Oberglatt

«Ich will ein strukturelles Problem beheben»

Roland Widmer hat beim Kantonsrat eine Einzelinitiative eingereicht. Er fordert, die Amtsdauer im Regierungsrat auf zweimal vier Jahre zu beschränken. Dass sein Anliegen Erfolg haben wird, bezweifelt er. Doch den Diskurs zu fördern, ist ihm wichtig.

Roland Widmer aus Oberglatt will frischen Wind im Regierungsrat und hat deswegen eine Einzelinitiative zur  Beschränkung der Amtszeit eingereicht.

Roland Widmer aus Oberglatt will frischen Wind im Regierungsrat und hat deswegen eine Einzelinitiative zur Beschränkung der Amtszeit eingereicht. Bild: Sibylle Meier

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Roland Widmer, begründen Sie Ihre Forderung nach einer Beschränkung der Amtszeit für Mitglieder des Regierungsrats auf zweimal vier Jahre.
Roland Widmer: Ich habe das Gefühl, bestehende Mitglieder des Regierungsrates müssten fast ein Verbrechen begehen, damit sie abgewählt werden. Meiner Meinung nach fördern die Parteien den Nachwuchs zu wenig und verlassen sich auf die alten Namen. Das könnte sich durch die Beschränkung verändern, weswegen ich mich für ein Modell wie in den USA stark mache. Dort kann der Präsident auch maximal zweimal vier Jahr im Amt bleiben.

Sie benötigen die Unterstützung von 60 Personen im Kantonsrat, also von einem Drittel aller Mitglieder. Sind Sie optimistisch, dass ihr Anliegen durchkommt?
Nein, eigentlich nicht. Doch durch meine Initiative wird das Thema immerhin diskutiert. Ich habe von unterschiedlichen Personen im Kantonsrat gehört, dass eine Beschränkung auf drei Amtsperioden grössere Chancen hätte, angenommen zu werden. Acht Jahre sind für viele wohl doch zu wenig. Es müsste jemand den Gegenvorschlag einreichen, der die Beschränkung auf zwölf Jahre verlangt. Damit wäre ich auch einverstanden.

Von welcher politischen Seite erhalten Sie eher Zuspruch?
Das lässt sich so kaum sagen. Ich selbst bin parteilos, erwarte aber tendenziell eher von links Unterstützung. Ich habe jedoch auch schon von einem Mann aus der SVP gehört, dass er die Idee grundsätzlich begrüsst. Allerdings tendiert er zu einer Beschränkung auf drei Amtszeiten.

Sie sind der Meinung, durch die Beschränkung könnten neue Kräfte gefördert werden, äussern sich aber auch öffentlich negativ über einzelne Regierungsräte. Wollen Sie einen persönlichen Kampf ausfechten?
Nein, ich will ein strukturelles Problem beheben. Meine persönlichen Unstimmigkeiten mit gewissen Herren im Rat haben mich sicherlich motiviert, die Initiative einzureichen. Doch die Beschränkung finde ich so oder so wichtig.

Schaut man sich auf Ihrer Website um, hat man rasch den Eindruck, Regierungsrat Mario Fehr sei ihr persönliches Feindbild: Eine Darstellung zeigt eine Fotomontage von Mario Fehr und Donald Trump, auf einem anderen Bild steckt er in einem Pranger. Was bezwecken Sie damit?
Mario Fehr ist nicht mehr mein Lieblings-Regierungsrat. Im Sommer vor zwei Jahren hat er dafür gesorgt, dass eine tschetschenische Familie, die über vier Jahre in der Schweiz gelebt hat, ausgeschafft wurde. Danach hat er mich angerufen und gesagt, sie seien freiwillig gegangen. Und jetzt plötzlich, wenn es auf die Wahlen zu geht, zeigt er wieder seine humanitäre Seite. Mein Ziel ist, dass er als Politiker nicht mehr aktiv ist. Das könnte durch die Initiative auch erreicht werden.

Sie schreiben im Initiativtext, es sei wichtig, den «Filz» zu verhindern.
Ich habe beobachtet, dass sowohl auf kommunaler als auch auf kantonaler Ebene in der Politik viel unter der Hand entschieden und öfters mal ein Auge zugedrückt wird – wenn man sich kennt. Wären die Ratsmitglieder nur maximal acht Jahr im Amt, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass ein politischer Filz entsteht, deutlich geringer. Im Grundsatz wäre auch eine Amtszeitbeschränkung für den Kantonsrat angebracht, dort ist aber immerhin die Fraktion einer Partei noch mitentscheidend.

«Sesselkleber wollen Nachwuchsproblem vertuschen», schreiben Sie weiter. Was meinen Sie damit?
Die Parteien bieten keine Alternativen zu ihren etablierten Politikerinnen und Politikern – erst wenn diese zurücktreten, tauchen neue Köpfe auf. Ich hätte gerne mal eine junge Person um die 30 im Regierungsrat, die frischen Wind reinbringt.

Abgesehen von dieser Initiative und anderen politischen Themen im Umwelt- und Asylbereich setzen Sie sich auch für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern ein. Was motiviert Sie, sich so vielseitig zu engagieren?
Ich will einfach nicht so ein Schweizer sein, der die Faust im Sack macht. Aber ich weiss auch, dass für mich die Politik als Politiker nichts ist. Dafür muss man ein cooler Typ sein, ich bin zu emotional. Dennoch ist es mir wichtig, mich auf einer humanitären Ebene einzusetzen. Wir hier in der Schweiz leben im Paradies. Wenn ich also Leuten etwas zurückgeben kann, die nicht im Paradies leben, ist das für mich befriedigend. Mit dem Projekt sauberes Trinkwasser begonnen habe ich nach der Pensionierung. Ich habe mein Leben lang in der Forschung gearbeitet, da konnte ich nicht einfach plötzlich zuhause sitzen und Däumchen drehen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.08.2018, 18:23 Uhr

Zur Person

Roland Widmer aus Oberglatt ist 78 Jahre alt und pensioniert. Früher war er in der Forschung im Bereich der physikalischen Chemie tätig, heute ist er Präsident einer Non-Profit-Organisation, die sich für keimfreies Trinkwasser einsetzt. Seine Eigeninitiative zur Amtszeitbeschränkung hat er im Februar eingereicht. Im Kantonsrat sollte bald darüber abgestimmt werden, da die Frist von einem halben Jahr gilt.

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