Greifensee

Endeckungsreise der «Queen of Chaos»

Die Volketswiler Sängerin La Rayne tauft am nächsten Samstag ihre zweite CD «Queen of Chaos» im Theater am Gleis in Winterthur.

La Rayne?im Städtli-Café & Bistro am Greifensee.

La Rayne?im Städtli-Café & Bistro am Greifensee. Bild: Martin Allemann

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Sandra – La Rayne – haben Geschichten, Texte schon immer beflügelt. Tagsüber arbeitet sie als Übersetzerin am Zürcher Flughafen – abends, in ihrer Freizeit, versinkt sie im Musikmachen. Dabei ist Letzteres keinesfalls nur ambitioniertes Hobby, vielmehr glückliche, aber auch leidtragende Fügung. In Greifensee und Mönchaltorf als Einzelkind aufgewachsen, sog sie bis zur sechsten Klasse hauptsächlich eine Musik in sich auf – Jazz. «Ich wusste nicht, dass es noch andere Stile gab».

Ihr Vater spielte selbst kein Instrument, war aber ein Kenner des Vocal-/New Orleans-Jazz. Er habe Konzerte von Louis Armstrong oder Etta James besucht und davon geschwärmt. Mit ihren Eltern sang Sandra in einem Gospelchor, zwar keine Solopartien, himmelte aber jene, die das durften, an. Nie hätte sie damals daran gedacht, Gesangstunden zu nehmen. Dafür übte sie sich im Spiel der klassischen Gitarre. Nach der Sekundarschule war ihr noch nicht klar, wo ihre beruflichen Talente liegen.

Über Australien zur Musik

Ein Auslandjahr sollte Klarheit bringen. Doch schon vor Reisebeginn stellte ein kleiner Prospekt Sandra Raynes Lebensweichen. «Ganz hinten in der Broschüre entdeckte ich Australien und fand: «Gut, das ist weit weg, da will ich hin.» Sie lebte dort bei einer Gastfamilie, besuchte die High School und lernte bald ihren zukünftigen Mann Rodney – einen Schafscherer – kennen. Zurück in der Schweiz war klar, dass sie ihr Sprachtalent nutzen wollte. Sie besuchte die Dolmetscherschule und pendelte zwischen Australien und der Schweiz.

Ein Schicksalsschlag, der frühe Tod des Vaters, war Auslöser dafür, dass Sandra sich vertieft dem Musikmachen zuwandte. Rodney, inzwischen hier angekommen, riet ihr, zur Trauerverarbeitung Gesangstunden zu nehmen. Parallel dazu begann sie Texte zuschreiben. Erst um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten, später kamen andereThemen hinzu.

Gesangslehrer und Musiker Marco Walser bestärkte sie darin, eigene Lieder zu formen. Fortan hat sie sich rundums Thema Songwriting mit Literatur eingedeckt. «Wenn mich etwas gepackt hat, stürze ich mich mit vollem Elan ins Abenteuer.» Tagsüber arbeitet Sandra am Flughafen Zürich in der Sicherheitskommunikation, befasst sich also auch mit Texten, danach tut sie das in der eigenen Textwerkstatt. «Das Musikmachen ist für mich keine Profession, vielmehr Passion. Ich genisse den Luxus, literarische Texte zu schreiben, die ich nicht in ein Schema pressen muss. Es ist nicht mein Ziel, ein breites Mainstream-Publikum anzusprechen, habe Freude an dem, was ich mache und will, dass dies auch so bleibt.»

Analogie fürs Leben

«Ich bin ein musikalischer Spätzünder», sagt die 42-Jährige. Das habe Vor-und Nachteile. Mit Familie und zwei Jungs sei man halt weniger flexibel, dafür kann sie Lebenserfahrung und Erkentnisse in Geschichten verpacken und vertonen. Eine davon ist wie eine Analogie fürs Leben. «Ich habemich einmal beim Joggen verlaufen und dachte, ein ‹Navi› wäre jetzt von Nutzen. Ich kam beim Lauf an einer Distel vorbei auf der wunderschöne Schmetterlinge sassen. Ich dachte, eigentlich gar keine Zeitverschwendung sich zu verlaufen. Manchmal braucht das Leben Umwege um voranzukommen». Sandra Rayne arbeitet bei ihren Liedern gerne mit Metaphern auf verschiedenen Gedankenebenen. Während auf ihrer Debüt-CD «Fallen Angels» (2010) manches gedichtartig,poetisch klang und sich inhaltlich hauptsächlich mit dem Verarbeiten von schwierigen Lebensabschnitten befasste, ändert sich das auf dem neuen Album «Queen of Chaos» – es geht um Liebe.

