für unsere Vorfahren, die noch in der Höhle lebten, war eine klare Rollenverteilung ja bestimmt sinnvoll. Die von Natur aus stärkeren Männer gingen auf die Jagd, während die Frauen die Kinder aufzogen. Heutzutage ist Körperkraft in den meisten Berufen nicht mehr wichtig. Eine Maschine bedienen oder eine Computermaus hin- und herschieben kann eine Frau genauso gut wie ein Mann.

Dennoch verläuft die Berufswahl – zumindest hierzulande – immer noch stark entlang den gängigen Geschlechter-Stereotypen. Mädchen wollen Coiffeuse, Lehrerin oder Pflegefachfrau werden, während die Jungen Informatiker, Polymechaniker oder Ingenieur bevorzugen. Entsprechend den Vorbildern, die sie in unserer Arbeitswelt sehen: In den Primarschulhäusern arbeiten vorwiegend Frauen, derweil der Bau, technische Berufe sowie Kaderpositionen stark von Männern geprägt sind. Väter, die sich mehr als einen Arbeitstag um die Kinder kümmern, sind immer noch eine Seltenheit.

Auch die zahlreichen aufwendigen Programme, mit denen man Mädchen für sogenannte Mint-Berufe (Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften/Technik) begeistern will, haben wenig geändert. Kein Wunder: Wie soll sich ein Mädchen für einen technischen Beruf interessieren, wenn es kaum jemals Lego oder andere Konstruktionsspiele ausprobieren konnte? Und wie soll ein Junge, der nie eine Puppe in den Armen hielt, seine fürsorg­liche Seite entdecken?

Dass Läden bei ihrem Angebot vor allem das gute Geschäft im Auge haben, ist nachvollziehbar. Anscheinend funktio­nieren Geschlechterklischees bei den Kunden immer noch am besten. Wir als Eltern, Grosseltern, Gotten und Göttis sollten uns aber einige Gedanken machen, wenn wir für Kinder einkaufen.

andrea.soeldi@zuonline.ch

Erstellt: 24.11.2018, 11:22 Uhr

Andrea Söldi
«Bei den Höhlenbewohnern war die Rollenverteilung sinnvoll»

Fabian Boller
«Die Geschlechter unterscheiden sich – und das ist gut so»

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