Bülach

Bestens strukturierte Abenteuerin mitten im Leben

Kein Wasser zu wild, kein Wind zu stürmisch. Mit nordischer Gelassenheit ist ZU-Korrespondentin Martina Kleinsorg bisher immer glücklich gelandet – wenn auch einmal, fatalerweise, auf nur einem Bein.

Der vierjährige Goldendoodle Jojo begleitet Martina Kleinsorg beim täglichen Jogging.

Der vierjährige Goldendoodle Jojo begleitet Martina Kleinsorg beim täglichen Jogging. Bild: Beatrix Bächtold

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Ob sie noch einen Traum habe? Martina Kleinsorg schüttelt den Kopf. «Ich habe die Welt gesehen und tolle Sachen gemacht. Ich will nur noch schreiben und joggen, so lange Kopf und Beine mich tragen», sagt die Bülacherin und platzt dann fast vor Lachen über dieses Wortspiel. Jetzt wirkt diese Frau herzlich warm, ausgelassen laut und unglaublich leidenschaftlich. Dann kehrt sie wieder ein bisschen zurück zu ihrer Kernkompetenz: Noble, nordische Kühle. Martina Kleinsorg kommt in Wedel an der Unterelbe, eine halbe Autostunde von Hamburg entfernt, auf die Welt. Jeder Containerriese, jedes Traumschiff, ja sogar ihre Atlantik-Majestät «Queen Mary 2» persönlich, zieht erst einmal an Wedel vorbei, bevor es via Deutsche Bucht in die Welt hinaus geht. Das zur Ausgangslage.

Auf dem Wasser…

Rein sportlich gesehen hat Martina Kleinsorg viel ausprobiert, obwohl Schwerkraft und Wind offensichtlich etwas dagegen hatten. Als Primarschülerin endet der erste Reitversuch mit einem Schlüsselbeinbruch. Zwei Jahre später nimmt das Mädchen Kurs auf den Segelschein. Wie stolz muss ihr Vater Peter Siemens, Seelotse und Kapitän auf grosser Fahrt, darauf gewesen sein. Eines Tages dann die Ernüchterung. «Meine Eltern standen am Steg, in Erwartung meines Wendemanövers. Der Wind kam, ich holte im unpassenden Moment das Segel dicht. Mein Bötchen kenterte, schüttete mich aus, ich ging baden und musste aus der Kieler Förde gerettet werden», erzählt sie.

…und in der Luft …

Mit 16 Jahren fängt Martina mit dem Segelfliegen an. Die Winde zieht sie mehr als einmal auf vierhundert Meter Höhe. Mit 19 Jahren wagt sie einen Fallschirmsprung. «Endlich durfte ich das Rettungsgerät austesten, welches ich ja auf jedem Flug am Rücken trug». Der Absprung aus 900 Meter Höhe ist kein Problem. Man hüpft, der Schirm geht automatisch auf. Und dann zeigt Martina Kleinsorg ein Foto, das ihr Vater kurz nach ihrer Bodenberührung geknipst hat. «Hier liege ich im Krankenwagen. Bei der Theorie sind wir immer vom Hocker gesprungen. Man hat uns eingebläut, auf beiden Beinen zu landen. In der Praxis hat das bei mir nicht funktioniert. Sprunggelenk gebrochen.»

Mit ihrem Vater Peter eroberte Martina Kleinsorg den Luftraum Europas. Mit im Gepäck hatten die beiden Klapprad und Zelte – und auf der Heimreise ein Kätzchen. Bilder: zvg

Als 19-Jährige wagte sie einen Fallschirmsprung – mit Folgen …

Bald darauf animiert Vater Peter seine Tochter zu neuen Höhenflügen. «Er hatte sich gerade in Haltergemeinschaft eine einmotorige Cessna gekauft und gesagt: Mach doch auch noch den Motor-Flugschein, dann könnten wir zusammen los.» Und das haben die beiden dann auch getan. Mit Zelt und Klappfahrrädern im «Kofferraum» erobert das Duo den Luftraum Europas. Vater und Tochter über den Wolken. Zwei wie Pech und Schwefel. Wie muss das herrlich gewesen sein.

