Eglisau

Eglisauer Schandfleck verschwindet bald

Ein halb zerfallenes Riegelhaus an der Hauptstrasse wird bald renoviert. Es stand jahrelang leer und ist mittlerweile denkmalgeschützt.

Die Liegenschaft Zürcherstrasse 10 macht keine gute Falle mehr. Doch das soll sich nun ändern.

Die Liegenschaft Zürcherstrasse 10 macht keine gute Falle mehr. Doch das soll sich nun ändern. Bild: Paco Carrascosa

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Wer schon von Süden her auf die Eglisauer Rheinbrücke zugefahren ist, hat das alte, heruntergekommene Haus auf der linken Strassenseite kurz vor der Kurve zur Brücke hinunter vielleicht auch schon erspäht. Seit Jahren steht das Haus mit der Adresse Zürcherstrasse 10 leer. Viele Vorbeifahrende fragen sich wohl, was es mit dem alten Haus auf sich hat.

Das heruntergekommene Haus auf der linken Strassenseite zieht Aufmerksamkeit auf sich.

Bald schon soll das Gebäude in neuem Glanz erstrahlen. Die nötigen Bewilligungen dazu liegen vor. Umso mehr lohnt sich ein Blick zurück auf die bewegte Geschichte des Gebäudes. Erbaut wurde es im Jahr 1706 und gehörte damals einem Derwis Koch. Südlich des Gebäudes stand das gemeindeeigene öffentliche Waschhaus, im Osten grenzte das Haus an eine Viehtränke. Damals ahnte noch niemand, dass dereinst eine der am stärksten befahrenen Strassen im Kanton direkt vor der Türe vorbeiführen würde.

Viele Besitzerwechsel

Über die Jahre wechselte das Haus unzählige Male den Besitzer. Genutzt wurde es als Handwerks- und als Landwirtschaftsbetrieb. 1973 entging das heute denkmalgeschützte Gebäude nur knapp einer Katastrophe als das Nachbarhaus niederbrannte. Damals war ein E. J. Rupf aus Windlach der Besitzer. Nach 1980 brachte dieser seine Sammlung historischer Kommunikations- und Unterhaltungsapparate im Gebäude unter. 2005 kaufte der «Förderverein HistoriAV» Haus und Sammlung. Der südliche Schopfanbau und das Wohnhaus im Westen wurden dabei besitzmässig abgetrennt. 2011 ging die Sammlung des Fördervereins an das Museum der Stiftung Enter in Solothurn – anschliessend kaufte Michael Müller aus Sünikon das Haus.

Die Abbildung zeigt das Haus im Jahr 1970 mit angebauter Scheune. Bild: Inventar Eglisau

Der Schreiner arbeitete ein Sanierungsprojekt aus, kam aber aus persönlichen Gründen nie dazu, es tatsächlich umzusetzen. Eine erste Baubewilligung liess er ungenutzt. 2015 nahm die Gemeinde das Gebäude ins Inventar der kommunalen Schutzobjekte auf. Vor kurzem erhielt Müller eine erneute Baubewilligung. Nun soll die Sanierung tatsächlich Realität werden. Vorgesehen sind drei kleine Wohungen mit je zweieinhalb Zimmern und einem kleinen Büroraum. Durch den Schutzstatus verkompliziert sich der Bau etwas. «Wir hatten ursprünglich vor, die Fassade mit Holz zu verschalen, das dürfen wir nun nicht mehr», erklärt Müller. Auf dem Dach sind ausserdem nur ganz kleine Fensterchen erlaubt. Auch im Inneren macht sich der Denkmalschutz bemerkbar. So müssen alle mit Riegel versehenen Wände bestehen bleiben.

Hier ist das Haus im Jahr 1963 zu sehen - damals noch ohne Fussgängerpassage im Erdgeschoss. Bild: Inventar Eglisau

Doch nicht nur der Schutzstatus erschwert die Bauarbeiten. Aufgrund der Nähe zur Hauptstrasse machte der Kanton zusätzliche Auflagen wegen des Lärms. «So haben wir nun das Treppenhaus an die Strassenseite verlegt und die Wohnungen von der Strasse weg», sagt Müller.

Gemeinde begrüsst Bauprojekt

Bei der Gemeinde Eglisau ist man froh, dass der Schandfleck an der Zürcherstrasse bald verschwindet. «Das Haus erweckt fast schon den Eindruck, als würde es einstürzen», sagt René Strahm, Leiter Bau und Planung. Umso mehr sei man zufrieden, dass man mit dem Besitzer eine gute Lösung habe finden können.

Erstellt: 07.11.2019, 17:48 Uhr

Kulturgeschichtlich und ortsbaulich relevant

Das Haus an der Zürcherstasse 10 in Eglisau steht unter kommunalem Schutz, weil es sich um einen regionaltypischen Stockwerkbau im Fachwerk handelt. Dies geht aus dem Gutachten zum Gebäude hervor. Ursprünglich an der historischen Landstrasse von nationaler Bedeutung gebaut und später an der Kreuzung dieser und der neu angelegten Zürcherstrasse gelegen, sei das Haus Zürcherstrasse kulturgeschichtlich und ortsbaulich relevant. Als markanter Kopfbau der Häuserzeile sei das Haus mit seinen charakteristischen Fachwerkfassaden in hohem Masse ortsbildprägend. Insbesondere die zur ehemaligen Landstrasse ausgerichteten Nordfassade und sowie die markante giebelseitige Ostfassade seien in ihrer Wirkung für das Ortsbild bedeutend. (fab)

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