Oktoberfest

Bierfest-Trend schafft Stimmung - und Jobs

Oktoberfeste haben die Region erobert: vom urbanen Glattpark über den Bauernhof bis zum Altersheim. Und in Wallisellen schafft der urige Boom gar neue Jobs.

Wo Bier fliesst und die «Musi» spielt, ist Gaudi angesagt. In der Stadthalle Bülach (hier 2017) gibts heuer aber kein Oktoberfest mehr.  Archivfoto: Francisco Carrascosa

Wo Bier fliesst und die «Musi» spielt, ist Gaudi angesagt. In der Stadthalle Bülach (hier 2017) gibts heuer aber kein Oktoberfest mehr. Archivfoto: Francisco Carrascosa

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Kaum ein Dorf, das noch kein Oktoberfest erlebt hat. Mindestens elf Anlässe unter dem Stichwort Oktoberfest steigen heuer im Zürcher Unterland. Wobei manches Bierfest schon gelaufen ist. Denn während der Auftakt des Münchner Originals auf der Theresienwiese auf Ende September terminiert ist und die «Wiesn»-Party dort nach zwei Wochen vorbei ist, verteilen sich die zahlreichen Unterländer Kopien auf über drei Monate.

So herrscht hierzulande von Ende Juli bis Ende Oktober Gaudi à la Bavière. Quasi zum Aufwärmen vor dem Schweizer Nationalfeiertag luden heuer die Glattfelder bereits am 28. Juli zum dritten Mal zu den «Zweidler-Wiesn» mit Hendl, Brezn und Radi auf der Karte. Und auch eine Stimmungsband durfte nicht fehlen. Die kam allerdings nicht aus Bayern, sondern aus Österreich wie die meisten Bands in dieser Oktoberfestsaison im Unterland. Schon im Juli gings los

Mitte August stieg in Oberweningen ein weiteres Bierfest nach bayrisch weiss-blauem Vorbild. Mitte September dann stieg das erste von zwei Hüntwanger Oktoberfesten im Amphitheater in der ehemaligen Kiesgrube, wobei der zweite Termin am vergangenen Samstag mit dem Eröffnungstag in München zusammenfiel. «O’zapft is», hiess es vor Wochenfrist aber nicht nur in München und im Rafzerfeld, sondern auch im Glattpark. Dort in der neuen Stadt am Stadtrand von Zürich veranstaltete auch das Lokal Jacky’s sein erstes von zwei Oktoberfesten, das dieses Wochenende seine Fortsetzung findet.

Ebenfalls heute Samstag (29.9.18) gibts auch im Lokal «8304» im alten Feuerwehrgebäude von Wallisellen Weisswurst und Bier plus Brezn. Zudem findet heute Abend auch im Floor Club in Kloten so etwas wie ein Oktoberfest statt. Dort wird es sich allerdings mit einem Schuss Ballermann-Feeling vermengen, wirbt doch der Veranstalter mit «Bierkönig-Mallorca-Party meets Oktoberfest». Weiter im ähnlichen Stil gehts in den nächsten Wochen in Steinmaur auf einem Bauernhof (6.10.), in Rafz im Alters- und Pflegeheim (7.10.), am Katzensee bei Katzenrüti im Seeholzbeizli (19.-21.10.), in Bülach im Freizeitlokal Guss (20.10.) und in Rümlang auf der Eventalm (26./27.10.) mitten in der Industriezone.

3-fache Menge Dirndl für Walliseller Shop bestellt

Nicht mehr im Kalender ist das Oktoberfest in der Bülacher Stadthalle, das letztes Jahr noch als grösstes Fest seiner Art im Unterland erstmals durchgeführt wurde. Ebenfalls sang- und klanglos verschwunden ist ein anderes Oktoberfest in einer Eventhalle am Autobahnende in Bülach Nord. Doch wo immer ein Veranstalter verschwindet, ist bislang bald ein neuer aufgetaucht. Das dürfte wohl auch weiterhin so bleiben. Nebst Weisswurstabsatz und Bierschwemme per Litermass gibts aber auch eine modische Welle, die aus Bayern über die Deutschschweiz schwappt. Denn zum Oktoberfest geht manch eine und manch einer nicht mehr irgendwie bekleidet, sondern in Dirndl und Lederhosen. So schafft der Dresscode gar neue Jobs, nicht in bayrischen Nähstuben sondern in Wallisellen. Dort betreiben Renate Hänggli und Marina Helbling mitten in der Industrie mit einer ganzen Reihe Mitarbeiterinnnen und Mitarbeitern ein Spezialgeschäft für standesgemässe Oktoberfestmode – den Wiesnshop. «Wir hatten diese Woche schon drei Medienanfragen», erzählt die stellvertretende Geschäftsführerin Helbling auf den Boom angesprochen.

Selbst das Schweizer Fernsehen war im Laden und filmte einen Beitrag fürs Nachrichtenmagazin 10vor10, freut sie sich. «Es läuft jedes Jahr noch besser», sagt sie. Der Trend halte an und dabei werde sie immer wieder gefragt wie lange man diese Trachtenmode noch verkaufen könne. «Dieses Jahr mussten wir fast die dreifache Menge an Dirndln bestellen wie im letzten Jahr.» Der Laden platzt aus allen Nähten, zuweilen stehen sich die Kunden buchstäblich auf den Füssen herum.

Seit 2015 gibts den Wiesnshop mit Dirndln, Blusen, Unterröcken, Schmuck und Schuhen. Über 1000 Artikel umfasst das Sortiment. Die Preise bewegen sich zwischen etwas über 100 Franken für ein einfaches Dirndl bis gegen 400 Franken für aufwändig genähte Exemplare. Männer müssen für Lederhosen mindestens 200 Franken hinblättern und tun das offenbar auch immer öfter. Hinzu kommen Auslagen für Hemden, Trachtenvesten und Janker. Selbst für Kinder halten die findigen Unternehmerinnen passende Mode bereit. Über ein mögliches Ende des Booms sorgen sie sich derzeit kaum, im Gegenteil – man denkt an Expansion.

Heuer keinen EHC in Lederhosen

Nicht mehr auf der bierseeligen Festwelle mitschwimmen mag man – zumindest vorläufig – beim EHC Kloten. Vor zwei Jahren noch trug man für ein Spiel gegen Servette Spezialshirts im Lederhosen- und Karohemden-Look. «Das war ein richtig guter Erfolg», sagt Mike Schälchli, Marketingchef des Klubs, rückblickend. Einerseits gewann Kloten das Spiel 4 zu 1. Andererseits brachte die Aktion auch mehrere Tausend Franken zusätzliche Einnahmen, da die Leibchen allesamt gewinnbringend versteigert wurden nach dem Spiel. Die hämischen Kommentare und Kritik über den vielleicht allzu glatten Gag, wie es viele wahrnahmen, will er nicht überbewerten. Zweimal pro Jahr dürfe man schliesslich mit Spezialshirts auflaufen. Dieses Jahr wirds aber kein Oktoberfest geben in der Swiss Arena am Schluefweg. «Das wäre in der jetzigen Situation nach dem Abstieg zu früh und irgendwie unpassend», findet der Marketingchef. Stattdessen sei aktuell ein Spiel in Retro-Shirts gegen den EHC Olten geplant. Einen Lederhosen-Auftritt des EHC Klotens will Schälchli nicht für immer ausschliessen. «Nächste Saison dann vielleicht wieder», meint er.

Erstellt: 28.09.2018, 19:07 Uhr

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