Embrach

Ein Leben für Flüchtlingskinder

Die Sekundarlehrerin Rahel Bänninger hat ihre Stelle gekündigt und löst bald ihren Haushalt auf. Sie hat sich entschieden ihr Leben syrischen Flüchtlingskindern im Libanon zu widmen.

Im Oktober wird Rahel Bänninger die Sicherheit und den Komfort ihres Lebens in der Schweiz verlassen.

Im Oktober wird Rahel Bänninger die Sicherheit und den Komfort ihres Lebens in der Schweiz verlassen. Bild: Johanna Bossart

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Menschen aus fernen Ländern und fremden Kulturen gehören zu Rahel Bänningers Interessen. Waren es früher Ferienreisen und Sprachaufenthalte hat sie sich in der jüngeren Vergangenheit mit dem Schicksal syrischer Flüchtlingskinder, die oft jahrelang in Flüchtlingslagern leben müssen, auseinandergesetzt.

In ihr reifte der Entschluss, die Kinder vor Ort zu unterstützen. «Ich will das Leben der Kinder mit Gesang, Spielen und Geschichten erzählen bereichern», beschreibt sie ihren Auftrag.

Liebe zum Orient entdeckt

Die neun Schuljahre und die KV-Lehre auf der Gemeindeverwaltung Embrach deuteten noch nicht daraufhin, dass es Rahel Bänninger in die weite Welt hinausziehen würde. Die fünf Jahre danach als Sektretärin in einer Anwaltskanzlei bildeten einen soliden beruflichen Hintergrund. Ihrer Sehnsucht ferne Länder zu bereisen, folgte sie in den Ferien.

Vor zwei Jahren schloss sie die Ausbildung an der pädagogischen Hochschule Zürich zur Sekundarlehrerin ab. Im Rahmen dieser Ausbildung studierte sie ein Semester in Quebec, Kanada, wo sie französisch lernte. Für ihr Praktikum wählte die junge Frau einen ungewöhnlichen Ort: Sie ging nach Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. «Es waren abenteuerliche und bereichernde Wochen die ich in Afrika verlebte», erinnert sich die Embracherin. «Ich lebte bei einer Gastfamilie und bekam einen realistischen Einblick in das Leben einer Kongolesischen Familie. Es war eine lehrreiche Zeit, in der mir bewusst wurde, wie komfortabel wir in der Schweiz leben, und dies für die wenigsten Menschen auf der Welt selbstverständlich ist.»

Ihre erste Stelle führte die junge Lehrerin in den nahen Osten, wo sie die Kinder von Auslandschweizern unterrichtete. Nebenbei gewann sie den orientalischen Lebensstil lieb.

In dieser Zeit begann in Rahel Bänninger der Entschluss zu reifen, ihr Leben den Ärmsten dieser Welt zu widmen: Den syrischen Kindern die vor Krieg in den Libanon fliehen mussten.

Ein Inserat der humanitären Organisation «Middle East Aid», ein karitativer Verein mit Sitz in Winterthur, der bedürftigen Flüchtlingen im Nahen Osten Hilfe bringt, verstand sie als Fingerzeig. «Während meines Auslandjahres hatte ich Zeit um über den wegweisenden Entscheid nachzudenken», sagt die 29-Jährige.

Noch vor ihrem definitiven Entscheid, ihren Lebensmittelpunkt in den nahen Osten zu verlegen, nahm sie die Stelle als Sekundarlehrerin an der Schule Rorbas-Freienstein-Teufen an. «Ich wog Pro und Kontra sorgfältig ab und je mehr ich mich damit befasste umso sicherer wusste ich, dass meine Aufgabe in den Flüchtlingslagern im Libanon ist.» Motivation für ihr Handeln ist Rahel Bänningers christlicher Glaube.

Gefährlicher Arbeitsplatz

Die Lehrerin wird in einem Team bestehend aus einem Arzt, Krankenpflegern, Pädagogen und Handwerkern mitarbeiten. Ein wichtiger Aspekt ihres Tuns ist, den Kindern Annahme und Wertschätzung zukommen lassen.

Rahel Bänninger ist sich der Gefahr im Krisengebiet bewusst. «Jeder von uns weiss in etwa, worauf wir uns einlassen», erklärt sie. «Wir werden darüber instruiert, wie wir uns zu verhalten haben und niemand von uns darf sich alleine in der Gegend bewegen.» Ausserdem übt das Team regelmässig die Evakuation für den Notfall.

Ihr Vertrag mit der Hilfsorganisation ist unbefristet. «Ich weiss nicht, wie lange ich bleiben werde, rechne aber mit einem langfristigem Engagement.» Rahel Bänninger wird, wie jede ihrer Kolleginnen und Kollegen vor Ort, von der Organisation keinen Lohn beziehen. Es ist die Aufgabe eines Jeden, einen persönlichen Trägerkreis zu bilden, der die betreffende Person auf Dauer finanziell versorgt. «Ich bin zuversichtlich, dass sich auch das fügen wird und ich keinen Mangel leiden werde», zeigt sie sich optimistisch.

Familie, Freunde und die Schule zu verlassen wird nicht leicht sein, Rahel Bänninger pflegt enge herzliche Bindungen. Aber sie wisse, dass ihre Familie hinter ihr stehe.

Bis zu ihrem Aufbruch im Oktober bereitet sie alles Nötige vor und lernt Arabisch. Im September wird sie für eine Woche ein Klassenlager ins Saastal, Wallis, begleiten – noch einmal Berge und Bilderbuchschweiz tanken, bevor das neue Leben beginnt.

Erstellt: 27.06.2019, 13:04 Uhr

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