Zum Hauptinhalt springen

Neues Drama im Fall Flaach: Mutter tot aufgefunden

Die angeschuldigte Mutter im Kindstötungsfall von Flaach ist heute tot in ihrer Gefängniszelle entdeckt worden. Als Todesursache wird Suizid vermutet.

In diesem Wohnhaus in Flaach kam es am Neujahrstag 2015 zur Familientragödie.
In diesem Wohnhaus in Flaach kam es am Neujahrstag 2015 zur Familientragödie.
Donato Caspari

Die Frau, die am Neujahrstag 2015 in Flaach ZH ihre beiden Kleinkinder getötet haben soll, ist tot. Sie wurde am Freitagmittag im Gefängnis Zürich aufgefunden, wie die Zürcher Direktion der Justiz und des Innern mitteilte.

Als Todesursache steht Suizid im Vordergrund, wie es in der Mitteilung hiess. Die Tote wurde am Mittag entdeckt. Wie üblich bei aussergewöhnlichen Todesfällen leitete die zuständige Staatsanwaltschaft eine Untersuchung ein und ordnete eine Obduktion an. Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren können die Behörden keine weiteren Angaben machen, wie es in der Mitteilung heisst.

Der fünfjährige Bub und das zweijährige Mädchen waren am Neujahrstag mutmasslich von ihrer 27-jährigen Mutter in der Familienwohnung erstickt worden. Die Frau alarmierte selbst die Polizei. Der Vater war am Tattag nicht anwesend: Er sass wegen Vermögensdelikten im Gefängnis.

Das zweifache Tötungsdelikt war trauriger Höhepunkt eines Konflikts der Familie mit der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Diese hatte die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim verfügt, nachdem die Eltern wegen Betrugsverdachts Anfang November verhaftet worden und ausserdem Gefährdungsmeldungen bezüglich der Kinder eingegangen waren.

Auch nach der Entlassung der Mutter aus der Haft einige Tage nach der Festnahme sollten die Kinder im Heim bleiben, bis alle nötigen Abklärungen getätigt sein würden. Über die Feiertage durften sie zwei Wochen bei der Mutter verbringen, hätten aber Anfang Jahr wieder zurückgebracht werden sollen.

Das tragische Ereignis stiess eine öffentliche Aggressionslawine gegen die KESB los - bis hin zu Morddrohungen gegen Mitarbeitende. Die professionelle Behörde hatte Anfang 2013 die vorher zuständigen Vormundschaftsbehörden abgelöst, in denen Laien tätig waren.

War diesen früher unprofessionelles Handeln vorgeworfen worden, so hiess es jetzt, die Profis seien kalte «Schreibtischtäter», fern von den Menschen, mit denen sie zu tun hätten.

Politische Diskussion

Auch die Politik befasste sich mit dem Fall. Das Zürcher Kantonsparlament lehnte eine gesetzliche Grundlage für einen KESB-Pikettdienst ab, wie Grüne und CSP verlangt hatten. Die Geschäftsprüfungskommission bescheinigte den KESB generell gute Arbeit mit verbesserungswürdiger Kommunikation.

Die Direktion der Justiz und des Innern erklärte nach einer Überprüfung, die KESB Winterthur-Andelfingen habe im konkreten Fall «nachvollziehbar und vertretbar» gehandelt.

Bis heute hat sich der Sturm der Empörung nicht gelegt. Wo immer in der Schweiz ein trauriger Fall publik wird - wie dieser Tage im Kanton St. Gallen - hagelt es Vorwürfe gegen die KESB. Entweder wird ihr vorgeworfen, sie habe unnötig gehandelt, oder, sie habe fälschlicherweise nicht gehandelt.

SDA/dab

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch