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Neue Strategie wegen CoronaHelvetic Airways macht jetzt auf spontan

Keine Entlassungen, grössere Flugzeuge und ein Produkt namens Pop-Up. So will Helvetic auf Corona reagieren.

Eine neue Destination von Helvetic Airways ist das Städtchen Tivat in Montenegro.
Eine neue Destination von Helvetic Airways ist das Städtchen Tivat in Montenegro.
Foto: Helvetic Airways

Den Grossteil ihrer derzeit 13 Flugzeuge am Boden, das Personal in Kurzarbeit – und die potenziellen Passagiere grundsätzlich buchungsscheu. Vor diesem Hintergrund hat die Helvetic Airways nun die sogenannten Pop-Up-Flights entworfen, ein etwas unkonventionelles Last-Minute-Modell, das sie gestern den Medien erörtert hat. Dabei handelt es sich um eine der Massnahmen, die die Airline unter dem Stichwort «Self Help» subsumiert.

Die Idee dahinter: Für ungewöhnliche Destinationen wird, beschränkt auf ein einzelnes, fixes Reisedatum, ein Paket aus Flug und Luxushotel geschnürt, das dann über Werbekampagnen, Social Media und über die Tourismuspartner vermarktet wird – ein Angebot, das eben kurzfristig «aufpoppt». Das erste Paket: die montenegrinische Küstenstadt Tivat, vom 24. bis zum 26. Juli. Die Insel Brač (Kroatien) gibts vom 27. bis zum 30. Juli. Jeder Flug ist auch allein buchbar.

«Wir entlassen niemanden»

«Wir haben festgestellt, dass sich das Kundenbedürfnis grundsätzlich verändert hat», sagte Helvetic-CEO Tobias Pogorevc. «Kaum jemand hat jetzt für Oktober schon Reisen gebucht. Stattdessen bucht man extrem kurzfristig, wartet bis zum Schluss, weil sich allenfalls Einreisebestimmungen oder sonstige Restriktionen noch ändern können.» Mit dem Modell Pop-Up will sich die Fluggesellschaft dieser gesteigerten Flexibilitätsidee anpassen, quasi so spontan werden wie ihre potenziellen Kunden.

Ob das Konzept aufgeht, wird sich erst weisen müssen. «Ich denke, wir decken im besten Fall unsere Kosten damit», schätzte Helvetic-Eigentümer Martin Ebner, man dürfe dabei aber die indirekten Kosten nicht vergessen. «Die Motivation der Mitarbeitenden kann man auch quantifizieren. Und wir haben intern versichern können, dass wir niemanden entlassen werden.» Mit dem Lancieren eines neuen Produkts zeige man auch, dass man etwas unternehme für die Belegschaft.

Das Angebot an eigenen Produkten wird bei Helvetic Airways indes auch weiterhin nur ein Teil des Geschäfts ausmachen. Das strategische Hauptziel bleibe es, so führte Ebner aus, «der Wet-Lease-Anbieter Nummer eins in Europa zu werden». Beim Wet-Lease (etwa «Feucht-Miete») stellt eine Fluggesellschaft ein Flugzeug samt Besatzung einer anderen Airline für deren Linienverbindungen zur Verfügung. Einen entsprechenden Vertrag hat die Helvetic seit Jahren mit der Swiss, der acht der aktuell 13 Maschinen bindet. Ab August werde man wieder Swiss-Flüge durchführen, sagte Pogorevc.

Grössere Flieger geordert

Gleichzeitig würde Helvetic gerne andere europäische Fluggesellschaften für ihr Wet-Lease-Geschäft gewinnen. «Und der Druck auf die grossen Airlines, von diesem Angebot Gebrauch zu machen, der steigt», sagte Martin Ebner. Gerade weil diese aufgrund von Staatshilfen kaum in der Lage seien, in den nächsten Jahren gross in neues (und weil effizienteres auch betriebsgünstigeres) Fluggerät zu investieren.

Genau das habe Helvetic mit der Anschaffung neuer Embraer-Regionalflugzeuge gemacht. Seit Oktober wurden fünf der insgesamt zwölf bestellten E190-E2-Flugzeuge eingeflottet. Für November, Januar und Februar werden drei weitere Maschinen in Zürich erwartet. Wie Pogorevc nun bekannt gab, sind die vier letzten Bestellungen in solche des grösseren Modells Embraer E195-E2 umgewandelt worden, das eine Kapazität von 134 Passagieren hat – gegenüber 110 bei der E190.

Die Embraer E190-E2 und E195-E2 werden künftig die komplette Flotte der Helvetic Airways ausmachen.
Die Embraer E190-E2 und E195-E2 werden künftig die komplette Flotte der Helvetic Airways ausmachen.
Helvetic Airways

Die Zielgrösse der Flotte liegt bei 13 Maschinen, die älteren Embraer (E1) scheiden aus der Flotte aus. Weil die neuen Flieger über eine höhere Reichweite verfügten, erschlössen sich für Helvetic auch neue Märkte, sagte der CEO. Denkbar seien dabei etwa Nordafrika und der Mittlere Osten. Konkrete Destinationen nannte er keine.