Dänikon

Amerika ist mehr als «Trumpistan»

Arthur Honegger ist bekannt als Moderator der Nachrichtensendung 10 vor 10 und langjähriger Korrespondent beim Schweizer Fernsehen. Als Amerika-Kenner berichtete er in Dänikon von seinen USA-Erfahrungen.

Arthur Honegger liess die Besucher seines Referates an seinen Amerikaerfahrungen teilhaben und überzeugte mit seiner lockeren Art.

Arthur Honegger liess die Besucher seines Referates an seinen Amerikaerfahrungen teilhaben und überzeugte mit seiner lockeren Art. Bild: Sibylle Meier

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Amerika ist überall. Das verdeutlicht Moderator, Journalist und Buchautor Arthur Honegger gleich zu Beginn seines Vortrages in Dänikon. Kaum eine Innovation, die nicht ihren Anfang in den USA genommen hat. Alle kennen amerikanische Filme, amerikanische Konsumgüter und viele sind schon einmal in die USA gereist, wie sich bei einer Fragerunde unter den Anwesenden im rappelvollen Saal herausstellt.

So viel mehr, als in den Schlagzeilen zu lesen ist

«In den Medien ist immer viel zu lesen überdie USA. Worüber berichtet wird, ist meist das Aussergewöhnliche, sind die Katastrophen. Aber das ist nicht das ganze Land», erklärt Honegger die Motivation für seine Referate. Seit seiner Rückkehr als USA-Korrespondent fürs Schweizer Fernsehen in die Heimat hat er zwei Bücher publiziert: «Abc4USA – Amerika verstehen» mit 300 Kolumnen sowie einen Fotoband zusammen mit seiner Frau Henna «Ach, Amiland».

Damit möchte er seine Erfahrungen, Eindrücke und Analysen der amerikanischen Gesellschaft teilen: «In 10 vor 10 bleibt da kaum Platz. Deshalb nutze ich meine Referate und Twitter, um Hintergrundinformationen zu liefern.»

Schwärmen für Elvis, nicht für Trump

In seinen Amerika-Jahren konnte er sich ein differenziertes Bild von Land und Leuten machen. Und er hat die USA lieben gelernt. «Mir gefällt die Leichtigkeit der Amerikaner», sagt Honegger. Er wohnte an verschiedenen Orten in den USA und war geographisch wie auch gesellschaftlich überall unterwegs. Er erzählt vom Zufallsfund einer alten Zeitung in Tennessee, die einen Tag nach dem Tod von Elvis erschienen war.

Er berichtet vom amerikanischen Traum, vom Selbstverständnis der Amerikaner, diesem unbändigen Glauben an die eigene Einzigartigkeit. Davon, wie es ihn gefreut habe, als ihn ein Wildfremder in einer Warteschlange am Flughafen auf sein Tattoo am Oberarm ansprach. Beim Erzählen strahlt er heute noch wie ein Honigkuchenpferd. Und man merkt ihm die Betroffenheit an, wenn er über die Berichterstattung nach einem Massaker auf einem Schulgelände mit 6- bis 10-jährigen Kindern spricht.

Geduldig beantwortet er Fragen zu Präsident Trump und wie er diese oder jene Situation einschätzt, zu Waffen, Nordkorea, zur Infrastruktur. Er schwärmt für Elvis, macht keinen Hehl daraus, dass Trump nicht auf seiner Favoritenliste steht. «Aber Trump ist nicht Amerika. Amerika ist nicht Trumpistan. Trotzdem ist es die Aufgabe eines Journalisten, Zusammenhänge herzustellen, Geschehnisse einzuordnen. Der Schaden durch die Unberechenbarkeit von Donald Trump und seinen ‹Wortsalaten› ist bereits angerichtet. Es wäre wie in des Kaisers neue Kleider, wenn ich nicht aussprechen würde, was Tatsache ist.»

Amerika liefert auch in Zukunft Stoff für Bücher

Das Ansehen der USA hat ein Rekordtief erreicht. In einer Gallup-Umfrage in 134 Ländern befürworten nur noch 30 Prozent der Befragten eine weltweite US-Führungsrolle.Arthur Honegger wünscht sich in der Politik mehr Ernsthaftigkeit und weniger Show. Seine Aussagen untermauert er mit vielen Detailkenntnissen und Informationen, aber auch erfrischend mit viel Leichtigkeit, und Humor.

Eigentlich genauso wie er am Bildschirm rüberkommt und woran sich die Schweizer erst gewöhnen mussten. Pragmatisch stellt er fest, wie die Verhältnisse in den USA sind. Und dass immer noch sehr viele Menschen hinter Trump als Präsdient stehen. Seine Vortragszeit überzieht er locker um mehr als eine halbe Stunde. «Vielleicht schreib ich noch ein drittes Buch. Aber im Moment hab ich leider keine Zeit dazu», meint Honegger. Alleine über Trump wüsste er viel zu berichten, wie sich gezeigt hat.

Erstellt: 15.03.2018, 17:37 Uhr

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