Dänikon

Die vergessene Insel Dominica

Der Fotograf Jürg Rufer aus Dänikon hat die karibische Insel Dominica mehrfach bereist. Jetzt präsentiert er in einer Multivisionsshow die einmalige Tier- und Pflanzenwelt des tropischen Kleinstaates.

Auf der Karibikinsel Dominica wütete im vergangenen September der Hurrikan Maria. Das Bild stammt aus der Zeit vorher.

Auf der Karibikinsel Dominica wütete im vergangenen September der Hurrikan Maria. Das Bild stammt aus der Zeit vorher.

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Dänikon. Angefangen hat es mit einem Bild des Emerald Pool in einer Zeitschrift. Als er dieses Bild gesehen hatte, dachte sich der Profifotograf Jürg Rufer: «Irgendwann will ich diesen Ort einmal selbst fotografieren.» Im März 2014 reiste er erstmals nach Dominica. Seither lässt ihn die Insel nicht mehr los. Aus dem umfangreichen Bildmaterial seiner Reisen hat er jetzt eine Multivisionsshow zusammengestellt, die er im Januar erstmals der Öffentlichkeit zeigt.

Vögel ganz nah fotografiert

Die Anreise von der Schweiz nach Dominica ist aufwendig, sie dauert fast zwei Tage mit Zwischenstopps in London und Barbados. Die Insel ist touristisch auch deswegen erst wenig erschlossen. Bei der ersten Reise nahm Rufer nur eine minimale Fotoausrüstung mit. Wie sich herausstellte, genügte diese aber seinen Ansprüchen nicht. Es folgten in den kommenden Jahren weitere Reisen nach Dominica zusammen mit seiner Partnerin Esther Knecht. Der Regenwald mit seiner Fauna faszinierte beide in einer Weise, die sich wahrscheinlich nur nachvollziehen lässt, wenn man die Bilder sieht, die er nach Hause brachte.

Auf diese Aufnahme eines nur auf Dominica lebenden Papageis ist der Fotograf Jürg Rufer besonders stolz. Bisher gab es nur Aufnahmen aus grösseren Entfernungen. (Bild: pd)

52 Wasserfälle und 365 Flüsse, alle in Trinkwasserqualität, gibt es auf der Insel. Wasser muss man also nicht extra mitnehmen auf den Exkursionen. Von den zwei endemischen, menschenscheuen Papageienarten, dem Sisserou und dem Jacquot, sind Rufer jetzt offenbar weltweit einzigartige Fotos aus einer Nähe von sechs bis sieben Metern gelungen. Bisher gab es nur Aufnahmen aus viel grösserer Entfernung.

Die Natur liefert Glücksmomente

«Solche Begegnungen mit Tieren waren für uns Glücksmomente. Wir waren beide schon immer extrem an der Tierwelt interessiert. Und meine Partnerin Esther hatte immer schon einen speziellen Draht zu Tieren», sagt Rufer. Selbst Einheimische seien den Vögeln bisher nicht so nahe gekommen und konnten es kaum glauben. Auch zwei Wasserfälle konnte Rufer erstmals fotografisch dokumentieren: «Für eine Strecke von einem Kilometer Luftlinie waren wir den ganzen Tag unterwegs und hatten lediglich 30 Minuten Zeit zum Fotografieren. Beim Marsch durch den lehmigen Urwald ging es zwei Schritte vor, einen zurück.»

Im Sommer 2017 zogen früher als sonst Hurrikane durch die Region. In der Nacht vom 18. auf den 19. September zog der Hurrikan Maria über die Region und traf die Insel mit einer solchen Wucht, dass praktisch 95 Prozent der Infrastruktur zerstört wurde.

Die Zerstörung hat auch für Wildtiere einschneidende Folgen: Im Sand der Rosaly Bay legen die Lederschildkröten ihre Eier ab. Der Strand ist jetzt aber übersät von Schwemmholz, sodass die Schildkröten ihre Eier nicht ablegen können. Die Menschen auf Dominica sind damit beschäftigt, ihr Leben wieder zu organisieren. Die Hilfe in der Region funktioniert nur schleppend.

Rufer plant nun, selber zu helfen: «Ich will im Mai 2018 eine kleine Gruppe von Helfern zusammenbringen. Gemeinsam möchten wir den Strand räumen, damit die Lederschildkröten wieder ihre Eier ablegen können.» Die Tiere sind bedroht durch die Hochseefischerei und den Plastikmüll im Meer. Plastik sieht im Wasser sehr ähnlich wie Quallen aus, von denen sich Lederschildkröten ausschliesslich ernähren. Die Tiere fressen darum das Plastik und verenden.

Eine gekürzte Fassung seiner Multivisionsshow will Rufer später der Regierung zur Verfügung stellen, damit in den Schulen der einheimischen Bevölkerung gezeigt werden kann, welch einzigartige Natur ihre Insel beherbergt. China hat bereits Interesse gezeigt an der Holznutzung. Das wäre verheerend für die Vegetation auf der Insel. Rufer meint: «Wir wollen den Tieren eine Stimme geben. Wir haben zwar keine eigenen Kinder. Aber ich habe Neffen und Nichten. Diese Kinder haben auch ein Recht, die Natur so vorzufinden, wie sie jetzt ist.»

Erstellt: 04.01.2018, 15:23 Uhr

Zur Person

Jürg Rufer lebt in Dänikon und ist Mitglied der Däniker Kulturkommission. Der Fotograf und Esther Knecht zeigen ihre Multivisionsshow über die Insel Dominica am Freitag, 26. Januar, um 20 Uhr im Anna Stüssi Haus in Dänikon. Der Anlass wird von der Kulturkommission durchgeführt. Tickets können unter www.daenikon.ch («Veranstaltungen») reserviert werden.

Jürg Rufer zeigt eine frisch geschlüpfte Lederschildkröte. (Bild: pd)

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