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Zügeln trotz Lockdown

In der Kolumne «Zugespitzt» greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Es ist bereits mein neuntes Mal. Neunmal, also etwa alle drei Jahre, durfte ich bisher meinen Wohnort wechseln. Einmal kam ich in ein neues Land, ein anderes Mal war es die erste WG. Vor zwei Jahren zog ich sogar wieder in eine alte Wohnung zurück. Mit jedem Wohnungswechsel assoziiere ich einen prägnanten Moment in meinem Leben. Mein neuester Umzug in die gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin schlägt jedoch alles.

Alle Umzüge haben etwas gemeinsam: Sie verursachen viel Arbeit, Stress und Ärger. Angefangen hat es mit der Übergabe. Schnell merkten wir, dass gute Vormieter noch wichtiger sind als gute Nachbarn. Die Wände mussten gestrichen, der Parkettboden erneuert, Kleinigkeiten ersetzt werden. Leider ist es immer üblicher geworden, dass Verwaltungen eine fliegende Übergabe wollen. Die Mängel können dann behoben werden, wenn die Nachmieter bereits eingezogen sind und brav Miete zahlen. Auch wenn eine Mietreduktion verlangt wird, ist das immer noch günstiger.

Weil wir uns Zeit nehmen wollten, war unser Zügeltermin auf Ende Februar angesetzt, einen ganzen Monat vor dem offiziellen. Die wichtigsten Möbel hatten wir seit Wochen bestellt. Dass wir nun umziehen müssen, während die ganze Schweiz wegen des Coronavirus stillsteht – damit hatten wir nicht gerechnet. Glücklicherweise können wir weiterhin unsere Miete bezahlen. Viele Privatpersonen, aber auch Geschäftsmieterinnen und -mieter können das leider nicht. Erst neulich sassen Vertretungen des Mieterinnen- und Mieterverbandes mit den Bundesbehörden an einen Tisch, um Lösungen zu finden.

Für uns bedeutet es erst einmal, dass wir nur das Notwendigste kaufen können. Jeremias Gotthelf soll einst gesagt haben, das Haus (oder eben die Wohnung) sei der Spiegel des Selbst. Nach diesem Aphorismus wären wir also leer, kahl und etwas angeschlagen. Unsere Sofas sind der Grenzschliessung noch entkommen. Unser Esstisch hatte nicht so viel Glück und steckt jetzt irgendwo zwischen der Schweiz und Slowenien fest. Selbst wenn wir Hamsterkäufe tätigen wollten, wir müssten die Nahrungsmittel in Kartonschachteln verstauen.

Etwas Gutes können wir dem Ganzen trotzdem abgewinnen: Wir können uns nun gut überlegen, was wir tatsächlich brauchen und wollen. Dass die 12 Papiertaschen voller Bücher überlebenswichtig für meine Freundin sind, stelle ich nicht zur Debatte.

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