Wetter

Darum gab es kein Hochwasser an der Sihl

Für den Dienstag wäre an der Sihl eigentlich Hochwasser angesagt gewesen. Passiert ist aber nichts. Grund: Die Wetterlage hat sich nicht an die Prognosen gehalten.

Der Schwemmholzrechen in Langnau blieb am Dienstagmorgen trocken – die Sihl führte entgegen der Befürchtungen kein Hochwasser.

Der Schwemmholzrechen in Langnau blieb am Dienstagmorgen trocken – die Sihl führte entgegen der Befürchtungen kein Hochwasser. Bild: Sabine Rock

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Eigentlich hätte der Schwemmholzrechen an der Sihl in Langnau am Dienstagmorgen seinen Nutzen beweisen können: Immerhin hatten die Behörden eine mässige Hochwasserwarnung für den Sihlabschnitt zwischen Adliswil und Zürich ausgerufen. Mit einer Abflussspitze von 100 bis 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rechnete beispielsweise das Vorhersagemodell des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) an der Messstation in Zürich-Sihlhölzli.

Wer aber am Dienstagmorgen einen Augenschein an der Sihl nahm, bekam eher ein Plätschern als ein Reissen zu Gesicht. Der erst im Juni 2017 fertig gestellte Schwemmholzrechen – eigentlich dazu gedacht, die weiter unten an der Sihl gelegenen Abschnitte vor Verstopfungen durch Treibgut und damit vor Hochwasser zu schützen – blieb komplett trocken. Und auch die effektiv gemessene Abflussmenge in Zürich blieb mit knapp 75 Kubikmeter pro Sekunde deutlich unter den Prognosen.

Wo war das Wasser geblieben?

Meteoschweiz hatte am Montag für den östlichen Voralpenbereich (vom Zürichsee bis an die Grenze zu Österreich) eine Warnung vor intensiven Regenfällen herausgegeben. 40 bis 70 mm innerhalb von 24 Stunden zeigten die Vorhersagemodelle. Solche Mengen sind im besagten Zeitraum statistisch etwa alle 3-10 Jahre zu erwarten. Und sie rechtfertigen durchaus auch eine Hochwasserwarnung an der Sihl.

Die «Schütte» fand im Osten statt

Diese Mengen kamen auch vom Himmel – aber eben nicht über dem Einzugsgebiet der Sihl, sondern weiter östlich. Im Linthgebiet traten zum Beispiel Flüsse über die Ufer und es kam zu Schäden wegen Überschwemmungen. Auf dem Ricken wurden innert 24 Stunden 57 mm Regen gemessen.

An den Messstationen im «Nährgebiet» der Sihl im Raum Einsiedeln regnete es hingegen «nur» zwischen 20 und knapp 40 mm. Das ist ordentlich: Aber für ein Hochwasser reicht es bei Weitem nicht aus. «Unsere Flüsse können sehr viel Wasser aufnehmen, bevor es kritisch wird», sagt dazu Wolfgang Bollack, Mediensprecher des Zürcher Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft.

Selbst die für den Dienstag befürchteten und nicht eingetretenen 100 bis 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (entspricht Gefahrenstufe 2 von 5) an der Sihl bezeichnet er als harmlos. Höchstens direkt am Ufer sei dann eine gewisse Vorsicht geboten. Kritisch – vor allem für die Stadt Zürich – werde es an der Sihl ab etwa 250 bis 300 Kubikmeter pro Sekunde.

So verteilten sich die Niederschläge in den letzten 24 Stunden. Der Schwerpunkt lag klar in der Ostschweiz – und nicht im Einzugsgebiet der Sihl. Quelle: Meteoschweiz

Heinz Maurer, Meteorologe bei Meteoschweiz betont auf Anfrage, dass die Differenz zwischen Prognose und effektiver Regenmenge in den vergangenen 24 Stunden durchaus erklärbar ist. Einerseits sei die Wetterlage der letzten 24 Stunden – eine sogenannte Vb-Lage mit einem Tiefdruckgebiet über dem Dreiländereck Tschechien, Österreich und Deutschland – relativ komplex.

Andererseits seien die Wettermodelle nicht dazu in der Lage, im Voraus präzise anzugeben, wo die Niederschläge durch eingelagerte Schauer und Gewitter verstärkt würden. Diese Herausforderung stellt sich den Meteorologen vor allem im Sommerhalbjahr. Gewitter können nämlich extrem hohe Regenmengen innerhalb kurzer Zeit bringen – und somit das Zünglein an der Waage spielen, wenn es darum geht, ob es zu Überschwemmungen kommt oder nicht. Seit Montagabend gab es denn auch Schauer und Gewitter in der Ostschweiz – aber eben nicht am Zürichsee.

Weitere Niederschläge bis am Mittwoch

Gewitter sind kleinräumige Phänomene, die im Gegensatz zur vorherrschenden Grosswetterlage mit der Position von Hochs, Tiefs und Fronten von den numerischen Modellen nur ungenau erfasst werden können. Die Meteorologen können zwar abschätzen, ob eine Wetterlage gewitterträchtig ist – sie können aber nicht sagen, wo genau ein Gewitter letztlich seine nasse «Ladung» abliefern wird.

Bis am Mittwoch erwartet Heinz Maurer nochmals etwa 20 bis 30 mm Niederschlag im Bereich des Einzugsgebietes der Sihl. Gefahr durch Hochwasser droht deswegen nicht – sofern sich die Prognose denn bewahrheitet.

Die Sihl blieb am Dienstag in ihrem vorgesehenen Bett. Der Überschwemmungsraum links blieb unbeansprucht. (zuonline.ch)

Erstellt: 21.05.2019, 13:17 Uhr

Zürichsee

Pegelstand im normalen Bereich

Wer auf dem Zürichsee regelmässig das Schiff benützt, dem dürfte es in den vergangenen Tagen aufgefallen sein: Beim Verlassen der ZSG-Schiffe geht man derzeit bergab über den Steg.

Das liegt daran, dass der Pegel des Zürichsees wegen der kräftigen Niederschläge markant angestiegen ist. Am Dienstagmittag lag er an der Messstelle Oberrieden bei 406.14 Metern. Am letzten Sonntag hatte er noch bei 405.95 Meter gelegen.

Problematisch ist das allerdings noch nicht. Die erste Hochwasser-Gefahrenstufe liegt am Zürichsee bei 406.25 Metern. Es fehlen also noch rund 10 Zentimeter, bis diese erste Schwelle erreicht ist. (mst)

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