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Brasilien«Militärintervention mit Bolsonaro an der Macht»

Am Sonntag sind Anhänger der brasilianischen Regierung auf die Strasse gegangen und haben das Eingreifen der Streitkräfte gefordert.

«Jeder hat sich dem Willen des brasilianischen Volkes zu unterwerfen.» Jair Bolsonaro liess sich von seinen Unterstützern in der Hauptstadt feiern. (19. April 2020)
«Jeder hat sich dem Willen des brasilianischen Volkes zu unterwerfen.» Jair Bolsonaro liess sich von seinen Unterstützern in der Hauptstadt feiern. (19. April 2020)
epa/Joedson Alves
Die Anhänger Bolsonaros fordern das Eingreifen des Militärs.
Die Anhänger Bolsonaros fordern das Eingreifen des Militärs.
epa/Joedson Alves
Unterdessen werden Gräber für die Opfer der Corona-Pandemie ausgehoben. (18. April 2020)
Unterdessen werden Gräber für die Opfer der Corona-Pandemie ausgehoben. (18. April 2020)
epa/Fernando Bizerra jr
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Im Konflikt um den richtigen Umgang mit dem Coronavirus demonstrierten in Brasilien zahlreiche Regierungsanhänger. Die Proteste am Sonntag in der Hauptstadt Brasília richteten sich gegen die von mehreren Provinzgouverneuren verhängten Ausgangsbeschränkungen und Ladenschliessungen zur Eindämmung der Pandemie. «Jeder in Brasilien muss verstehen, dass er sich dem Willen des brasilianischen Volkes zu unterwerfen hat», rief der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro seinen Anhängern von der Ladefläche eines Geländewagens aus zu.

Die Demonstranten schwenkten vor dem Hauptquartier der Streitkräfte brasilianische Nationalflaggen, auf einem Transparent war zu lesen: «Militärintervention mit Bolsonaro an der Macht». Sie skandierten: «Schliesst den Kongress» und «Schliesst den Obersten Gerichtshof» und forderten die Reaktivierung des Dekrets AI-5, mit dem während der Militärdiktatur (1964-1985) Regimegegner und oppositionelle Abgeordnete unterdrückt wurden.

Demokratie auf dem Spiel

«Ich bin hier, weil ich an euch glaube», rief Bolsonaro seinen Anhängern zu. «Ihr seid hier, weil ihr an Brasilien glaubt.» Er versicherte den Demonstranten, er werde alles dafür tun, um die Demokratie und die Freiheit zu verteidigen.

Der Ex-Militär hat das Coronavirus immer wieder als «leichte Grippe» bezeichnet und sich gegen eine Einschränkung des öffentlichen Lebens ausgesprochen. Bolsonaro fürchtet vor allem, dass der Lockdown der brasilianischen Volkswirtschaft schaden könnte.

Die Proteste und der Auftritt des Regierungschefs lösten allerdings auch Kritik aus. «Der Präsident hat den Rubikon überschritten. Das Schicksal der brasilianischen Demokratie steht auf dem Spiel. Es ist an der Zeit, dass sich die Demokraten vereinen und ihre Meinungsverschiedenheiten überwinden im Namen der Freiheit», schrieb der Vorsitzende der Anwaltskammer, Felipe Santa Cruz auf Twitter.

Der Richter am Obersten Gerichtshof, Luís Roberto Barroso, schrieb: «Er ist erschreckend, nach 30 Jahren Demokratie wieder Demonstrationen für die Rückkehr des Militärregimes zu sehen. Die Vereidigung der Demokratie und der Institutionen ist Teil meiner Aufgabe und meine Pflicht.»

Entsetzen im Parlament

Wegen Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Umgang mit der Coronavirus-Pandemie hatte Bolsonaro zuletzt seinen Gesundheitsminister entlassen. Auch mit den Gouverneuren der wichtigen Bundesstaaten Rio de Janeiro und São Paulo sowie mit Parlamentspräsident Rodrigo Maia geriet er aneinander. Selbst bei den zahlreich im Kabinett vertretenen Militärs wie Vizepräsident General Hamilton Mourão sorgte Bolsonaro mit seinem laxen Ansatz für Entsetzen.

In dem grössten Land Lateinamerikas haben sich bislang 37'437 Menschen nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, 2388 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. In den Ballungsräumen geraten die Kliniken zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. (sda)

40 Kommentare
    Claire Deneuve

    Was bei den brasilianischen Coronawerten sonst noch sehr auffällig ist: Von den angeblich noch 14'911 aktiven Fällen sind 7'919 oder satte 53% kritisch, während dies im globalen Schnitt gerade mal 3% aller Fälle solche sind!!!

    Hinter den USA mit 13'576 kritischen Fällen haben die Brasilianer am zweitmeisten noch vor Spanien.

    Das ist doch ein weiteres Indiz, dass da eine massive Dunkelziffer vorhanden sein muss.