Bachenbülach

Intimes Tischgespräch mit dem Papst

Die Kammerspiele Seeb laden ein zum Komödienklassiker «Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde» mit Walter Andreas Müller in der Hauptrolle.

Die Rolle des Papstes mit wenig Text und viel Präsenz zu spielen, sei für ihn nicht einfach, sagt Walter Andreas Müller (Mitte) – hier in der Stube von Taxifahrer Samuel Leibowitz (Eric Hättenschwiler) und seiner Frau Sarah (Sabina Deutsch).

Die Rolle des Papstes mit wenig Text und viel Präsenz zu spielen, sei für ihn nicht einfach, sagt Walter Andreas Müller (Mitte) – hier in der Stube von Taxifahrer Samuel Leibowitz (Eric Hättenschwiler) und seiner Frau Sarah (Sabina Deutsch). Bild: Heinz Diener

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Die Kammerspiele Seeb feiern ihr 45-jähriges Bestehen. Gründer, Theaterleiter und Regisseur Urs Blaser verwandelte sein im Alter von 13 Jahren ins Leben gerufene Jugend- und Laientheater nach und nach zu einem der renommiertesten professionellen Kleintheater der Schweiz, das sich der Herkulesaufgabe annimmt, nur Eigenproduktionen auf die Bühne zu bringen. Für die Jubiläumsproduktion konnte Blaser zu seiner Freude einen der bekanntesten Schweizer Schauspieler engagieren. Walter Andreas Müller spielt in der Zwei-Akt-Komödie des ungarisch-brasilianischen Dramatiker João Bethencourt die titelgebende Rolle des Oberhauptes der katholischen Kirche: «Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde» feiert heute Freitagabend vor ausverkauftem Saal Premiere.

Der Papst wird in dem Stück aus dem Dolder Grand entführt und ins Wohnzimmer der Familie gebracht. Bild: Heinz Diener

Das Stück hatte 1972 in Zürich seine deutschsprachige Erstaufführung, so wird die Handlung denn auch vom New Yorker Viertel Brooklyn in ein idyllisches Bernoulli-Häuschen in Zürich Altstetten in die Gegenwart versetzt. Und für das Theater untypisch wird, bis auf den Papst, Dialekt gesprochen: Syrischer Bombenkrieg, Ausbeutung, Massaker an US-Schulen – der jüdische Taxifahrer Samuel Leibowitz (Eric Hättenschwiler) ist von der brutalen Lage der Welt betrübt und nicht mehr bereit, sie mit Nichtstun zu ertragen. Der verschrobene Schweizer Familienvater nimmt die Dinge in die eigene Hand: er entführt aus dem Dolder Grand Hotel den gerade in Zürich weilenden Papst Albert IV. Samuels Ehefrau Sarah (Sabina Deutsch) und seine beiden Kinder sind geschockt, vor allem als sie erfahren, welche Forderung Samuel an die Weltgemeinschaft stellt: Einen Tag lang soll Weltfrieden herrschen und kein Mensch sterben, wenn der Papst wohlauf aufgefunden werden soll.

Warmherziger Menschenhirte

Dieses Unterfangen erhält natürlich den Segen des Entführungsopfers, der Papst spannt mit Leibowitz zusammen und lebt sich in der Familie schnell ein. Während die UNO sich berät, tauchen Probleme in der Person des gierigen Rabbi Meyer (Marco Canadea) und eines Kardinals (Reto Mosimann) auf.

Bis auf den Papst sprechen im Stück alle Mundart. Bild: Heinz Diener

Der Papst ist in der Darstellung von Walter Andreas Müller ein charismatischer, warmherziger Menschenhirte mit Lebensfreude, Humor und wenig Sinn fürs steife kirchliche Protokoll. Es sei jedoch keinesfalls eine einfache Rolle, wie Müller angenommen hatte. Auch weil die Papstrolle wenig Text hat: «Das Stück lebt natürlich von dieser Figur, aber ich bin nicht die Hauptrolle, sondern die Titelrolle. Die Hauptrolle spielt die Taxifahrerfamilie. Und es ist für mich eine grosse Schwierigkeit mit sehr wenig Text auf der Bühne Präsenz zu zeigen und eine glaubwürdige Figur zu kreieren, die lediglich durch Interaktion, durchs Wirken und Zuhören Spannung erzeugen muss, ohne sich wirklich verbal auszudrücken.» Das habe er unterschätzt, räumt er ein. Das Stück habe er schon lange im Kopf gehabt, seit er es in Zürich im Schauspielhaus gesehen habe. «Es hat sich bei mir eingebrannt, ich weiss bis heute die Besetzung und sehe einzelne Szenen vor mir.»

Zusammenarbeit mit Theater am Hechtplatz

Auch bei den Kammerspielen aufzutreten bedeutet Walter Andreas Müller viel. «Was Urs Blaser mit diesem Theater geschaffen hat, ist grossartig. Ich war immer wieder als Zuschauer hier und habe mir im Hinterkopf ein wenig gewünscht, von ihm für ein Stück angefragt zu werden», sagt Müller, der dieses Jahr sein 50-jähiges Bühnenjubiläum feiert, bescheiden.

Die Produktion entstand in Zusammenarbeit mit dem Theater am Hechtplatz in Zürich, und auch durch den dortigen Regisseur Dominik Flaschka sei es zum Projekt gekommen. «Ich dachte – wow, wenn ich die Chance habe, diese Rolle an diesen zwei Theatern zu spielen, dann ist das ein wunderbares Geschenk.»

Erstellt: 21.11.2019, 15:26 Uhr

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