…geschüttelt und gerührt

Doch auch hier gings nicht ohne dramatische Szenen. «Einmal haben die Meteorologen gestreikt und wir sind nichtsahnend mit dem Mistral das Rhonetal hochgeflogen. Das hat ordentlich geschüttelt», sagt sie. Vor dem französischen Pierrelatte dann das nächste Abenteuer. «Der Windsack drehte sich bei der Landung dauernd. Beim ersten Landeversuch bin ich mit dem Wind über den kleinen Platz geschossen, musste durchstarten und konnte erst beim zweiten Anflug sicher aufsetzen.» Auf dem Flugplatz Aachen stossen Vater und Tochter auf ein ausgesetztes Katzenkind. «Wir waren so gerührt und haben Fritzi adoptiert, in ein Körbchen gepackt und als Passagier mit nach Hause genommen.» Dass Martina Kleinsorg auch Motorrad, Katamaran und Mountainbike im Griff und beim Tauchen grosse Fische getroffen hat, verkümmert hier zur Randbemerkung. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.07.2016, 16:51 Uhr

Der «Korri» in Kürze

«Mit dem Schreiben kann ich über den Tellerrand schauen»

Wer bin ich: Ich heisse Martina Kleinsorg, bin 51 alt und Inhaberin von «Kleinsorg Kreativ Konzept» Webdesign und Text. Meinen Mann Christoph zog es vor 15 Jahren beruflich in die Schweiz, ich folgte ihm und empfand den Szenenwechsel positiv als «Entschleunigung». Das Meer vermisse ich nicht, das Unterland ist viel zu reizvoll. Ich spreche zwar Hochdeutsch, verstehe aber die Mundart. Meine Töchter Franziska (15) und Pauline (13) sind mein ganzer Stolz. Der vierjährige Goldendoodle Jojo, eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel begleitet mich beim täglichen Jogging.

Wieso ich für den ZU schreibe: Vor zwei Jahren habe ich den ersten Probeauftrag beim «Zürcher Unterländer» gemeistert und bin seither als freie Mitarbeiterin ungefähr zwei Mal pro Woche auf Achse. Auch wenn ich den ZU damals noch nicht abonniert habe, hat mich der Aufruf, aus der Region für die Region zu berichten, sofort angesprochen. Durch das Leben mit Kindern und Familie habe ich in den letzten Jahren schon viele Menschen und Themen kennengelernt. Jetzt noch ein wenig über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und dies mit meiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu verbinden, macht mir grosse Freude, schliesslich lese ich den Regionalteil jetzt jeden Tag zuerst. Mein schönster Auftrag: Mir gefällt grundsätzlich jeder Auftrag, bei dem ich spannende neue oder bereits bekannte Menschen treffe und die Themenwelt des Unterlands kennenlerne.

Mein schlimmster Auftrag: Ein Anlass wurde zuerst wegen Schlechtwetter abgesagt, fand dann aber trotzdem statt. Ich erfuhr das, als ich privat unterwegs war. Als rasende Reporterin düste ich sofort los, ohne Schreibblock, und kam natürlich auch zu spät. Das war für mich eine Herausforderung, denn ich liebe es, gut vorbereitet zu arbeiten. Schreiben ist ein Handwerk. Einem Bäcker müssen seine Brötchen schliesslich auch schmecken. Mein Ziel ist es, dass es Spass macht, meinen Artikel zu lesen. Und es den Leser fast reut, dass er nicht selbst an dieser Veranstaltung war. (beb)

Sommerserie

Im Rahmen seiner Sommerserie richtet der ZU das Scheinwerferlicht für einmal auf die freien Mitarbeitenden, die von der Redaktion «Korrespondenten», kurz «Korris», genannt werden. Der Leser erfährt also in loser Folge mehr über diejenigen Journalisten , die nicht in der Redaktion arbeiten, sondern von zu Hause aus Aufträge annehmen – und in der Zeitung bloss Namen ohne Gesicht sind, obwohl sie oft seit Jahrzehnten mit Block und Stift im Unterland unterwegs sind. Jeder Korri wird von einem anderen Korri porträtiert und fotografiert. (red)

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