Stilistisch verändert

Mit dem Namenswechsel zu La Rayne hat sie sich auch stilistisch verändert. «Irgendwann mochte ich die alten Songs nicht mehr singen. Ich legte den Fokus ganz darauf Musik machen zu wollen und meinen eigenen Stil zu finden. Als ich mich dazu entschloss, ein neues CD-Projekt in Angriff zu nehmen, stellte ich mir die Frage: wer bin ich, wohin soll die musikalische Reise gehen und wie will ich tönen.» Klang es bis anhin folkig-countrymässig, sind die neuen Lieder poppig. «Queen of Chaos» ist in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Dave Demuth – er gehört seit Jahren zu Sandras Band – entstanden. «Es war ein sehr spannender Prozess mich zu ‹definieren›. Musik muss authentisch sein, zu mir passen. Ich hatte vorgängig die Gelegenheit, an den Texten anderer Schweizer Künstler zu feilen und lernte so den Produzenten Thomas Fessler kennen. Als er meine Demos hörte fand er – obwohl er mich ja kaum kannte – das sei nicht ich. Also ging ich mit Dave Demuth über die Bücher und warf alles nochmals über den Haufen.» Auf der einen Seite Sandra die keine Noten lesen kann und dann der Musiker, der sein Handwerk akribisch erlernt hat. Eine Kombination, die etwas Fruchtbares, Neues geschaffen hat. Auch deshalb eine interessante Zusammenarbeit, weil es Daves erste Produktion nach dem Abschluss der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) war.

Bei den Aufnahmen im Studio war Exzellenz mit an Bord: Florian Sitzmann (Söhne Mannheims) am Piano, Jean-Pierre von Dach (Gigi Moto, Seven) an den Gitarren, Matthias Kräutli (Sina, My Name is George) an den Drums, Gigi Moto als Gastsängerin sowie das German Pop Orchestra (Paul McCartney, Supertramp) als superb eingesetztes Streichorchester.

Kreatives Entwickeln

Auch wenn die Platte süffiger, ohrwurmiger daherkommt, so ist es immer Sandras Passion, auch ganz aufs Wesentliche reduzierte Lieder wie beispielsweise «Clementine» zu schreiben. Sie hat sich vor der Albumproduktion eine Woche lang im Tessin verschanzt, den Alltag hinter sich gelassen und sich ganz aufs kreative Arbeiten konzentriert. Ausgerüstet mit einer Musikstation, iPad, Gitarre und einem Stoss Papier an Ideen. «Ich konnte kaum schlafen, so sprudelte es. Eine extrem schöne Erfahrung». Aus dreizehn groben Ideen liess man elf reifen und die finden sich nun auf dem Album. Man könne sich diesen Prozess wie Musik-Ping Pong vorstellen: Dave und Sandra schickten sich die Soundfiles hin und her. Mal mit raffinierten Einfällen gespickt, aber auch unnötiger Balast weggelassen – eine Kreativwerkstatt eben.

Mehr Emotionen

«Mit dieser Arbei habe ich viele neue Facetten des Musizierens und bei mir entdeckt. Ich lege heute mehr Emotionen, mehr Gefühl in den Gesang und habe weniger wie früher den Ehrgeiz beweisen zu müssen, dass ich Gesangstechniken beherrsche. Das macht mich auch frei von falschen Erwartungshaltungen. Ich strebe nicht nach Chart-Erfolgen, sondern will mit meinen Liedern – und auf meine vielschichtigen Texte bin ich wirklich stolz – berühren.» Auch wenn Sandra Rayne äusserlich eher ruhig undzurückhaltend wirkt, steht der Albumtitel «Queen of Chaos» sinnbildlich für eine Musikerin, die ihren Weg gefunden hat und zielstrebig entlang geht.

La Rayne – Platten-TaufeSamstag, 16. Juli, 20 Uhr, Theater am Gleis, Winterthur. Tickets: Nur Abendkasse. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.07.2016, 13:50 Uhr

Ticketverlosung

La Rayne – Der «Zürcher Unterländer» verlost zweimal zwei Tickets für die CD-Taufe von Samstag, 16. Juli, um 20 Uhr, Theater am Gleis in Winterthur. Die Tickets können von den Gewinnern an der Abendkasse abgeholt werden.
Kennwort: Rayne
Teilnahme: kostenlos per E-Mail auf ticketverlosung@ zuonline.ch bis Montag, 11. Juli, 8 Uhr (bitte Name und Adresse an­geben). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeiter der Tamedia AG ­sowie deren Ange­hörige sind nicht teilnahmeberechtigt. (red)

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