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Analyse zu StreaminganbieternMusik wird zum Nebenherprodukt

Die grossen Techkonzerne setzen auf eigene Streamingdienste für Musik. Was bedeutet das für uns Konsumentinnen und Konsumenten?

Mit einem Klick (fast) alle Musik der Welt.
Mit einem Klick (fast) alle Musik der Welt.
Foto: Keystone

Apple Music, Huawei Music, Amazon Music, Google Play Music: Die Liste der Musik-Streamingdienste liest sich wie das Branchenbuch der grössten Techkonzerne. Allesamt haben sie Musik als Einnahmequelle und Kundenbindungstrick für sich entdeckt. Dass ein paar prominente Namen fehlen, liegt einzig daran, dass die ihre eigenen Dienste bereits wieder eingestellt haben. Erinnert sich noch jemand an Milk Music von Samsung oder Groove Music von Microsoft?

Dass die ersten Konzerne bereits eingesehen haben, dass Musik dann doch nicht zu ihren anderen Angeboten passt, ändern nichts daran, dass Musik immer mehr zu einem Service unter vielen wird. Abgesehen von spezialisierten Diensten – allen voran Branchen-Primus Spotify, aber auch Deezer oder Tidal, die sich ganz auf Audio-Streaming konzentrieren – nutzen die grossen Konzerne Musik als Zusatzangebot.

Bei Google ist Musik gratis, wenn man das Premium-Youtube-Abo abschliesst, bei Amazon gibt es Rabatt, wenn man beim Kundenbindungsprogramm Prime mitmacht, und bei Apple gibt es immer wieder Gerüchte, dass der Konzern an einem Mega-Abo mit Musik, Video, Spielen, News und anderen Dienstleistungen arbeitet.

Alle Anbieter werben mit um die 50 Millionen Songs.

Die Angebote der Konzerne ähneln sich. Alle Anbieter werben mit um die 50 Millionen Songs. Auch die Preise sind erstaunlicherweise auf gleichem Niveau: Das Basis-Abo (ohne Rabatte und Inklusive-Angebote) kostet jeweils 13 Franken. Die Unterschiede sind minim: Je nachdem, welche Musikkataloge sich ein Dienst von den Musiklabels gekauft hat, gibt es teilweise Alben nicht oder eben schon. Wer aber (wie die grosse Mehrheit) einfach nur etwas Musik hören möchte und nicht ganz spezifische Ansprüche hat oder immer das Neuste sofort will, findet bei allen Diensten mehr als genug Musik.

Das macht die Dienste austauschbar wie Angebote für Cloud-Speicherplatz. Wer von Spotify zu Apple Music wechseln will oder umgekehrt, kann das ohne einschneidende Einbussen tun. Man kann dank spezialisierter Dienste (hier vorgestellt) auch seine persönlichen Playlisten mitnehmen. Diese Austauschbarkeit ist gut für Konsumentinnen und Konsumenten.

Spotify setzt auf exklusive Inhalte

Ein Abo reicht völlig, denn alle bieten alles. Ganz anders als bei den Videos – da gibt es über die unterschiedlichen Plattformen keine vergleichbar umfassenden Kataloge wie bei der Musik. Manche Filme und Serien sind nur auf Netflix, andere bei Apple TV+ und wieder andere nur bei Disney+. Bei den Musik-Streamingdiensten gibt es zwar hin und wieder Bestrebungen, die Konkurrenz mit Exklusivdeals zu übertrumpfen, aber meist taucht ein exklusives Album dann früher oder später doch bei der Konkurrenz auf.

Derzeit nimmt Spotify einen neuen Anlauf, sich mit Exklusivitäten aus der Masse an Streamingdiensten abzuheben. Doch statt auf Musik setzt der Branchenprimus auf Podcasts. Mit Millionenbudgets ködert Spotify prominente Podcasterinnen und Podcaster, ihre Sendungen exklusiv über Spotify zu vertreiben.

Dass ausgerechnet Spotify so viel Aufwand betreibt, ist keine Überraschung. Anders als Apple, Google, Amazon und Co. hat der Streamingdienst keine anderen Einkünfte. Keinem anderen Dienst ist daher so viel daran gelegen, dafür zu sorgen, dass Musik und andere Audioinhalte nicht zum Nebenherprodukt verkommen.